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Eine Woche Glück für alle

Autorin: Hanna

Als ich meinen Brief öffnete und sah, dass ich zum Probetörn eingeladen wurde… – war ich wirklich glücklich!
Aber trotzdem war mir nicht sofort klar, was das bedeutete. Natürlich wusste ich, dass die Teilnahme an KUS eine riesige Chance ist, aber ansatzweise realisiert, was es bedeutet, habe ich erst, als ich am Anreisetag in Kiel am Bahnhof stand und gefühlt ein ganzer Zug voller schwer bepackter Gleichaltriger vor mir stand. Plötzlich hatte ich Angst. Angst davor, nicht akzeptiert, nicht gemocht und nicht respektiert zu werden. Aber es dauerte nicht lange, bis mir klar wurde, dass diese Ängste völlig überflüssig waren. Vor mir standen ungefähr 50 wunderbare Menschen. Und wir alle befanden uns in einer sehr extremen Konkurrenzsituation. Doch diese Konkurrenz wurde ignoriert. Wir wollten Spaß haben, dafür ist Konkurrenz nicht notwendig. Hier mit diesen Leuten, in dieser Umgebung, konnte ich sein, wer ich bin. Ich brauchte mich nicht verstellen, und alles was ich als Reaktion bekam, war echt und freundlich gemeint. Schon beim ersten Abendessen wurde Besteck und Geschirr geteilt und niemanden hat es gestört. Der zweite Eindruck jagte den ersten davon und Vertrauen entstand. Nie hätte ich gedacht, dass innerhalb von so wenigen Tagen eine so gute Gemeinschaft entstehen könnte.
Der Bordalltag auf den kleinen Kuttern war für alle neu und ungewohnt, sogar für die erprobten Segler unter uns. Das Essen, welches auf Trangia-Kochern zubereitet wurde, schmeckte, wenn auch ab und zu nach Spiritus! Die Essens- und Klamottentonnen wurden fleißig und ohne Murren vom Boot zu den Lagerplätzen und morgens wieder zurück geschleppt. Auch das Schlafen im Zelt war leichter und schöner als erwartet, trotz der Gesellschaft von Nacktschnecken am nächsten Morgen. Der harte Boden hat nur wenige gestört. Nur zwei Nächte mit den Kuttern weg? Viel zu wenig!
Die Zeit verging wie im Flug, Insider-Witze, Spitznamen, Rituale und Schlachtrufe entstanden. Die Tatsache, dass das alles nur ein paar Tage dauerte, wollten wir nicht in unseren Kopf lassen. Für mich fühlte es sich an, als hätte ich viele neue Freundschaften gewonnen, egal, ob ich KUS mitfahre oder nicht. Von dieser tollen Gruppe können nicht alle mit, und jeder von uns wird traurig sein für alle die, die nicht mit können.
Auf der Rückreise, an jedem Bahnhof, immer wenn jemand ausstieg, flossen die Tränen, und für jeden von uns war es schwer, zu gehen. Aber genauso schwer war es, wieder nach Hause zu kommen. Einige ernteten für stille Minuten im Restaurant irritierte Blicke, andere wollten morgens den Reißverschluss ihrer Decke aufmachen und irgendwie war da keiner. Einige sind durch das Geräusch vom Regen aufgeweckt und ärgerten sich darüber, dass sie jetzt Ölzeug anziehen müssten, nur um trocken zur Toilette zu kommen. Morgens ein schöner, warmer Kakao? Das ist toll, aber wo ist denn der Spiritus? Für diese Frage gab es ebenfalls nur verwirrte Blicke. Ich persönlich habe mich über die weichen Sitze im Auto beschwert und abends entschieden, dass es sinnvoller ist, im Schlafsack auf dem Fußboden zu schlafen, nur weil mein Bett zu weich ist.
Für jeden einzelnen von uns war der Probetörn für KUS 2016/17 eine wunderbare Erfahrung, die niemand bereuen wird. Freundschaften sind entstanden und der große Wunsch nach einem baldigen Wiedersehen. Jetzt heißt es drei Wochen warten und hoffen auf einen Brief, der uns unsere Zukunft verraten wird. Ich hoffe, mein Brief wird mich glücklich machen, auch wenn ich dann sehr traurig sein würde, weil ca. 20 von uns nicht mitkommen können.

Der Traum von uns allen, das war der Grund,
warum wir begaben uns in diese Rund.
Schon Tage vorher waren die Rucksäcke voll
und die Stimmung war echt super toll.
Bald hatten wir vom Warten genug
und stiegen zusammen in den Zug.
Nun sind wir hier, nun sind wir da,
und alles ist ganz wunderbar.
Beim Fahren auf dem Kutter
lief’s geschmiert wie weiche Butter.

Nach’m Oleng in Sieseby
war’s Bisln a gar so schee.
Kaum aufgstonden am nächsten Dog
war’s z’sampacken scho wieda schod.
Von den naggadn Schnecken hamma gnua
wia vom barfuass laffa ohne Schuah.

Die Sonne kam raus in Kappeln,
deswegen mussten wir ganz schön paddeln.
Aus dem schönen Örtchen Schleimünde
war das Ablegen eine wahre Sünde.
Vergnügt haben wir uns bespritzt mit Wasser
und manch einer wurde immer nasser.
Der Abschied fällt uns ziemlich schwer
und zusammen denken wir ans Meer.
(von Jule, Vicky, Chiara, Corinna, Julius, Louise, Niko, Leopold, Anton und Hanna)

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