Bereit zum Auslaufen

Der Probetörn – Traumwoche für KUSis in spe

Es war 7:52 Uhr am 21. Mai 2017, als sich unser ICE mit zwanzig KUSis auf Probe in München in Bewegung setzte – auf ging’s nach Sundsacker an der Schlei! Noch eine halbe Stunde zuvor war vermutlich jeder von uns aufgeregt gewesen, was ihn wohl erwarten und mit welchen anderen Probe-KUSis man nun in sein Abenteuer starten würde. Diese Sorgen waren allerdings unbegründet, denn schon beim Verlassen Münchens war die Stimmung in unserem Waggon bestens, man hatte sich bereits kennengelernt und eine Schafkopfrunde war im Gange. An jedem Bahnhof und zuletzt in Sundsacker gesellten sich immer wieder neue Gesichter dazu, die herzlich begrüßt wurden. Nach dem Abendessen gab es eine kurze Vorstellungsrunde, bei der wir auch die Betreuer von KUS kennenlernten. Danach wurden wir in unsere Kuttergruppen eingeteilt, in denen wir mit sieben bis elf anderen Probe-KUSis von Dienstag bis Donnerstag auf der Schlei unterwegs sein würden.

Die Nacht verbrachten wir in gemütlichen, kleinen Holzhütten und schon vor dem Frühstück stand das erste „Run and Dip“ an: Wir joggten zunächst für zwanzig Minuten und erfrischten uns danach in der Schlei. Nach dem Frühstück erzählte uns Ruth einiges über die große Fahrt – wie der Bordalltag aussieht, welche Reiseroute wir nehmen würden und vieles mehr. Am Nachmittag wurde schließlich die Kutterfahrt vorbereitet. Ein wichtiger Punkt war die Essensplanung, da wir während der Kutterfahrt selbst für unsere Mahlzeiten sorgen mussten. Wir wurden von Tim, unserem Skipper, mit Geld und vier Trangia-Spiritus­kochern ausgestattet und es lag in unseren Händen, wie wir uns die nächsten Tage ernähren würden. Während zwei aus unserer Kuttergruppe unser Essen einkauften, machte sich der Rest daran, unsere Ausrüstung in wasserdichten Tonnen zu verstauen. Abends legten wir mit unseren Kuttern für eine kurze Probefahrt das erste Mal ab und konnten einen wunderschönen Sonnenuntergang über der Schlei genießen. Glücklich kehrten wir zu unseren Hütten zurück.

Am nächsten Morgen beluden wir nach dem Frühstück (leckere Pancakes, die auf den Trangias überraschend gut gelangen) unsere Kutter und die Fahrt ging endlich los! Sehr schnell hatten wir vieles gelernt: Wie man Segel setzt und birgt, wie Manöver gefahren oder wie verschiedene Seemannsknoten geknüpft werden. Schon bald schallten Rufe wie: „Fier‘ bitte mal den Besanschot auf!“ aus den Mündern von zuvor absoluten Landratten. Mittags legten wir einen – durch ein kurzes Gewitter erzwungenen – Zwischenstopp in Sieseby ein. Als wir dort wieder ablegten, kam einer der anderen Kutter nicht gegen den Wind aus dem Hafen, weswegen unsere Kuttergruppe diesen mit dem Motor herausziehen wollte. Jedoch kamen wir nicht weit – Miklas, der Skipper der anderen Gruppe, klemmte sich beim Rettungsmanöver die Hand zwischen den Kuttern ein und musste zum Arzt. Daher wurde das Ablegemanöver abgebrochen und wir entschieden uns, die Nacht auf einem Spielplatz zu verbringen, der gefühlte Meilen entfernt schien, als wir unsere in etwa Tonnen wiegenden Tonnen dorthin schleppten. Dort angekommen bauten wir unser großes Tipi auf und machten uns an das Kochen. Getreu dem Motto „Zu viele Köche verderben den Brei!“ waren die Rühreier der kulinarische Gegenpol zu den Pancakes, denn wir bekleckerten unsere Kocher über und über mit Ei und zu allem Übel war das „Gourmetgericht“ versehentlich mit der erlesenen Seife „DuschDas“ gewürzt. Nachdem der Abwasch mangels fließenden Wassers in der Schlei erfolgt war, hatten wir noch eine weitere Aufgabe: Die Kutter mussten von einer Nachtwache bewacht werden. Auch diese Herausforderung bewältigten wir, wenngleich beim Frühstück nicht alle hellwach waren.

Am Mittwoch war unser Ziel, bis nach Schleimünde zu segeln, was nochmals deutlich weiter war als am Vortag. Das Segeln klappte meist gut, obwohl uns das eine oder andere kleine Malheur unterlief. Die Stimmung an Bord war dagegen ununterbrochen prächtig und wir verbrachten einen wunderschönen Tag auf See. Angekommen in Schleimünde, einem wahrhaft wunderschönen Plätzchen zwischen Schlei und Ostsee, entluden wir das Schiff und errichteten unser Zelt. Vor dem Abendessen verblüffte uns Tim mit einem Gruppenspiel (kann es denn so schwer sein, zu elft einen Stab auf den Boden zu legen?), dann machte sich die Backschaft (nein, nicht alle – wir hatten dazugelernt) ans Kochen: Es gab Spaghetti aglio e olio, jedoch mit Margarine statt Olivenöl. Auch in dieser Nacht wurden die Schiffe bewacht und ein frierender Probe-KUSi schlüpfte nach seiner Nachtwache lieber in den angewärmten Schlafsack seiner Ablösung und rotierte dann mit den Wachen mit.

Am nächsten Morgen ging’s nach dem Frühstück, dem Abbau des Zeltes und dem Beladen des Schiffes früh los und wir machten uns auf den Rückweg nach Sundsacker. Hier zeigte sich doch, dass wir noch unerfahrene Segler sind: Das Besansegel stürzte ab (glücklicherweise wurde niemand verletzt) und das Boje-über-Bord-Manöver…nun ja, wir sind sehr froh, dass nur eine Boje über Bord gegangen ist, denn diese wartet immer noch auf die Rettung. Als wir in Sundsacker ankamen, wurden die Kutter dann nicht aufgeräumt, sondern aufgeklart (auch die Seemannssprache lernten wir beim Probetörn neben unzähligen Dialekten kennen). Nachdem alles wieder sauber und an seinem Platz war, gab es auch das letzte selbstgekochte Abendessen, Chili sin carne, was hervorragend gelang (wir bekamen Übung mit den Trangia-Kochern) und wovon sogar etwas übrig blieb (sonst hatten wir eher zu wenig). Zum Nachtisch gab es unseren kulinarischen Höhepunkt, nämlich Schokofondue und wir waren alle stolz, dass die Schoko­lade auf dem Spirituskocher nicht anbrannte.

Am Freitagmorgen gab es eine zweite Runde „Run and Dip“ und nach dem Frühstück informierte uns Ruth über Impfungen, Versicherungen und die Packliste für den großen Törn. Nachmittags führten die Betreuer mit jedem ein „gefürchtetes“ Einzelinterview. Unsere Sorgen waren allerdings vollkommen unbegründet, die Gespräche waren locker und eine Chance für uns, einmal persönlich mit den Betreuern zu reden. Am Abend wurde gemeinschaftlich gegrillt und im Anschluss der Bunte Abend gefeiert, für den jede Kuttergruppe eine Darbietung vorbereitet hatte – es wurden Gedichte vorgetragen, aus einem Logbuch vorgelesen und eine Fernsehsendung inklusive Song aufgeführt. Auch die Betreuer hatten ein Lied vorbereitet und zum Ausklang sangen alle gemeinsam „What shall we do with a drunken sailor?“, was allen in der Gruppe großen Spaß machte.

Am Samstagmorgen hieß es Abschied nehmen, ein letztes Mal wurde gemeinsam gefrühstückt und schließlich fuhren wir wieder zurück nach Hause. Jeder, der aus dem Zug ausstieg, wurde wehmütig mit den Worten „Wir sehen uns dann spätestens bei der Werftzeit!“ verabschiedet und insgeheim besteht die Hoffnung, dass diese Worte doch noch für alle wahr werden (unsere Kuttergruppe hatte schon die Idee, ein zweites Segelboot zu kapern). Alle waren verblüfft, wie sehr man in einer Woche zusammenwachsen kann und ein baldiges Wiedersehen zum Kinobesuch ist schon in Planung…

Insgesamt bleibt zu sagen, dass der Probetörn eine einfach unglaubliche Woche war. An dieser Stelle nochmals ein riesiges Dankeschön an die Betreuer von KUS, unsere Skipper und das Event-Nature-Team!

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