Ab jetzt heißt es: Schulbank drücken!

Datum: Mittwoch, 22.11.17
Mittagsposition: 25° 06,8′ N, 19° 14,0′ W
Etmal: 137sm
Wetter: Lufttemperatur: 23,5°C, Wassertemperatur: 24°C, Wind: 1-2 W
Autorin: Caroline

Genau heute sind wir exakt einen Monat unterwegs. Zur Feier dieses Tages hatte die Unterrichtsgruppe A heute ihren ersten richtigen Schultag.

Da während des Unterrichts auch immer jemand das Schiff fahren und dafür sorgen muss, dass alle anderen sich konzentrieren können, sind wir in zwei Unterrichtsgruppen aufgeteilt.
Das heißt, dass während die eine Hälfte von uns die Schulbank drückt, die Anderen Wache, Backschaft oder Praktikum haben oder putzen müssen. So ist man doch gleich viel motivierter, wenn man weiß, dass man heute nicht putzen muss und stattdessen nach so langer Zeit wieder Schule hat.
Fast schon wirkt es normal, morgens um kurz nach sieben aufzustehen, sich fertig zu machen und dann zur Schule zu gehen – Wäre da nicht der Umstand, dass wir auf einem Schiff sind, unser Klassenzimmer sich unter freiem Himmel auf dem Hauptdeck befindet und wir entweder auf den Backskisten oder auf mit Seilen festgezurrten Bierzeltgarnituren sitzen, um dem in den letzten Tagen glücklicherweise nicht sonderlich starken Seegang zu trotzen.

Nach dem schmackhaften Frühstück trafen wir uns also alle aus Unterrichtsgruppe A auf dem Hauptdeck, bewaffnet mit Ordnern, Blöcken und Stiften. Der Unterrichtstag begann mit einer Stunde Chemie, bei der uns die uns sonst eigentlich nur als Proviantmeisterin bekannte Karina unterrichtete. Dabei wurde prompt die Tafelkreide mit Wachsmalstiften verwechselt, die sich, wie sich herausstellte, nur schwer von der Tafel entfernen ließ.
Danach ging es mit Matheunterricht bei Ferdinand weiter, der uns später auch noch in Physik unterrichtete und uns dabei an seinem Wanderrucksack zur Veranschaulichung die Hebelkräfte demonstrierte und damit auch einen Bezug zu der vor kurzem geglückten Besteigung des Teides herstellte. Unser anschließender Spanischunterricht bei Elena, die wie immer sehr motiviert war, gestaltete sich ebenfalls sehr interessant und jeder von uns sollte nun in der Lage sein, ausführlichst ein Eis zu bestellen.

Der Schultag wurde nun durch eine kräftigende Mittagspause unterbrochen, bei der es allerlei Reste der letzten Tage zum Essen gab. Zu unserer Freude wurde uns nach dem Mittagessen verkündet, dass die Osmose-Anlage zur Trinkwassergewinnung aus Seewasser hier an Bord wieder einwandfrei funktioniere. In den letzten Tagen hatte es ein kleines Problem gegeben, weswegen wir mit dem Süßwasser besonders sparen mussten und nur die Salzwasserdusche benutzen durften. Ab jetzt ist also das Duschen mit Süßwasser alle drei Tage wieder erlaubt und ist sogar, wie uns dann noch einmal von Detlef erklärt wurde, dringendst erwünscht.

Nach dem Mittagessen um 13.04 Uhr hatten wir noch einen kleinen Exkurs in unserem Wahlpflichtfach ‚Astronomische Navigation‘ und wie zuvor von Detlef ausgerechnet, beobachteten wir auf dem Achterdeck durch einen Sextanten den höchsten Punkt der Sonne. Mit neuer Energie und frischer Motivation ging es dann voller Lerneifer an den Geografieunterricht bei Tobias, in dem wir die Tiefen des Meeres erforschten. Erstaunlich, wie gut Geografie schmecken kann, wenn die Erdschichten an einem ‚Ferrero Rocher‘ veranschaulicht werden. Bei einer weiteren Stärkung durch das Kaffeetrinken und Orangenessen, beförderten wir die Orangenschalen elegant über die Reling, um auch hier wieder Platz auf dem Schiff zu sparen. Dieses „Bioabfälle-über-Board-werfen“ ist auf hoher See erlaubt. In einer weiteren Doppelstunde Deutsch sprachen wir dann über die Lektüre „Herr der Fliegen“, die wir schon vor der Reise lesen sollten. Endspurt: Eine Stunde ‚Astronomische Navigation‘ bei unserem Kapitän Detlef. Mit den Daten, die wir heute Mittag nach dem Mittagessen beobachtet hatten, berechneten wir die Breite, auf der wir uns momentan befinden.

Beim Abendbrot kam dann die Ansage von Elena, dass es heute Abend noch ein Treffen geben werde, bei dem sie allen, die wollten, das Häkeln und Stricken beibringe. So saßen wir dann gemeinsam in der Messe und versuchten mit viel Mühe unsere Wichtelgeschenke zusammenzubasteln oder diesen Blogeintrag zu schreiben.

So neigte sich dann der erste Schultag auf der Thor dem Ende zu. Erschöpft und müde vom ganzen Lernen gingen wir dann zufrieden darüber, dass wir nicht putzen mussten, ins Bett.

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