Tiere auf der Thor

Datum: Mittwoch, der 11.04.2018
Mittagsposition: Falmouth/England
Etmal: 0 sm
Wetter: Lufttemperatur: 10°C; Wassertemperatur: 10,5°; Wind: NE1
Autorin: Marlene E.

Obwohl wir bei jeder Einklarierung angeben, keine Tiere an Bord zu haben, wimmelt es dennoch auf dem ganzen Schiff von ihnen wie auf einem Bauernhof.

Fangen wir bei den fast auf allen Traditionsseglern heimischen Tieren an. In den meisten Fällen gibt es auf den Segelschiffen ein Kielschwein. Das Kielschwein liegt meist Jahre lang am untersten Punkt längs entlang im Inneren des Schiffes und hält dort, wie eine Wirbelsäule eines Säugetiers, alle Spanten (entspricht gebogenen, quer verlaufenden Stahlträgern, wie Rippen) und somit den Rumpf des ganzen Schiffes zusammen.

Völlig andere starke Bewohner an Bord sind Bullen. Sie sind zu beiden Seiten des Schiffes auffindbar, meist sehr eingedreht, braun und größtenteils voll unter Spannung. Um sie zu zähmen, muss man mindestens mit drei Personen an einem holen und den anderen mit voller Kraft auffieren. Bullen halten zusammen mit der Schot die Gaffelsegel an Ort und Stelle. Natürlich gibt es manchmal auch die ein oder andere blöde Kuh an Bord.

Etwas sensiblere Tiere sind Pferde. Es gibt sie in allen erdenklichen Formen und Größen. Wir haben Fußpferde, Springpferde sowie auch Nockpferde, aber der durchaus schönste Gaul ist unser Schimmel. Er lebt fast bei allen Schüler/innen an den unterschiedlichsten Orten. Man kann ihn zum Beispiel in so manchen Brotboxen, Trinkflaschen oder auch Socken finden.

Am wenigsten von allen Tiere haben die Faulenzer zu tun (Tampen, die das geborgene Segel halten). Sie hängen Tag ein Tag aus nur faul herum. Sehr ähnlich dazu leben die Tausendfüßler stets unbeweglich hängend, an den Dirken und wehren dort von Zeit zu Zeit mit ihren Füßen das vom Wind aufgeblasene Segel ab.

Die zweite Spezies sind die schiffsspezifischen Vierbeiner. Auf der Thor lebt unter anderem zum Beispiel ein durchaus beliebter Panda (unser Generator). Er ist nicht wie andere Pandas schwarz-weiß, sondern viel mehr grau-silber und wird jeden Tag von Jens liebevoll geweckt als auch pünktlich um 21:00 Uhr wieder ins Bett gebracht.

Eher weniger friedvolle Vierbeiner hausen ganz vorne unter der Back, eingesperrt in einem Käfig. Die PUMAS (sechs Stammleute)! Jeder Wache fällt täglich ein Wachgängern zum Opfer, wenn er oder sie wagemutig dort hinunter schleicht und leise ein bis zwei der Raubkatzen aufs Vorsichtigste aus ihrem Schlaf rüttelt. Sind die Pumas wach, sollte man sich ganz geschwind aus dem Staub machen!

Die mir dritte und letzte bekannte Art sind die Menschen.

Auf der Thor findet man fleißige Bienchen, die summend emsig oder „ämsig“ gute Laune verteilen, 50 Armbänder für die ganze Besatzung knüpfen oder schlicht und einfach der Backschaft ein oder zwei Kisten voller Geschirr in die Messe tragen. Auch gibt es Zimtschnecken, die für jeden immer erreichbar sind, oder einem wortwörtlich beim Kaffee den Tag versüßen, als auch Arbeitstiere, welche scheinbar nie die Kraft und Energie verlieren, um spontan einzuspringen.

Zu aller Letzt gibt es noch die weniger gern gesehenen/erlebten Tiere. Ab und an trifft man zum Beispiel ein paar einzelne Zicken, welche sich trotz Verbotsschild, hin und wieder zeigen, ein unsichtbares Stinktier oder ganz selten sogar einen Seedrachen.

Trotz all des Trubels auf und unter Deck gelingt es uns immer wieder pünktlich zur Einklarierung alle unsere Bewohner im Schiff zu verstecken. Mal sehen wo wir sie kurz vor Deutschland hinverbannen…

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