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Mein Leben als Wollsocke

Schülerin Carlotta

von Carlotta

Mein heutiger Tag begann um 8 Uhr in der Früh. Eine Hand suchte nach mir in Carlottas Turnbeutel und ich wurde aus meinem Tiefschlaf gerissen. Nach einigem Suchen wählte mich die Hand aus. Ich wurde erst mal in Gummistiefel gesteckt, was meine Sicht deutlich erschwerte. Aber schon nach kurzer Zeit wurde ich wieder von dieser Last befreit. In Gummistiefeln fange ich immer so ekelig an zu müffeln.

Auf dem Weg zur Messe war der Boden mal wieder total dreckig und feucht. Ich hasse es, wenn ich direkt ein paar Minuten, nachdem frisch aus dem Fach komme, schon wieder beschmutzt werde. Irgendwie konnte meine Besitzerin heute auch nicht gerade gehen. Ich rutschte auf dem Boden die ganze Zeit nur hin und her. In der Messe traf ich noch ganz viele andere Wollsocken unterm Tisch beim Frühstück. Wollsocken sind anscheinend bei den Thorbewohnern seit einigen Tagen sehr beliebt. Nach ein paar Mal Hin- und Hergehen von Kammer 1 zur Messe, bekam ich mit, dass der Unterricht begonnen hatte. Als erstes hatte mein Besitzer Chemie oder irgend so ein Fach. So genau achte ich da nicht drauf. Das hieß, Zeit für mich abzuschalten und wieder einzuschlafen.

Plötzlich wurde ich aus meinem Halbschlaf gerissen. Ich wurde gewalttätig gegen das Tischbein gestemmt und bin dann aber auch gleich wieder weggerutscht und gegen ein anderes Paar Füße gestoßen. Irgendwann ein bisschen später fiel auch noch ein Ordner auf mich. Ich frag mich, warum heute alles so unvorsichtig geschah und ich ständig irgendwo gegenstieß: Ich glaub, es war wieder windiger geworden. So wie ich das beobachtete, war dadurch auch wieder mehr Seegang.

Beim Mittagessen erlebte ich den Fauxpas. Plötzlich wurde ich ganz nass: Eine Pfütze auf dem Boden! Wie kam es nur zu so was? Anscheinend konnten sie heute noch nicht mal mehr ihre Gläser einschütten und schütteten dabei alles auf den Boden. Das lag bestimmt wieder an dem Seegang. Ich stelle mir das gar nicht so einfach vor, wenn es schwankt, das Glas zu treffen.

Also wurde ich in der Kammer ausgezogen und durch eine buntgestreifte Socke ausgetauscht. Dann ging es hoch ins Bad. Dort wurde ich erstmal kräftig ausgewrungen. Trotzdem war ich noch klatschnass. Zurück in der Kammer wurde ich an die von uns allen heißgeliebte Wäscheleine gehängt. Aber heute war es nicht so bequem wie sonst: Ich hatte zwar viel Platz, aber ich wurde ständig durch die Gegend geschaukelt. Und dass passierte den ganzen Nachmittag. Es schaukelte so stark, dass ich beinahe von der Leine gefallen wäre. Gegen Abend hatte ich´s dann geschafft. Ich war wieder staubtrocken und wurde abgehängt. Meine nächste Station war das Wäschesäckchen. Dort warte ich jetzt bis Dienstag auf einen neuen Waschgang.


P.S. Liebe Franka,

ich wünsche dir alles, alles Gute zum Geburtstag. Ich hoffe, du hattest einen schönen Tag. Bleib wie du bist.

Deine Lotti

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