Maschinenpraktikum: Mehr als nur der Hauptmotor

Datum: Mittwoch, der 29.11.2017
Mittagsposition: 15° 36,4‘ N, 016° 14,4‘ W
Etmal: 115 sm
Wetter: Wassertemperatur: 27°C, Lufttemperatur: 28,5°C, Wind: NE 4
Autorin: Lea

Wenn der Wind nicht so kommt und man dennoch ankommen möchte, braucht es eben einen Motor, und für dessen Wartung bedarf es eines Maschinisten. Doch zu diesem Job gehört noch viel mehr dazu…

Mit dem Unterricht kamen auch die Praktika beim Bootsmann, Maschinisten und beim Proviant für die neue Etappe, die jeder, der wollte, absolvieren darf. Praktika finden an unterrichtsfreien Tagen statt und richten sich nach den zu erledigenden Aufgaben. Als Praktikant/in ist man von der Wache als auch vom Reinschiff befreit, um ohne viele Unterbrechungen den Praktikumsleiter/innen zur Hand gehen zu können. Heute war mein erster Tag bei meinem Maschinenpraktikum, was bedeutet, dass ich Willi über seinen Tag hinweg begleiten und ihm assistieren durfte.

Wasser ist unglaublich wichtig, viel mehr als Essen, und obwohl wir bis zum Horizont von Wasser umgeben sind, ist Trinkwasser eher rar. Doch zum Glück hat die Technik Lösungen gefunden, ein Beispiel ist die Osmose-Anlage. Da sie, abgesehen von den Wassertanks, die einzige Frischwasserquelle ist, müssen wir gut darauf aufpassen. Schließlich wollen wir alle gerne auch mal mit Süßwasser duschen und über den Tag wird von 50 Personen eben eine Menge Wasser verbraucht. Deswegen kümmerten Willi und ich uns morgens zunächst um diese Anlage. Alle vier Wochen muss sie gereinigt werden, und das stand heute auf dem Programm. Wir nahmen die Filter heraus und ließen zwei verschiedene Reiniger mehrere Stunden durchlaufen. Dabei wurde ich immer mehr in die Funktion und den Aufbau der Osmose eingeführt und bekam einen Einblick in die vielen Leitungen, die Wasser, frisch als auch salzig, überall im Schiff herum transportieren. Für die Reinigung waren wir den ganzen Morgen damit beschäftigt, alle 5-10 Minuten Knöpfe zum an- und ausschalten zu drücken. Natürlich muss das auch alles dokumentiert werden, um auf die Daten zurückgreifen zu können und die wichtigen Bestände des Wassers, aber auch des Diesels im Auge zu behalten. Für diesen Vorgang gibt es sogar extra Tagebücher, in welchen wir heute die Werte unseres Tankstopps in Sal dokumentierten sowie den Verbrauch an Diesel und Frischwasser ausrechneten.
Den Nachmittag über durfte ich ein bisschen an einem Metallwinkel herum basteln und mir wurde bewusst, wie wenig ich sonst mit Werkzeugen zu tun habe. Nachdem ich ihn abgesägt und gefeilt hatte, stanzten wir noch mit Metallstempeln meinen Namen und „KUS 17/18“ hinein.

Da wir mit dem Passatwind nicht ganz so viel Glück haben und nicht erst nach Weihnachten in der Karibik sein wollen, müssen wir wohl oder übel (eindeutig eher übel) nachts mit Motor fahren. Dafür musste die Maschine vorbereitet werden, sprich, man musste wie bei einer Maschinenronde alles ölen, überprüfen und einige Schalter umlegen. Dies erledigten wir dann auch nach dem Abendessen Schritt für Schritt. Nachdem wir Detlef gemeldet hatten, dass alles vorbereitet ist, durfte ich auf dem Achterdeck den Hebel umlegen, das Knattern der Maschine auslösen und Gas geben.

Natürlich gehört zum Job des Maschinisten viel mehr, als man innerhalb eines Tages bzw. über das Praktikum hinweg lernen könnte. Wichtig sind natürlich die Hauptmaschine, die Osmose-Anlage, aber auch der elektrische Betriebsraum, die Dieselverwaltung und auch die Überwachung des Wasserstandes in den Tanks. Generell hat man als Maschinist einige Aufgaben, die jeden Tag zu erledigen sind, ansonsten geht man mit offenen Augen durch das Schiff und macht, was gerade anfällt.

Morgen steht für mich dann wieder Unterricht an und am Freitag ist dann Tag zwei des Praktikums.

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