Ein letztes Mal

Datum: Montag, der 08.04.2018
Mittagsposition: Falmouth, England
Wetter: Lufttemperatur: 14°C
Etmal: 0 sm
Name: Kira

Wir schreiben den 8.04.18, 18:30 Uhr, und es kommt eine Ansage von Caro (Stamm), dass um 18:45 Uhr eine Backschaftsbesprechung für den nächsten Tag in der Bib ansteht. Sofort fühle ich mich angesprochen und der erste Gedanke und das erste Wort in meinem Kopf sind „…letzte,letzte,letzte…“.

Und warum?

Naja, jeder von uns KuSis hat eine bestimmte Anzahl an Backschaften auf dieser Reise absolviert und morgen am 9.04.18 um 6:00 Uhr heißt es für mich ein letztes Mal „die Backschaft in die Backschaft“.

Irgendwie beschäftigt mich dieses Wort „letzte“ in letzter Zeit ständig. Aus der einen Ecke kommt von Äms die Anmerkung nur noch ein letzter Sonntag und dann sind wir zu Hause und von der anderen Seite kontert Tilli mit und ich darf noch ein letztes Mal Sanitär putzen. Auch stellt man sich in manchen Momenten im Ausguck vor wie wohl das letzte Frühstück oder der letzte Tag auf der Thor sein mag.

In meinem Kopf existiert er schon mit vielen Tränen, leckerem Essen aber natürlich wiegt auch ein bisschen die Vorfreude auf zu Hause und die Familie mit. Dabei befindet man sich, jedoch gleichzeitig schon wieder in einem Zwiespalt, denn in den sechs Monaten hat man eine neue Familie und ein neues Zuhause gewonnen.

Das Gefühl, wenn man putzt und gleichzeitig weiß, dass es das letzte Mal diese Station ist, ist einerseits toll, da man dann nicht mehr putzen muss, jedoch auch traurig, weil man einfach merkt wie es von Tag zu Tag dem Ende der Reise entgegen geht.

Eine weitere Situation: Am Ende unserer Schülerversammlung tauchte Leni auf, welche in die Bib zum Arbeiten ausweichen musste und feststellte, dass dort etwas mehr Ordnung herrschte als sonst und sagte: „So, meine lieben Schüler/innen in den letzten zwei Wochen könnt ihr euch nochmal etwas zusammenreißen“ Danach erst einmal ein Moment Stille und ich merkte wie nicht nur mein Kopf arbeitete und rechnete wie lange es noch ist, sondern auch die Köpfe aller anderen. Wir stellten alle fest es stimmt. Der Countdown läuft.

Man kann die Sache jedoch auch wie Detlef sehen: „Irgendwann muss eine Reise zu Ende sein, damit eine Neue beginnen kann“. Irgendwie hat er damit recht. Es ist eine bereichernde und unbeschreibliche Reise, aber das Problem dabei ist, dass man sich irgendwann gar nicht mehr so darüber freut wie am Anfang. Zum Beispiel, dass man sich gerade in Falmouth befindet. Am Anfang war das noch ein faszinierendes Gefühl, gerade mit der Thor auf Teneriffa zu sein, oder gar Delfine zu sehen.

Viele von uns haben auch schon Pläne für neue Reisen, wenn sie nicht sogar schon welche organisiert haben. Bevor sie jedoch diese Reisen beginnen können, müssen sie ihre derzeitige Reise beenden. Was auf Detlefs Zitat, wie man so schön sagt, wie die Faust aufs Auge, passt.

Im Endeffekt bleibt mir leider nichts anderes übrig, als zu versuchen nicht an den letzten Tag, die letzte Minute und letzte Sekunde auf der Thor zu denken. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, da die Uhr läuft und die Zeit rennt. Es wird von Tag zu Tag schlimmer, da das Wort „letzte“ immer häufiger in unseren Gedanken vor und aus unserem Mund kommen wird.

Wir können auch nichts dagegen machen, dass irgendwann das letzte Mal kommen wird und so kommt das letzte Mal Putzen, Essen, Schlafen und Duschen auf der Thor. Dafür wird es aber auch ein erstes Mal Essen, Schlafen und Duschen zu Hause geben nach dem man sich ein bisschen gesehnt hat. Die Vorstellung, seine Familie und Freunde in die Arme zu schließen, lässt einem warm ums Herz werden.

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