Spontanität und Improvisation sind gefragt

Im Leben kommt es oft zu unvorhergesehenen Situationen und irgendwie muss jeder von uns dann damit zurechtkommen. Dabei sind Improvisationstalent und Spontanität gefragt. Vor allem, wenn man in Führungspositionen steht und in dem Moment die Leitung und die Organisation anführen muss. So erging es dann auch Michi und mir an dem Tag, an dem wir Tagesprojektleitung waren.

Das mit der Spontanität begann dann schon bei der Vorbesprechung für unsere Tagesprojektleitung, bei der uns als einziger Programmpunkt für den Tag die Abfahrt des Busses am Hotel Lincoln in Havanna gesagt wurde. Außerdem stand schon fest, dass irgendwann im Laufe des Tages die Schüler der Friedrich-Engels-Schule aus Pinar del Rio zu Besuch kommen würden. „Auf der Thor wird sich dann alles weitere klären“, hieß es und so begann dann unser Tag noch relativ entspannt mit einem ausgiebigen Frühstück auf der Dachterrasse unseres Hotels, von wo aus man eine wunderschöne Aussicht über die Dächer Havannas hatte. Nachdem wir dann das gesamte Gepäck mitsamt allen Schüler/innen in den Bus geschafft hatten, ging es auch schon zurück zur Thor – endlich wieder nach Hause.

Die Busfahrt nutzten Michi und ich, um uns auf das vorzubereiten, was uns auf der Thor erwarten könnte. Klar war, dass wir alle noch in unsere neuen Kammern einziehen mussten, bevor die kubanischen Schüler/innen kamen. Laut unserem Plan sollten dann vor dem Mittagessen all die einziehen, die auf der kommenden Etappe oben schlafen und die anderen währenddessen zum Beispiel in der Backschaft helfen oder die Segel schön packen, damit auch alles ordentlich aussieht, wenn unsere Gäste kommen. Nach dem Mittagessen sollten die Gruppen dann tauschen und die Thor wäre dann bis zur voraussichtlichen Ankunft der Schüler/innen um 14:00 Uhr von oben bis unten aufgeklart und zum Vorzeigen bereit.

Bis zum Mittagessen lief alles dann auch wie geplant, doch als wir dann da alle so schön auf dem Hauptdeck zusammen saßen, bereit uns nach den üblichen Ansagen und der stillen Minute auf das Mittagsbuffet zu stürzen, bog der Reisebus gefüllt mit den Schülern/innen aus Pinar del Rio, zwei Stunden zu früh auf den Parkplatz ein. Jetzt war der Punkt des Tages erreicht, an dem wirklich Improvisation gefragt war.

Unser Glück war es, dass unsere Gäste zunächst die Erlaubnis der Behörden einholen mussten, bevor sie die Thor betreten durften. Das verschaffte uns und vor allem der Backschaft Zeit, uns neu zu organisieren und noch mehr Essen für die Kubaner/innen auf den Tisch zu bringen, denn sie hatten das Mittagessen schon gesehen und wir konnten dann ja schlecht ohne sie essen.

Das Schiff sah zu dem Zeitpunkt dann aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen, denn bisher waren nur die oberen Kojen bezogen und der Boden der Kammern war oft unbetretbar, da Seesäcke und Wanderrucksäcke wild aufeinander geworfen auf dem Boden lagen, darauf wartend ausgepackt zu werden. In der Messe stapelten sich noch Bettwäsche und Ölzeug und die Ladeluke war ebenfalls noch vollgepackt mit unserem Gepäck.

Kurzum: wir hatten keine Wahl, als die Thor in dem Zustand, in dem sie zu dem Zeitpunkt eben war, vorzuzeigen. Immerhin war es dann ein sehr authentisches Bild, das die Schüler/innen von uns bekommen würden.

Schnell wurde dann noch der Kuchen angeschnitten, den Sven vor seiner Abfahrt extra noch für uns gebacken hatte und schon kamen die Gäste an Bord.

Leni begrüßte sie mit einer improvisierten Rede auf Spanisch und erklärte dabei auch gleich den Zustand des Schiffes. Wir bekamen von der Schule noch ein weiteres Geschenk in Form eines eingerahmten Bildes, das die Zusammenarbeit der Friedrich-Engels-Schule und dem KUS-Projekt zeigt.

Trotz der kurzzeitigen Aufregung und des Stresses konnten wir dann noch einen schönen Nachmittag mit den Schüler/innen verbringen und ihnen auch mal einen Eindruck von unserem Leben hier an Bord zeigen. Gemeinsam aßen wir, redeten und führten sie durch das Schiff, wobei sich alle sehr interessiert zeigten. Nach und nach klang das Treffen dann gegen 16.00 Uhr aus und die Schüler/innen verabschiedeten sich nun endgültig von uns.

So ging dann langsam ein sehr anstrengender Tag zu Ende und wir konnten alle danach noch in Ruhe einziehen und alles für das Auslaufen am nächsten Tag aufklaren. Wir können alle stolz auf uns sein, dass wir so unvorbereitet von unseren Gästen überrascht wurden und doch noch einen so gelungenen Nachmittag spontan organisieren konnten.

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