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Der Probetörn des KUS-Projekts 2016/17, 22.-28. Mai 2016

Autorin: Cosima

8.541 Nachrichten – und das in nur einem Monat. Dies war die unglaubliche Zahl an WhatsApp-Nachrichten in der KUS-Probetörn-Gruppe, die mir auf meinem Handy entgegenleuchtete, kurz bevor ich Sonntagmorgens am Münchener Hauptbahnhof mit einem Großteil der anderen bayerischen Probe-KUSis zusammentraf, um gemeinsam unser norddeutsches Abenteuer in Angriff zu nehmen.
Endlich hatten wir es geschafft! Wir waren auf dem Weg nach Sundsacker an der Schlei, zum heiß ersehnten Probetörn. Die achtstündige Zugfahrt verging wie im Flug, da wir uns auf Anhieb alle super verstanden und viele lustige Spiele miteinander spielten. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen konnten war, dass wir uns auf der Reise zu einer der tollsten Wochen unseres Lebens befanden und dass die anderen Teilnehmer, die uns jetzt noch fremd waren, innerhalb von nur einer einzigen Woche zu echten Freunden würden.
Nach unserer Ankunft bei dem mit der Durchführung des Probetörns beauftragten Team von Event Nature verstauten wir unsere zusammen etwa 50 „Tonnen“ wiegenden Rucksäcke in den Holzhütten und gingen gemeinsam zum Abendessen. Anschließend gab es eine kleine Vorstellungsrunde, bei der wir herausfanden, dass die Teilnehmer nicht nur aus allen Ecken Deutschlands, sondern auch aus der Schweiz und sogar aus Belgien kamen. Jeder von uns wurde in eine von fünf Kuttergruppen eingeteilt, die aus je 10 oder 11 Jugendlichen bestanden und etwa zur Hälfte mit Jungs und Mädchen besetzt wurden. Den restlichen Abend verbrachten wir mit Kennenlern-Spielen und anregenden Gesprächen, bis wir gegen 22.30 Uhr zur Nachtruhe geschickt wurden.

Am nächsten Tag fiel das langersehnte erste „run & dip“ leider buchstäblich ins Wasser, da es in Strömen regnete. Nach dem Frühstück folgte eine Präsentation zum kommenden 9. Törn der Thor von KUS-Gründerin Ruth, in der sie uns genauere Informationen zu den einzelnen Bereichen der Reise, wie beispielsweise dem Schiffsbetrieb, dem Unterricht an Bord und den Landexkursionen gab, und uns die pädagogischen Ziele des Projektes näher erläuterte. Der Vortrag war sehr interessant und steigerte unseren dringenden Wunsch, unbedingt mitfahren zu wollen, nur noch mehr. Den restlichen Tag verbrachten wir in unseren Kuttergruppen, in denen wir die Vorbereitungen für die kommenden Tage trafen. Ein besonders wichtiges Thema hierbei war natürlich der Speiseplan, da gutes Essen bekanntlich auch für eine gute Stimmung an Bord sorgt! Nach einem gelungenen Probeaufbau des für die Übernachtungen vorgesehenen Tipis durften wir nun auch endlich zum ersten Mal mit den Kuttern testweise in See stechen. Jeder half begeistert mit und nach diesem ereignisreichen Tag fielen wir alle anschließend müde und zufrieden in unsere Betten.

Am kommenden Morgen waren wir schon sehr früh wach, denn nun sollte es mit dem Kuttersegeln so richtig losgehen. Nach einem auf Anhieb geglückten Ablegemanöver segelten wir nach Sieseby, einem wunderschönen kleinen Ort mit leuchtend weißen, reetgedeckten Häusern, wo wir eine verdiente Mittagspause einlegten. Zur Vorbereitung des Abendessens sammelten wir dort noch frische Gänseblümchen für einen Salat, die wir dann aber leider nicht verwenden konnten, weil ihr Geschmack doch eher gewöhnungsbedürftig war… Nach einem superlustigen Nachmittag auf dem Kutter, an dem wir eifrig das Setzen der Segel sowie Wende und Halse übten, kamen wir schließlich auf einer scheinbar unberührten Halbinsel an. Sie war wunderschön und friedlich – das dachten wir zumindest bis uns eine Horde neugieriger Kühe entgegen trabte! Nun begaben wir uns innerhalb der Gruppe in unsere jeweiligen Teams (Sicherheit, Navi, Biwak und Backschaft). Allerdings war man auf kein Team festgelegt; sobald man mit seiner Aufgabe fertig war und woanders Not am Mann war, half man gerne aus. Zum Abendessen gab es superleckere Bratwürstchen mit Salat. Nachdem wir den ganzen Tag Brot gegessen hatten, waren die Würstchen das absolute Gourmet-Highlight. Damit wir uns nicht um das letzte Würstchen aus den Trangia-Kochern stritten, teilte Tim, unser stets gut gelaunter Skipper, sie in immer kleinere Stückchen, bis wir schließlich bei „Achtelwürstchen“ angelangt waren. Es war ein extrem lustiger Abend! Vor dem Schlafen gehen wurden wir noch für die Nachtwache eingeteilt. Meine Schicht ging von drei bis vier Uhr, was mich jedoch nicht weiter störte, da ich mit der anderen Wache Spiele spielen und heißen Tee trinken konnte.

Am Mittwoch ging es schon sehr früh wieder los und wir halfen alle etwas verschlafen jedoch gut gelaunt mit, den Kutter zu beladen und anschließend wieder ins tiefere Wasser zu schieben. Bis zur kleinen Stadt Kappeln hatten wir noch etwas Wind in den Segeln, so dass wir den wunderschönen Museumshafen zügig erreichten. Dort begrüßte uns ein malerisches Hafenidyll und wir diskutierten eifrig darüber, welche alte Segelyacht uns wohl am besten gefalle. Obgleich nur zwei Leute an Bord hätten bleiben müssen, war sofort klar, dass wir alle zusammen dort bleiben und picknicken würden.
Auf unserem weiteren Weg nach Schleimünde passierten wir eine Brücke, an der uns Tim die genaue Bedeutung der kryptischen Zeichen und Signale erläuterte. Der Wind hatte inzwischen nachgelassen, wodurch wir den Rest der Strecke kräftig pullen mussten. Aber auch dabei hatte wieder jeder von uns sehr viel Spaß, da wir uns gegenseitig durch das lautstarke Singen von Seemannsgesängen motivierten („what shall we do with the drunken sailor?“). Kurz vor Schleimünde brach die Sonne dann durch die Wolken, so dass wir uns alle so schnell wie möglich aus unseren gefühlt 100 Schichten Ölzeug schälten. Endlich angekommen, bauten wir zügig unser Tipi auf und sprangen danach in die angenehm kühle Ostsee. Nach dem Abendessen folgten noch ein paar teambildende Gruppenspiele, wodurch auch dieser Tag einen schönen Ausklang hatte.

Am kommenden Tag war unsere Reise auf den Kuttern leider schon fast zu Ende, denn wir mussten zurück nach Sundsacker segeln. Nach unserer Ankunft machten wir klar Schiff und einige blieben noch zum Reinigen des Bootes, wobei es wieder sehr lustig einherging und auch unsere Nachbargruppe nicht ganz trocken blieb. Am Nachmittag bereiteten die Gruppen sich dann noch auf den bunten Abend vor, auf den wir schon alle gespannt hin fieberten. Der letzte Tag stand bevor und es gab noch viel zu tun.
Freitagmorgen hielt Ruth einen Vortrag über die Reiseroute der Thor, die von Kiel aus über Teneriffa, Panama, Kuba, Bermuda und schließlich die Azoren zurück nach Kiel führen wird. Besonders spannend fand ich, dass auf der Reise nicht nur der Teide auf Teneriffa, sondern auch der Vulkan Baru und die anderen höchsten Berge der jeweiligen Länder bestiegen werden – eine echte sportliche Herausforderung – und dass auch wichtige ökologische Aspekte nicht außen vor bleiben (Abholzung des Regenwaldes in Panama, mehr Plastikpartikel als Lebewesen im Wasser etc.). Es folgte noch eine genaue Erklärung der streng limitierten Packliste durch die KUS-Mitarbeiterin Sonja, die uns auch noch einige wichtige Tipps zu den benötigten Impfungen und Versicherungen gab.
Am Nachmittag fanden dann Einzelgespräche statt, vor denen sich alle etwas gefürchtet hatten, die sich dann aber als ziemlich entspannt entpuppten, da unsere Interviewer, entweder Ruth und Daniel oder Boris und Sonja, sie sehr locker und lustig angingen. Vor dem bunten Abend fand noch das große Grillen statt, das jeder ganz besonders genoss, weil man dabei die Chance hatte, auch noch die Probe-KUSis aus den anderen Kuttergruppen besser kennenzulernen. Am Gala-Abend wurden von allen Gruppen sehr abwechslungsreiche und witzige Einlagen zum Besten gegeben, die von kreativen, selbstgereimten Gedichten und umgedichteten Liedern („Ein kleiner Kutter/ist vollbesetzt/mit 11 gelben KUSis/die waren beste Homies…“) bis hin zu unglaublich gut gemachten Schattenspiel-Performances reichten. Als das Team um Ruth und die Betreuer dann zum krönenden Abschluss noch aus voller Brust „Until we meet again“ sangen, wurden viele Augen feucht und den meisten von uns wurde erst jetzt wieder bewusst, dass leider nur 34 der anwesenden 53 Probe-KUSis im Herbst auf der Thor dabei sein können.

Da war er leider schon, der Abreisetag. Die Woche war viel zu schnell vergangen. Hektisch wurden noch die letzten Sachen zusammengesucht und in den Bus verfrachtet und dann ging es wieder los in Richtung Heimat. Alle von uns waren sehr traurig und viele vergossen bittere Tränen. Konkurrenzdenken hatte es entgegen ersten Befürchtungen die gesamte Zeit über nicht gegeben. Stattdessen war es erstaunlich zu sehen, wie uns bereits diese viel zu kurze Woche zusammengeschweißt hatte, und es ist für alle greifbarer geworden, wie sehr erst die sechseinhalb Monate auf der Thor die glücklichen Teilnehmer prägen und deren Persönlichkeiten positiv verändern werden.

Nun sitze ich hier eine Woche nach dem Probetörn, zurück im grauen Alltag, und immer noch werden unzählige Nachrichten ausgetauscht und Telefonate geführt. Wir schwelgen in Erinnerungen an die schöne Zeit auf der Schlei und hoffen auf ein baldiges Wiedersehen auf der Thor – und insgeheim natürlich auf einen großzügigen Ausbau der Kajüten, damit vielleicht doch noch alle mitfahren können!

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