Der zweite Tag der Schiffsübergabe und die Halse

Datum: Donnerstag, der 14.12.2017
Mittagsposition: 12° 54‘ N; 059° 53,2‘ W
Etmal: 134 sm
Wetter: Lufttemperatur: 30,5°C, Wassertemperatur: 28,5°C, Wind: ESE 3-4
Autor: Benno

Bald ist es soweit und wir können uns an den weißen Strand legen und die Sonne genießen. Schon
seit Tagen kann man die Vorfreude an Bord merken. So wurden heute einigen die Haare geschnitten,
um mit nicht all zu langen Haaren in der Karibik anzukommen. Heute morgen fuhren wir an Barbados
vorbei, das erste Land seit den Kapverden. Dies bringt uns den Beweis: Bald sind wir da.

Nach dem ersten Tag der Schiffsübergabe (gestern) haben wir uns heute schon ziemlich eingelebt.
So gestaltete Lenya auch heute mit ihrem Team Carl und Philipp den Kurs Richtung Palm Island. In
dieser Planung war auch eine Halse eingeplant.

Eine Halse ist ein Segelmanöver, bei dem das Schiff durch den Wind gedreht wird, um z.B.nicht zu
weit vom Kurs abzukommen. Wie bei der Wende wird der Kurs verändert, jedoch wird hierbei nicht
der Bug durch den Wind gedreht (der Wind kommt bei der Drehung von vorne) sondern mit dem Heck
durch den Wind (d.h. der Wind kommt bei der Drehung von hinten).
Bei der Halse kommt der Wind von hinten (raumschots). Es werden die Vor- und Gaffelsegel
mitschiffs geholt und die Rahen in einem rechten Winkel zum Schiff gebrasst (vierkant). Wenn
dann das Schiff genau vor dem Wind ist heißt es „rund achtern“, dann müssen die Segel übergeholt
und wieder aufgefiert werden. Anschließend muss man alle Segel entsprechend ausrichten und
trimmen.
Bei uns kam der Wind von Steuerbord, also fielen wir ab, holten die Segel mittschiffs und
brassten die Rahen, dann fuhren wir durch den Wind und baumten danach die Segel nach Steuerbord
aus und brassten auch die Rahen.
Die Schüler-Schiffsführung stand derweil auf dem Achterdeck und gab Befehle einerseits für den
Rudergänger und andererseits für die Wachführer/innen bzw. den Wachen. Eigentlich wären die
Befehle an die Wachen gar nicht nötig gewesen, da die Halse bis ins Detail mit den
Wachführern/innen im Voraus besprochen worden war.
Wache eins war für die Rahsegel verantwortlich, musste also auf Befehl brassen.
Wache zwei hatte den Schoner als Aufgabe, sie hatten dafür zu sorgen, dass er mittschiffs geholt
und wieder auf dem neuen Bug ausgebaumt wurde.
Wache drei tat das Gleiche wie Wache zwei, nur mit dem Großsegel und dem Großtopsegel.
Wache vier ist normalerweise für den Besan verantwortlich, da dieser jedoch nicht gesetzt war,
half die Wache, wo Hilfe gebraucht wurde.

Alles lief wie geplant. Das erste Segelmanöver unter Schülerleitung ist geglückt. Dabei muss man
sagen, dass nicht nur die Schiffsführung von Schüler/innen besetzt war, sondern auch die Posten
der Wachführer, die die Befehle zum Mitschiffsholen und Ausbaumen der Segel gaben und ohne Hilfe
vom Stamm handeln mussten.
So haben wir diese Hürde bewältigt und sind auf einem guten Weg Richtung Karibik.

Es war für uns alle eine tolle Erfahrung, diese verantwortungsvollen Posten übertragen bekommen
zu haben und zu erleben, was es wirklich bedeutet Kapitän/in, Steuermann/frau, Projektleitung,
Wachführer, Copi, Maschinist/in, Bootmann/frau und Proviantmeister/in zu sein. Die zwei Tage der
Schiffsübergabe werden wir noch genauer reflektieren und besprechen, sodass wir für das nächste
Mal noch besser vorbereitet sind.
Jetzt haben wir uns auf jeden Fall erst einmal ein paar Urlaubstage in der Karibik verdient.

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