Meine Highlights der Reise (Solo Teil 2)

Datum: Dienstag, der 10.04.18
Mittagsposition: Auf einem Baum, Falmouth, England
Etmal: 0 sm
Wetter: bewölkt, leichter Regen
Autorin: Vicky

Die meiste Zeit meines Solos verbrachte ich auf einem Baum. Mein Highlight dabei war, wie ein ziemlich großes Eichhörnchen direkt neben mir vorbei sprang. Das Solo war für den Großteil von uns eine positive Erfahrung, obwohl der Regen und ein Hund, der über die Hälfte unserer Schlafplätze spazierte, meist als störend empfunden wurden… Du darfst ja nicht mit dem Hund reden, was die Sache ziemlich kompliziert macht, wenn du auf einem Baum sitzt.

09.04 auf einem Baum in meinen 4m²: Wie viel Uhr ist weiß ich nicht, wie viel Grad es hat weiß ich auch nicht und an welcher Position ich mich befinde leider auch nicht, denn ich sitze gerade, während des Solos, auf einem Baum und denke nach. Ich sitze auf einem Baum und denke nach über die Highlights der Reise.

Meeresleuchten

Eine Nacht, da stand ich ewig. Ich stand ewig da und starrte auf das sich kräuselnde leuchtende Wasser. Ich starrte die glitzernden Wellen nicht an, weil ich Mathe lernen und mir die Sinuskurven näher bringen wollte. Nein, ich starrte es an, weil es mich in eine Art Trance versetzte, so wie es das immer tut. Bei jeder Welle bewunderte ich die blau leuchtenden Punkte, die kurz aufblinkten, um kurz darauf für die Ewigkeit zu verschwinden.

Es ist unmöglich „Landratten“ zu erklären, was man da sieht. Dennoch kann man es mit einem Sternenhimmel vergleichen. Mit einem Sternenhimmel, der an einem vorbeizieht – ganz schnell – als sitze man in einer Rakete und schaue aus dem Fenster (Zitat Hanna). Naja, es schaut nur fast so aus. Nur fast, denn die Sterne des Meeres blinken nur kurz auf, verschwinden dann und neue nehmen ihren Platz ein. Und mit jeder Seemeile, mit jedem Augenblinzeln lässt man die soeben bewunderten Sternchen hinter sich und bewundert die neu Erschienenen. Das wiederum lässt sich vergleichen mit Vergangenheit und Zukunft. Während du die Vergangenheit immer weiter hinter dir lässt, nur noch deine Erinnerungen von ihr zeugen, sammelst du neue leuchtende Momente, die dich genauso in Trance versetzen können wie das Meeresleuchten mich.

Ankommen in der Karibik

Das Wasser wurde immer klarer und verwandelte sich schnell von einem dunklen, tiefen Königsblau in ein helles, klares Karibikblau – Wir waren endlich da! Ich traute meinen Augen kaum: Vor uns lag eine Insel übersät mit Palmen und schneeweißem Sand. Um uns war Wasser so klar, dass man den Grund erkennen konnte während man in sein Spiegelbild sah. So blau, wie auf all den Bildern, die ich vorher stundenlang angesehen hatte. Hinter uns lag eine lange Etappe, die uns allen Kraft und Schlaf geraubt hatte. Meinen Ohren konnte ich auch kaum trauen, denn Detlef sagte, wir dürften jetzt sofort ALLE an Land und zwar, indem wir von Bord springen und zur Insel schwimmen könnten. Ich tauchte kurz darauf in das Wasser ein und spürte, wie es mich, warm wie es war, umschlang. Ich wollte mich aus dem Griff des so herbeigesehnten Wassers nicht mehr lösen, so wie die meisten anderen, weshalb ich fast den ganzen Tag im Meer verbrachte. Ich war nur an Land, um mit den anderen durch den Sand wieder hinein zu kugeln oder um zu versuchen, all das auf Photos festzuhalten, was schier unmöglich war.

Horseshoe Bay, Bermuda

Eine Bucht, von der ich niemals zu träumen gewagt hätte: Leer, mit rosa Sand, stechend blauem Wasser und grauen, hoch hinausragenden Felsen, welche sich von der Außenwelt abschirmten. Doch es gab sie und wir waren da. Vor lauter Freude rissen wir uns unsere Kleider vom Leib und rannten in unseren Badeklamotten den ganzen Weg bis ins Wasser. Und ja, das Wasser war kalt, um nicht zu sagen a*kalt. Und ja, der Strand hatte eine rosa Nuance, die man sich mit viel Phantasie ausmalen musste. Und ja, es war auch nur so leer, – leer bis auf 33 Jugendliche, die mal eben die halbe Welt umsegelt hatten – weil es mindestens acht Windstärken hatte und es eine Hurrikan-Warnung gab. Aber die grauen, hoch hinausragenden Felsen und das stechend hellblaue Wasser gab es wirklich. Und im Traum ausmalen, hätte ich mir die Bucht auch nie können, denn trotz alledem war sie wunderschön. Trotzdem werde ich sie nie wieder besuchen kommen, denn mein Vater sagte mir mal: „Kehre niemals an einen Ort zurück, den du als wunderschön in Erinnerung hast, denn so kannst du nur enttäuscht werden. Behalte aber diese Erinnerung immer in deinem Herzen!“

10.04, in meinem Schlafsack unter einem Baum auf meinen 4m2: Wie viel Uhr es ist, weiß ich nicht, wie viel Grad es hat, weiß ich auch nicht und an welcher Position ich mich gerade befinde leider auch nicht. Einzelne Regentropfen streifen mein Gesicht. Wie es aussieht, regnet es schon länger, doch bis jetzt hat mein Lager, gebaut aus Müllsäcken und Ölzeug, ganz gut dicht gehalten. Langsam erwache ich und kurz darauf schlafe ich eingewickelt in meinem Schlafsack wieder ein. So lange bis ich von Jan geweckt werde, welcher mir durch Zeichensprache zu verstehen gibt, dass das Solo in 30 Minuten zu Ende sei. Noch den ganzen Tag schweifen meine Gedanken weiter und ich komme zu dem Schluss, dass Vergangenheit nicht gleich Zukunft ist. Ich muss zugeben, ich hatte Angst. Ich hatte Angst wieder in die alte Welt zurückzukommen, in die Vergangenheit. Doch jetzt weiß ich mehr. Ich weiß, dass ich in die von mir abhängige Zukunft zurückkehren werde und diese gestalten kann, wie ich will.

PS: Alles Gute zum Geburtstag Nina Patrizia Helmke von Bene

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