Fidel Castro und Ché Guevara im Kubanischen Alltag

Fidel Castro, Anführer der Revolution, Staatschef über 60 Jahre – Er prägte das Land und drückte ihm durch sein Amt seinen ganz eigenen Stempel auf. Doch für die Kubaner/innen ist er mehr als nur ihr Staatsoberhaupt. Er ist für sie wie ein Vater, der sich über Jahrzehnte hinweg fürsorglich um sie gekümmert hat. Sein Bildungssystem ist noch immer vorhanden und er sorgte noch mit 80 Jahren dafür, dass alle Kinder Kubas lesen und schreiben können.

Ché Guevara, allgemein in Kuba als Comandante bekannt, war einer der engsten Mitstreiter Fidels während der Revolution. Er war ein entschlossener, charismatischer Kämpfer, der die Revolution durch seinen Tatendrang und sein Durchhaltevermögen voran brachte. Er war nie zufrieden und wollte immer weiter den Grundgedanken des Kommunismus verbreiten. Auch sein frühes Ableben durch politische Gegner ließ ihn für viele als Märtyrer erscheinen, was zu seinem heutigen Ansehen als Legende führte. Es gibt keine/n Kubaner/in, der/die ihn nicht kennt. Viele lieben und verehren ihn.

Auf unserer Reise fanden wir Spuren der beiden an fast jeder Straßenecke auf Kuba. Anstatt von kommerzieller Werbung sind überall Zitate, Bilder und Lobreden in Form von Plakaten oder Wandbemalungen angebracht. Viele Parks sind den beiden gewidmet, oft mit lebensgroßen Statuen. Ché ist auch auf Geldscheinen und auf beinahe jedem Souvenir abgebildet. Das typische Konterfei, das bei einer seiner Reden entstand, ist zum Symbol des Sozialismus und Kuba geworden. Unzählige Variationen an T-Shirts, Feuerzeugaufdrucken, Flaggen oder Zigarrenboxen sind mit dem entschlossenen Blick in die Ferne zusammen mit seinem wohl berühmtesten Zitat „Hasta la Victoria siempre!“ – „Bis zum ewigen Sieg!“ bedruckt. Niemand in Kuba kennt ihn nicht. In kubanischer Gesellschaft bekommt man oft den Eindruck, Ché sei perfekt, hätte immer ohne Fehler gehandelt und wäre das Vorbild, der Held, an dem man sich orientieren solle. Viele verabschieden sich sogar mit „Hasta la Victoria Siempre!“ am Ende eines Gespräches.

Als Fidel Ende 2016 verstorben war, wurde ihm zu Ehren ein Lob- und Trauerlied verfasst. Jede/r Schüler/in in der kubanischen Schule, die wir besuchten, konnte dieses noch immer. Tiefe Verbundenheit zum Gründer des „Neuen Kuba“ spürt man beispielsweise im schulinternen Revolutionsmuseum. Große Reden und Bilder wurden dort zusammen mit von Schülern gestalteten Medien zur Schau gestellt. Sogar Fidels Unterschrift und Bilder eines Besuches an der Schule waren vorhanden. Die Einweihung der Schule durch das gefeierte Staatsoberhaupt kam uns zunächst sehr besonders vor, doch auf unserer Reise sahen wir in nahezu jedem öffentlichen Ort Bilder von einer Einweihung durch Fidel oder uns wurde voller Begeisterung davon erzählt, dass Fidel persönlich dort gewesen war. Bei uns kam die Frage auf, ob er noch Zeit für andere Dinge hatte, bei der Menge an Gebäuden und Plätzen, zu denen er gereist war. Doch die Spuren seines Wirkens findet man auch in der Geschichte Kubas. Agrarreformen, Bildung und Gesundheit prägen das Land und machen es zu dem einzigartigen Ort, der es heute ist.

Fidel Castro und Ché Guevara werden als Volkshelden Kubas wohl ewig weiter leben, obgleich beide schon verstorben sind. Die beiden Revolutionäre haben das Land geprägt und zu dem Kuba gemacht, das heute noch zu finden ist und faszinieren mit dem Teil der Weltgeschichte, die sie geschrieben haben.

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