Tiefkühlexpeditionen

Datum: Freitag, der 03.11.2017
Mittagsposition: 40° 38,2‘ N; 012° 07,7‘ W
Etmal: 112 sm
Wetter: Lufttemperatur: 18°C; Wassertemperatur: 20°C; Wind: WNW 3
Autorin: Paula

Ein Regalsystem mit roten Kisten – die Trockenlast. Ein begehbarer
Kühlschrank, gefüllt mit noch mehr roten Kisten – die Kühllast. Und
zuletzt noch ein begehbarer Tiefkühlschrank, wiederum vollgestellt mit
sich stapelnden Kisten – die Tiefkühllast. Das ist das „Reich“ der
Proviantmeisterinnen, hier haben sie das Sagen über das gebunkerte Essen
an Bord. Es ist natürlich auch nicht immer ganz leicht den Überblick zu
behalten, aber die vielen Listen sind da eine große Hilfe.

Jeden Tag aufs Neue müssen sich die Proviantmeisterinnen ein Menü für
den nächsten Tag überlegen. Das frische Obst für den täglichen Obstsalat
zum Frühstück muss also zum Beispiel bereitgestellt werden und auch
andere Zutaten werden so hergerichtet, dass es der Backschaft vom
nächsten Tag leicht fällt, alles zu finden.

Und da kommen Kira und ich ins Spiel: wir sind Proviantbeauftragte, das
heißt wir unterstützen Karina und Caro (Segelstamm) vom Proviant bei
ihren täglichen Aufgaben. Wir füllen die Trockenlast mit Lebensmitteln
aus den Unterkojen auf, sodass man wieder schnell an diese heran kommt.
Desweitern sortieren wir etwa alle drei Tage die älteren Kartoffeln aus,
damit wir sie dann sofort verwenden können. Dabei ist anzumerken, dass
es doch immer ein Highlight ist, die Kartoffel „Herbert“ wieder in den
Händen zu halten und sich daran zu erfreuen, dass es ihr immer noch gut
geht. Wir haben ihr diesen kreativen Namen gegeben, weil man sich doch
mit etwas beschäftigen muss, bei dieser nicht ganz so spannenden
Aufgabe. Das Schöne daran ist, dass wir die Kartoffel sogar wirklich
identifizieren können, denn sie ist besonders groß und hat die Form
einer Spielfigur aus zum Beispiel „Mensch ärger dich nicht“.

Am liebsten jedoch unternehmen Kira und ich Tiefkühlexpeditionen. Man
muss sich das ganze so vorstellen: Für den nächsten Tag steht
beispielsweise Chili con Carne auf dem Speiseplan. Jetzt bekommen wir
Proviantbeauftragen die Aufgabe, das Hackfleisch aus der Tiefkühllast zu
holen, damit es schon einmal auftauen kann. Das läuft dann so ab: Wir
packen uns warm ein und ziehen sogar unsere Ölzeugjacken an. Bewaffnet
mit Mütze, Schal und Handschuhen machen wir uns dann auf in den
Gefrierschrank. Natürlich studieren wir erst einmal den Plan wo was
liegt und dann geht es ans Umräumen und Umstapeln. Von außen muss sich
das nach einem großen Gerumpel anhören, aber keine Sorge, sogar bei
hohem Seegang ist immer alles gesichert. Wenn man dann mit schon halb
abgefrorenen Händen endlich das Gesuchte gefunden hat, ist die Freude
wirklich groß. Nur schade, dass man danach alles genauso wieder
zurückstapeln muss, wie es zuvor war.

Zusammenfassend kann man jedoch sagen, dass die Arbeit bei den
Proviantmeisterinnen wirklich großen Spaß macht. Man bekommt einen guten
Einblick in die Gastronomiebranche und ich muss sagen, es ist wirklich
erstaunlich welche Mengen hier jeden Tag auf den Tisch kommen. So eine
Seemannschaft ist wirklich eine Horde hungriger und kaum
sattzubekommender Leute! Bisher haben wir es jedoch zusammen mit der
Backschaft fast immer erfolgreich geschafft, ein leckeres und
reichliches Frühstück, Mittag- und Abendessen zu bieten.

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