Meine Top acht Momente seit dem Auslaufen bis jetzt

Datum: Donnerstag, der 30.11.2017
Mittagsposition: 15° 29,7‘ N, 028° 46,5‘ W
Etmal: 108 sm
Wetter: Lufttemperatur: 28,5°C, Wassertemperatur: 27°C, Wind: ENE 2-3
Autor: Carl

Nun sind wir schon fast 40 Tage mit der Thor unterwegs und das möchte ich nun als Anlass nehmen, die bisherige Zeit Revue passieren zu lassen und mit euch meine besten und spannendsten Momente zu teilen.

1. Die Erlösung von der Seekrankheit
Ich denke, es wurde schon zu genüge über die Seekrankheit berichtet, sie ist höllisch und nicht genau verständlich zu beschreiben. Die Zeit in der Nordsee war keineswegs ein Highlight, aber für mich war der erste seekrankheitsfreie Morgen eines. Man wird aufgeweckt, bleibt ein paar Minuten liegen, noch einmal ein, zwei Minuten und fühlt noch immer nichts von der Seekrankheit. Allein das ist schon enorm schön. Das Beste war, dass Seemannssonntag, also Donnerstag, war und ich zum ersten Mal seit drei Tagen wieder etwas anderes als Schiffszwieback essen konnte. Das war wahrscheinlich das beste Nutellabrötchen seit langem.

2. Das erste Mal Delfine
Ein Tag vor Falmouth hieß es laut „Delfine an Steuerbord!“ und alle rannten nach vorne an den Bug. Dieser Moment war einfach fantastisch und unvergesslich. Die Delfine sprangen durch die Wellen, als würden sie es immer machen, was sie wahrscheinlich auch tun. Auch jetzt ist es noch immer ein Grund, unter Deck zu rennen und die Kamera zu holen, wenn es heißt „Delfine!“ oder inzwischen auch „Grindwale!“.
Wir haben später sogar ein Meter große Goldmakrelen/Doraden gesehen und fast geangelt – der Knoten war allerdings aufgegangen. Ich freue mich schon, wenn wir das erste Mal Wale sehen, also mehr als nur das hochgeblasene Wasser.

3. Falmouth, England
Falmouth gab uns Anlass, einfach mal zurück zu blicken und zu realisieren, was wir hinter uns gebracht hatten und auch was noch vor uns liegt. Die Vorstellung, weitere fünfeinhalb Monate auf der Thor zu leben, ging nicht so richtig in meinen Kopf. Tut es übrigens immer noch nicht so richtig. Es fühlt sich einfach so irreal und gleichzeitig doch irgendwie so normal an. Ich hoffe sehr, dass wir auf dem Rückweg wieder in Falmouth Halt machen. Außerdem war es auch ganz schön, mal wieder Kontakt zum anderen Zuhause zu haben.

4. Das erste Mal Backschaft und Regenbogen bei Vollmond in der Nacht
Das erste Mal Backschaft war eine tolle Erfahrung. Es machte super Spaß, sich mit lauter Musik und coolen Leuten einen ganzen Tag um das Essen an Bord zu kümmern. Das Beste war aber, als
später beim abendlichen Putzen der Kombüse durchs Schiff gerufen wurde, dass alle an Deck kommen sollen. Es war einfach einzigartig… einfach verdammt einzigartig… ich meine, einen Regenbogen bei Nacht sieht man nicht alle Tage.

5. Landaufenthalt Madeira
Als verkündet wurde, dass wir voraussichtlich in Madeira Halt machen würden, da wir zu schnell vorangekommen waren, freuten sich alle sehr auf den Landaufenthalt und waren schon enorm aufgeregt. Es war dann einfach echt schön, auf einer komplett fremden Insel Eis zu essen und einfach mal herumzugehen. Auch war es eine willkommene „Abkühlung“, in 24°C warmes Wasser vom Klüvernetz zu springen.

6. Erster Sturm – ohne Seekrankheit
Beim Auslaufen aus Madeira hieß es bei Signal K von Detlef „Außen- und Innenklüver setzen, außerdem Baumfock, alle drei Rahsegel, Schoner-, Großstengestagsegel und Groß- und Großtopsegel“. Doch der Wind stellte sich als viel stärker heraus als die Wettervorhersagen es zuvor angekündigt hatten. Noch während des Setzens der Segel stieg der Wind auf acht Windstärken an und die Wellen auf vier bis fünf Meter. Das bedeutete so viel wie: zehn Sekunden an Deck und man war pitschnass. Natürlich wurden dann nicht alle Segel gesetzt, aber wir mussten die Segel dann auch packen, da sie ansonsten hätten reißen können. Auf dem Weg unter Deck wurde mir und Malte dann gesagt, dass wir die beiden Klüver packen sollen. Es war eine wirklich sehr coole Erfahrung, ins Klüvernetz (natürlich mit Gurt) zu klettern und mit vier Zeisern, den Innenklüver zu packen. Heißt so viel wie einfach nur Zeiser rum und festziehen und einen halben Schlag auf Slip (ein Knoten) zu machen und dabei zwei Meter über dem tosenden Wasser zu liegen.

7. Teneriffa – Santa Cruz und der Teide
Ich denke, über Teneriffa wurde eigentlich schon genug erzählt, aber trotzdem hier meine persönlichen Highlights: Allein das Einlaufen war schon beeindruckend. Man fühlte sich schon ganz gut und war auch vielleicht etwas stolz, mit einer hafenfeinen Thor einzulaufen, also alle Segel so schön wie noch nie gepackt und alle Reinschiffstationen so gut wie möglich geputzt zu haben (natürlich geht es immer besser…) sowie mit allen Wachen an Deck zu sein. Es war auch super cool, mit den anderen Schiffen, Roald Amundsen, Thalassa und der Eye of the Wind an der gleichen Pier zu liegen. Auch der Ausflug in die Deutsche Schule Teneriffas und die Zeit in Santa Cruz mit ein paar von den spanischen Schüler/innen war eine tolle Erfahrung. Und natürlich war der Teide atemberaubend. Das Glücksgefühl über die Wärme der heißen Schwefeldampfquelle für die halb erfrorenen Hände war zwar kleiner als das Glücksgefühl, den Gipfel erreicht zu haben, aber gehörte zum Erlebnis einfach dazu. Alles in allem war es eine Topwanderung.

8. Kapverden
Ursprünglich sollten wir gar nicht bei den Kapverden Halt machen, aber da wir nach Teneriffa fast nur noch unter Motor gefahren waren und fast 4000 Liter Diesel verbraucht hatten, mussten wir Diesel bunkern. Dazu liefen wir während meiner Nachtwache (02-05) in Sal ein und wir erledigten die Arbeit, wofür eigentlich ein Signal K geplant gewesen war. Das hieß für uns: alle Segel bergen, in die Bucht fahren und Anker werfen. Während alldem stand ich am Ruder, was mir enorm viel Spaß gemacht hat. Außerdem wurden wir in vier Erkundungsgruppen zu je acht bis neun Schüler/innen mit zwei Leuten vom Stamm, in meinem Fall Maria und Ferdi, eingeteilt. Das Projekt KUS und die Thor legten zum ersten Mal in Sal an, und wir sollten uns wie richtige Entdecker ohne viele Informationen über das Land umschauen und unsere Erkundungsergebnisse dann am Abend vortragen. Das war auf jeden Fall ein sehr lustiger und eindrucksvoller Tag.

Das waren meine persönlichen Highlights der ersten 40 Tage und jetzt, auf dem Atlantik, genieße ich einfach den Alltag und das Meer.

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