Ein Tag als Bootsmann

Datum: Freitag, der 01.12.2017
Mittagsposition: 15° 22,2´ N; 030° 41,8´ W
Etmal: 113 sm
Wetter: Lufttemperatur 28°C; Wassertemperatur 27°C; Wind ENE 2-3
Autor: Malte

Der Bootsmann – er ist auf einem Segelschiff kaum wegzudenken. Leider bekommen wir als Schüler/innen nur wenig Einsicht in diesen Beruf. Umso mehr freute ich mich auf einen Tag als Bootsmannspraktikant.
Mein Praktikum begann mit einer kurzen Besprechung, welche Aufgaben für den Tag auf dem Plan standen. Angeführt wurde die To-Do-Liste mit dem Setzen des Leesegels (Zusatzsegel an der Steuerbordseite des Vorschiffes). Des Weiteren mussten eine Dirk eingeschoren und ein paar Segel geflickt werden. Also fingen wir an, unsere Aufgaben abzuarbeiten. Nachdem wir festgestellt hatten, dass der Niederholer-Tampen zu dünn war, tauschten wir ihn kurzerhand aus. Der Niederholer-Tampen ist ein Seil, um den Baum des Leesegels nach unten zu ziehen und das Segel somit zu straffen. Nachdem schnell der passende Tampen gefunden und zügig ein Auge (Schlaufe) eingespleißt (eingeknotet) worden war, begannen wir schon das Segel zu setzen. Als uns beim Durchholen die Schot fast riss, erneuerten wir diesen Tampen auch noch schnell.
Vor dem Mittagessen lernte ich noch, wie man die Enden eines Tampens mit Hilfe eines, manchmal auch zweier Taklinge sichert. Als ich einige Taklinge genäht hatte, war doch noch so viel Zeit, dass wir anfingen, schon mal den ersten Riss in der Breitfock zu nähen. Die Breitfock ist das unterste Rahsegel. Ich kletterte mit Nick dafür hoch ins Rigg. Da der Riss schon relativ groß war, ca. 10cm lang, nähten wir zuerst das Segel mit einer Bootsmannsnaht bzw. brachten es wieder in Form und erst anschließend nähten wir einen Flicken darauf. Während der eine von den Wanten aus nähte, hing der andere über der Rah und nähte kopfüber. Nach dem Essen ging es dann wieder ins Rigg. Diesmal aber auf die Steuerbordseite von der Breitfock. Wir zogen uns das Segeltuch bis an die Wanten heran, und während Nick mit dem Bootsmannsstuhl auf der einen Seite des Segels hing und nähte, hing ich in den Wanten und nähte von der anderen Seite. Der Bootsmannsstuhl ist mit einer Schaukel zu vergleichen.
Auch wenn unsere Arbeitsposition nicht die bequemste war, machte die Arbeit sehr viel Spaß. Ich habe festgestellt, dass man, um beim Arbeiten Spaß zu haben, keinen bequemen Platz braucht; sondern nur die richtigen Bedingungen. Das heißt für mich hoch oben zu sein bei prallem Sonnenschein und wolkenlosem blauen Himmel. Leider hatte der pralle Sonnenschein auch seine Folgen, die ich am Abend merkte. Die Folge war ein schön saftiger roter Sonnenbrand. Aber mit ein bisschen After-Sun wurde das schon wieder.

Was an dem Tag sonst noch so geschah:
Das lange Warten hatte ein Ende. Nachdem wir von der Stadt Kiel bei unserer Abreise jeder einen Adventskalender geschenkt bekommen hatten, konnten wir heute endlich das erste Türchen öffnen. Da hatten sich schon viele drauf gefreut.
Außerdem wurde unser Pool eröffnet. Nachdem am gestrigen Tag auf der Back ein Pool aus Paletten und einer Plane gebaut worden war, konnten wir heute Morgen das erste Mal drin baden gehen. Er ist gerade so groß, dass man einen Schwimmzug drin schafft, aber ohne vorwärts zu kommen. Es gibt zwei kleine Erhöhungen in der Plane als Sitzgelegenheit und gefüllt ist er mit Salzwasser. Dadurch dass der Atlantik schon so warm ist, ist der Pool nicht zu kalt, sondern morgens oder nach einem anstrengenden Training eine willkommene Abkühlung.
Beim Abendessen gab es dann mal wieder die Nachrichten der letzten zwei Wochen, die von Luca, Kai, Lenya und Henni präsentiert wurden. Jetzt sind wir alle wieder auf dem neusten Stand.

Später am Nachmittag gab es zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember heute noch von Robert und Amelie einen kurzen Vortrag über die Krankheit Aids.
Ein weiteres wichtiges Ereignis war heute, dass der erste Fisch angebissen hat und wir es auch schafften, ihn an Bord zu bekommen. Nachdem wir vor den Kapverden schon unseren ersten Fehlversuch gehabt hatten, haben wir es diesmal endlich geschafft. Damals hatten wir mit unserer selbstgebauten Angel eine Dorade, auch als Goldmakrele bekannt, gefangen. Leider ist sie uns damals entwischt. Aber diesmal waren wir besser vorbereitet. Es hatte wieder eine ähnlich große Goldmakrele angebissen. Sie hatte eine fantastische goldgelbe Farbe. Als sie ausgenommen war, kam sie in die Kühllast und am Abend gab es für jeden ein Stück Sushi. Es war der beste Fisch, den ich in meinem Leben gegessen habe.

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