Unser Namensgeber Thor Heyerdahl

Datum: Sonntag, der 18.03.2018
Position: 36°56,6‘N; 037°14,1‘W
Etmal: 140,1 sm
Wetter: Lufttemperatur: 18°C, Wassertemperatur: 18°C, Wind: SW 4-5

Wir sind nun fast fünf Monate unterwegs. In genau einem Monat und zwei Tagen werden wir wieder in Kiel einlaufen. Die letzten fünf Monate sind wir alle zusammen über die Nordsee, durch die Biscaya, über den Atlantischen Ozean, durchs Karibische Meer und nun über den Nordatlantik
gesegelt. Aber womit?

Mit dem Segelschiff Thor Heyerdahl!

Doch woher kommt der Name „Thor Heyerdahl“ überhaupt?

Thor Heyerdahl war ein norwegischer Wissenschaftler/ Abenteurer. Er wurde am 6. Oktober 1914 in
Norwegen geboren und ist am 18. April 2002 in Italien verstorben. Er unternahm als Forscher vier
große Expeditionen, von denen drei erfolgreich waren. Seine Reisen dienten immer wissenschaftlichen Forschungen, mit denen er die Besiedlungsrouten der Ureinwohner verschiedener Erdteile beweisen wollte. Viele Leute glaubten nicht an seine Theorien, weshalb er sich zu seinen nicht ganz ungefährlichen Expeditionen mit ganz einfachen und antiken Methoden bzw. Materialien fürs Segeln aufmachte, um zu zeigen, dass diese Art der Ozeanüberquerungen möglich waren.

Die erste Expedition namens Kon-Tiki startete am 28. April 1948 in Peru und endete nach 101 Tagen und 7000 gedrifteten Kilometern. Während dieser Expedition driftete er mit einem Floß über den Pazifischen Ozean. Seine zweite Expedition war mit der Ra I. Diese Expedition scheiterte jedoch kurz vor ihrem Ziel. Trotzdem startete er einen zweiten Versuch mit der Ra II. Diese Expedition startete am 12. Juli 1970 und endete nach 57 Tagen und 6100 gedrifteten Kilometern. Hierbei überquerte er mit einem Papyrusboot den Atlantik. Seine letzte große Expedition war die Reise mit der Tigris, ein Schilfboot, mit dem der Indische Ozean durchquert wurde. Diese Expedition startete am 24. November 1977 und endete nach 143 Tagen und 6800 gesegelten Kilometern.

Bei dieser letzten Expedition war auch unser Kapitän Detlef dabei. Er hat mir ein bisschen von
seiner Reise mit Thor Heyerdahl erzählt. Das Ziel der Expedition war es herauszufinden, wie lange ein Schilfboot segeln kann und es sollte die Frage beantwortet werden, ob die Menschen schon viel früher als bisher angenommen, mit ganz einfachen Booten auch solch lange Strecken segelnd hätten zurücklegen können. Die Reise war die erste Segelreise, welche Thor Heyerdahl bestritt. Die Reisen zuvor waren alles Driftreisen, bei denen sie dem Wind und den Strömungen ausgesetzt waren.

Mit ihren vorherigen Schiffen konnten sie nur Raumschotkurs fahren. Unsere fleißigen
Mitleser/innen wissen, dass hierbei der Wind von hinten kommt. Seine letzte große Expedition war
eine Segelreise. Sie konnten zum ersten Mal halb Wind bzw. leicht am Wind segeln. Die Crew
bestand aus einer bunt zusammen gewürfelten Gruppe. Insgesamt waren elf Personen aus neun
verschiedenen Nationen an Bord. Es gab Navigatoren wie Detlef, einen Arzt, ein paar Filmleute,
einen Bergsteiger und viele weitere. Nicht alle waren Berufsseemänner. Nacht Detlefs Erzählungen
muss diese Reise einfach einzigartig gewesen sein.

Es gab eigentlich keine richtigen Besonderheiten, denn jeder Tag war besonders. Kein Tag war wie der andere und die Reise war nun einmal ganze 143 Tage lang. Sie segelten wie eine Karawane durch den Indischen Ozean. Vorne die Tigris, dahinter die kleineren Fische, welche sich von dem Schilf ernährten und ganz zum Schluss auch große Fische und Haie. Auf der Reise hatten sie keinen Strom und nur die allernötigste Menge an Trinkwasser. GPS war auch noch nicht komplett entwickelt. Deshalb mussten sie mit Hilfe von Astronomischer Navigation segeln. Das bedeutet Sterne und Sonne mit dem Sextanten schießen und daraus die Position berechnen, Geschwindigkeit durch Loggen und anschließend Koppeln. Auf die Frage ob er denn keine Bedenken oder Ängste gehabt hatte, antwortete Detlef ganz entschlossen „Nein“. Und nach ein bisschen Nachhaken, ob er denn nicht Angst hatte, dass das Schiff nicht halten könne, denn es war ja auch nur aus Schilf, Bambus, Segeltuch und natürlichen Fasern ohne irgendwelche Nägel, meinte er erneut „Nein“. Er war ja beim Bau dabei und das Schiff war auf alle Fälle seetauglich. Während ihrer Reise hat das Schilfboot die Besatzung auch nie im Stich gelassen. Sie hatten nur kleinere Probleme wie z.B., dass sie einmal fast gestrandet wären und von einem russischen Frachter noch gerettet wurden, oder dass ihnen bei einem Gewittersturm der Mast gebrochen ist. Dies waren aber alles Schäden, die sie an Bord noch beheben konnten. Aber Probleme mit Kentern oder Auseinanderbrechen des Bootes hatten sie nicht. Abends saß die Gruppe meistens zusammen am Esstisch mit einer Petroleumlampe. Sie hatten sich ja viel zu erzählen, denn jeder kam aus einem anderen Land.

Über Thor Heyerdahl konnte Detlef mir sagen, dass er die besten Geschichten an den Abenden
erzählte. Er hatte ja auch schon viel erlebt. Selbst war Thor Heyerdahl jedoch kein Seemann, dies überließ er seinen Navigatoren. Sonst war er ein sehr demokratischer Kapitän bzw. Schiffsführer.

Jedes Problem, das es gab, besprach er mit allen zusammen. Das Verhalten von Thor Heyerdahl hat
Detlef sehr geprägt. Aus diesem Grund hat Thor Heyerdahl auch 1981 höchst persönlich die Thor im
Kieler Hafen getauft. Wer sich mehr für diese Expedition interessiert, kann das Buch „Thor
Heyerdahl Tigris“ lesen.

Im Vergleich zu unserer Reise, steht die Tigris-Expedition in starkem Kontrast. Die einzige
Gemeinsamkeit liegt darin, dass wir ebenso wie Thor Heyerdahl segeln. Doch segeln wir in
unterschiedlichen Gewässern, und in unterschiedlichen Zeitaltern. Das ist auch der größte und
ausschlaggebendste Unterschied. Wir segeln inzwischen mit GPS, haben einen Motor und
Elektrizität. Die Thor ist moderner und meines Erachtens auch sicherer. Wir haben alles, was wir
brauchen. Unser Schiff ist schneller, wir können zwar nicht hart am Wind fahren, aber dafür
machen wir dann einfach die Maschine an, um auf Kurs zu bleiben. Außerdem sind wir mehr Leute,
von denen wenigstens jeder ein bisschen Segelerfahrung hat. Doch wie auf allen Segelschiffen
erfahren wir die starke Seemannschaft und den starken Zusammenhalt.

Meinen Blog möchte ich mit den Worten beenden, dass man sich ein Beispiel an Thor Heyerdahl
nehmen kann. Er hat es gewagt, etwas Neues auszuprobieren und auch mal etwas Riskantes zu
unternehmen, um seine Theorie zu beweisen. Jeder sollte seinen Namen schon einmal gehört haben.
Er war ein sehr teamfähiger Mensch und hat seine Mitmenschen immer in die Entscheidungsfindung
miteingebunden. Das ist der Mann, dem wir den Namen unseres Schiffes zu verdanken haben.
Thor Heyerdahl.

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