Ein Tag voller Ereignisse

Datum: Donnerstag, der 09.11.2017
Mittagsposition: 32° 38,6′ N; 016° 58,3′ W
Etmal: 5,6 sm
Wetter: Lufttemperatur: 24°C, Wassertemperatur: 23°C, Wind: NNE 2
Autor: Arne

Es gibt manchmal Tage, an denen nicht viel passiert und dann gibt es
andere Tage, die sehr ereignisreich sind, sodass sie sich fast anfühlen
wie eine Woche. Heute war genau so ein Tag.

Der Tag heute fing mit einem wundervollen Sonnenaufgang an. Wir liegen
immer noch in der Nähe eines kleinen Fischerdorfes vor Madeira vor
Anker. Heute Morgen vor dem Frühstück startete eine Gruppe mit dem
Rescue-Boot und dem Dinghi zu einem Run-and-Dip durch das Fischerdorf,
zeitgleich gab es auch Yoga-and-Dip an Deck.

Es ist Donnerstag, das bedeutet, dass Seemannssonntag ist. Wie immer an
Seemannssonntagen und normalen Sonntagen gab es Nutella und Semmeln,
heute jedoch bekamen wir zusätzlich noch Bacon, Spiegeleier,
hartgekochte Eier serviert. Wir konnten unser Frühstück zum ersten Mal
auf unserer Reise im strahlenden Sonnenschein draußen genießen. Danach
mussten wir eine Stunde unsere Reinschiff-Stationen fertig putzen. Um
10:00 Uhr versammelten wir uns dann alle draußen an Deck, um Benno bei
dem ersten Kurzreferat über unsere Maschine zuzuhören.

Dann starteten wir endlich einen Versuch an Land zu kommen und
tatsächlich, nachdem es die letzten Tage nicht geklappt hatte, konnten
wir endlich an Land. Unser erster Landgang seit England in Falmouth. Zum
Glück! Durch das dauernde Ankern vor Land, wollten wir alle an Land. Da
es ja schon in Funchal durch die hohen Wellen schier unmöglich gewesen
war, an Land zu kommen, und auch in dem etwa fünf Seemeilen von Funchal
entfernten Fischerdorf in der Region Camara de Lobos am Abend unmöglich
schien, hatten wir auf den nächsten Tag gehofft. Denn heute war Ebbe und
so schienen die Aussichten, dass wir 50 Leute an Land bekommen, höher.
Und wie schon gesagt, es klappte.

Nun war unsere Vorfreude riesig! Und sie war auch gerechtfertigt. Denn
in dem Fischerort gab es viele Leckereien, zudem war das portugiesische
Essen auch sehr preiswert, da das Fischerdorf nicht so touristisch
ausgelegt ist. Alle Menschen vor Ort waren sehr nett, zum Teil konnten
sie auch Deutsch sprechen, wie die Eisverkäufer, die italienisches Eis
verkauften. Was sehr zu empfehlen ist, ist eine Spezialität Madeiras:
Eine Art Berliner mit Vanillepudding-Füllung (pasteis de nata).
Insgesamt war all das Gebäck in diesem Ort himmlisch, und als wir
nachher gefragt wurden, ob sich der Aufwand des Landgangs gelohnt hatte,
sagte keiner nein. Zwar waren wir, da wir viel Unterschiedliches
probiert hatten, schon ziemlich satt als wir zurück an Bord kamen,
trotzdem gab es noch ein Mittagessen, welches ebenfalls draußen im
Sonnenschein stattfinden konnte.

Gleich im Anschluss hatten wir unsere ersten Physik- und Chemiestunden
an Deck der Thor Heyerdahl. Da saßen wir alle mit Sonnenbrille und
Kopfbedeckung und lauschten dem Unterricht unserer Lehrer und dachten
darüber nach, wie unsere Freunde zu Hause im Klassenzimmer bei Kälte
sitzen und wir hier am Meer schwitzten. Nach diesem ersten
Unterrichtsblock durften wir dann in das 23°C warme Wasser springen und
wer wollte, konnte unseren Rumpf von den Algen befreien.
Nach kurzem Abduschen war Signal K und wer dachte, dass nach diesem
ereignisreichen Tag nichts Spektakuläres mehr, außer den Anker zu hieven
und die Segel zu setzen, vorfallen würde, hatte falsch gedacht. Denn
kurz nachdem wir den Anker gehievt und unsere Bucht verlassen hatten,
überraschte uns ein erster Sturm auf dem Ozean. Statt der angesagten
fünf bis sechs Windstärken aus nord-nordösticher Richtung bekamen wir es
mit sieben bis acht Windstärken zu tun. Zum Teil hatten wir unsere Segel
schon gesetzt, oder waren gerade dabei sie zu setzen, als diese starken
Windböen kamen. Dann hatte es erst einmal Priorität, die Strecktaue und
Sicherungsnetze zu spannen, bevor wir uns aufgrund des starken Windes
dazu entschieden, alle Segel, die wir bis dato gesetzt hatten, bis auf
die Mars und den Mittelklüver sowie die Baumfock zu bergen. Bei dieser
Aktion wurden wir alle pitschnass und teilweise fröstelten wir. Damit
wir uns wetterfest anziehen konnten und wir nicht krank wurden, fuhr
kurzzeitig größtenteils der Stamm das Schiff.
Wegen der hohen Wellen und des starken Windes mussten wir zur Sicherheit
unsere Klettergurte anziehen, um uns an Bord damit in die gespannten
Seile einzuhaken.
Abendessen gab es wegen der ganzen Aktion erst verhältnismäßig spät,
nämlich um acht.

Wenn man den Tag zusammenfassen möchte, kann man sagen, dass einem so
etwas auf jeden Fall nicht zu Hause passieren kann, und dass wir heute
viel Unterschiedliches erlebt und gefühlt haben, von Sonne bis Sturm und
von Freude über Euphorie bis Respekt vor den Naturgewalten. Dieser Tag,
vor allem der Abend, war sicher ein Abenteuer, das sich manche ja
gewünscht hatten!

Auf eine weiterhin fantastische Zeit!!

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