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Ein Tag im Leben einer Proviantmeisterin

Schülerin Marie

von Marie

Zusammen mit Hannah war ich im Rahmen der dritten Schiffsübergabe die Schüler-Proviantmeisterin. In diesem „Beruf“ ist man mehr oder weniger für das komplette Essen hier an Bord zuständig und kalkuliert wie viel Proviant für den kommenden Tag gebraucht wird und ob es überhaupt zur Verfügung steht, damit es die Backschaft zur weiterverarbeiten kann.

Unsere erste Tat war nun also eine Inventur der gesamten Lebensmitteln an Bord zu machen: Wir öffneten sowohl Unter- als auch Unterunterkojen. In der Trockenlast zählten wir jede Packung und Dose, in der Kühllast jede Tomate. Zu guter Letzt begaben wir uns auch in die -25°C kalte Tiefkühllast, wobei wir mindestens sieben Schichten Klamotten trugen. Allein das war schon ein kleines Abenteuer und zeigt, dass die Arbeit eines Proviantmeisters mehr mit sich bringt, als man glaubt.

Anschließend konnten wir einen Essensplan für die letzte Woche erstellen. Dabei achteten wir vor allem darauf, dass wir mit möglichsten unterschiedlichen Grundnahrungsmitteln auch bis zum Ende der Reise haushalten können. Wir mussten verhindern, dass es in den letzten Tagen nur Reis gibt. In dieser Essensplanung überlegten wir uns natürlich vor allem Ideen für die Hauptmahlzeiten, doch auch der Kaffee durfte nicht zu kurz kommen. Da wir nicht mehr so viele Eier hatten, suchten wir beispielsweise einige Kuchenrezepte heraus, in denen weniger Eier benötigt wurden.

Als Proviantmeister ist man außerdem dafür zuständig, dass der Proviant in der Messe immer aufgefüllt ist. Soll heißen, dass immer genug Salz, Zucker und Tee da ist, aber auch das jeden morgen Butter und Saft aufgefüllt sind. Jeden Abend durften wir die Backschaftsbesprechung mit der Backschaft des folgenden Tages führen und ihnen erklären, was sie kochen dürfen und welchen Proviant wir ihnen wann und wo bereitstellen. Auch waren wir dafür zuständig, dass in der Kühllast das Obst und Gemüse gut und frisch war, wir sortierten also schlechte Stücke aus und reinigten die Behälter.

Doch im Rahmen dieser Aufgabe muss man manchmal auch kreativ werden. An Bord herrschte kurz nach den Azoren akute Mehl-Knappheit, weshalb wir auf die Idee kamen, einfach die Weizenkörner aus der Trockenlast zu mahlen. Mit der Getreidemühle an Bord setzten wir den Plan dann in die Tat um. Nach drei Durchläufen und Sieben war das Mehl denn zwar verhältnismäßig immer noch grob, aber für einfache Sachen wie Käsebrötchen hat es gut gereicht.

Man sieht, es konnte definitiv spannend werden bei uns. Auch als wir in England einkaufen gehen durften und zwei vollgeladene Einkaufswägen durch den Laden manövrierten, hatten wir viel zu lachen. Es war eine sehr lustige Zeit und ich denke, wir haben es gar nicht so schlecht hinbekommen – auch wenn nicht jeder so begeistert war, als es zum Mittagessen einmal Fisch mit Kartoffelbrei und Sauerkraut gab. Aber das musste halt weg und schlussendlich haben sich doch viele einen Nachschlag geben lassen…

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