Ein Ozean aus Plastik

Datum: Samstag, der 24.03.18
Mittagsposition: 38°32,0 `N; 028°37,5 `W, Hafen von Horta, Azoren
Etmal: 0 sm
Wetter: Lufttemperatur 18,5°C
Autorin: Maura

Das Meer scheint ewig, wenn man seine Augen darüber schweifen lässt. Nicht nur durch die Weite, sondern auch, weil es wirkt, als würden sich die blaue Wogen durch nichts und niemanden verändern. Doch wenn wir uns länger damit auseinander setzen, sehen wir, dass der Mensch auch hier seine Spuren hinterlässt. Mittlerweile schwimmen 100 Millionen Tonnen Plastik in unseren Ozeanen und da wir uns seit einigen Monaten auf dem Wasser fortbewegen, hat uns diese Thematik immer wieder beschäftigt.

Wir sind es gewohnt Müll zu produzieren, ihn in eine Tonne zu werfen und dann zu vergessen. So bekommen wir kaum mit, wie viel Abfall durch uns entsteht und da die meisten Strände, die wir kennen sauber sind, ist uns die Verschmutzung der Meere gar nicht so bewusst. Für viele der Schüler/innen war es vielleicht das erste Mal, dass sie sich dieses Thema so konkret vor Augen geführt haben, als wir auf den San Blas die erste Müllsammelaktion hatten.

Hier ist es um einiges sauberer an der Küste, aber das liegt vermutlich vor allem daran, dass immer verstärkter versucht wird, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. Die Azoren sind klein, so klein, dass sie ihren Müll nicht auf den Inseln lagern. Jeder Abfall, der hier produziert wird und die Inseln nicht verschmutzen soll, muss mit Containern verschifft werden. Dieses System funktioniert, doch an der Küste ist dennoch zu sehen, dass sie ein Problem mit Müll haben.
Die Verschmutzung ist nicht zu vergleichen mit den Stränden in Panama, aber im Gegensatz zu deren Stränden wird er hier hin und wieder bei Müllsammelaktionen entfernt. An einer dieser Aktionen nahmen wir als Schülergruppe Teil.
Wir teilten uns in verschiedene Gruppen auf und sammelten gemeinsam mit den Ortsansässigen. Die Aktionen werden von einer Organisation namens OMA durchgeführt und dienen nicht nur dem Reinigen der Küste, sondern vor allem auch der Dokumentation für Forschungszwecke.
Meine Gruppe, die an einer Stelle etwas entfernt von Horta sammeln ging, förderte zwischen den schwarzen Felsen einige Dinge hervor, die da nicht hingehörten. Darunter waren Seile, die sich als Überreste von Fischernetzen herausstellten, Autoreifen, Plastikflaschen, ein halber Staubsauger, vom Wasser abgerundete Styropostücke und einige Schuhe. Andere siebten wortwörtlich einen Strand. Allerdings ist ein Großteil des Mikroplastiks zu klein, um auf diese Weise entfernt werden zu können.

Am Ende sammelten wir ca. 600 Kilo Müll und wenn diese Aktion in ein paar Wochen oder Monaten noch einmal durchgeführt wird, werden die Freiwilligen wieder so viel finden können. Der Müll wird über das Meer aus fernen Ländern angespült oder von den Menschen hier verursacht. Wenn wir etwas gegen die Verschmutzung der Meere tun wollen, reicht es nicht Plastik zu fischen, wir müssten versuchen, dass kein neues hinzukommt.

Manchmal, wenn man im Ausguck steht, schwimmt Müll an einem vorbei mitten auf dem Ozean. Selbst dort begegnet uns von Meeresströmung fortgetriebenes Plastik. Doch das kommt gar nicht so häufig vor und das Wasser wirkt ansonsten so klar und sauber, dass man sich doch fragt, ob die Lage wirklich so schlimm ist. Jedoch können wir das Problem noch nicht einmal wirklich sehen. Nur 15% des Plastiks schwimmt frei herum. Der Rest setzt sich unten am Meeresboden ab. Wie schon erwähnt kommen wir mittlerweile auf schätzungsweise 100-150 Millionen Tonnen Plastik im Ozean und es kommt stetig neues hinzu. Die Stücke brauchen teilweise mehrere Jahrhunderte, um so zu verwittern, dass sie nicht mehr sichtbar sind und selbst dann können sie als Mikroplastik immer noch vorhanden sein.

Als wir nach der Sammelaktion einige Vorträge zu dem Thema hörten, wurde hervorgehoben, dass der Abfall den Tieren schadet, doch es ist ein großer Unterschied, ob man so etwas hört oder tatsächlich sieht. Auf unser Whale-Watching-Tour entdeckte eines der Boote eine junge Schildkröte, die von einem Plastikband umwickelt war und sich nicht mehr von selbst befreien konnte. Wenn sie mit diesem Hindernis weiter gewachsen wäre, hätte sie durch dieses Band einen deformierten Panzer bekommen. Sie hatte jedoch Glück und wurde an Bord genommen und zur Uni gebracht, wo sie von dem Plastik befreit und mit einem Sender versehen wurde. Anschließend wurde die Schildkröte wieder in die Freiheit entlassen und wird sich hoffentlich nicht mehr in Plastik verfangen.

Einen Tag später wurden uns Bilder gezeigt von einer Stelle am Grund des Meeres in der Nähe der Azoren. Der Boden ist nicht wirklich erkennbar von all den Fischernetzen. Ein großer Teil der im Meer schwimmendem Netze stammt von der Fischerei. Ein weiteres Bild zeigt eine sezierte Schildkröte, in deren Körper ein Plastikdeckel steckt, der beinahe ein Drittel ihres Körpers ausfüllt. Nicht nur Schildkröten verwechseln Plastik mit Fressbarem, sondern auch Vögel, Fische und viele andere Meerestiere, die daran dann oft qualvoll verenden.

Wenn wir unseren Müll entsorgen, vergessen wir ihn, aber er ist danach nicht verschwunden. Im Idealfall wird er recycled oder zumindest auf eine Müllkippe gebracht, aber trotzdem landet tagtäglich viel zu viel davon in unserer Natur. Ehrlicherweise müssen wir uns eingestehen, dass sicher auch von uns Müll im Meer schwimmt. Nicht aus Absicht, sondern weil wir doch die Plastiktüte an einer ungünstigen Stelle losgelassen, oder die Flasche irgendwo liegen gelassen haben. Doch bei dem Müll an den Stränden, mitten auf dem Ozean, am Grund und in den Tieren wird einem klar, dass der Müll nach dem wir ihn vergessen haben, nicht einfach verschwunden ist.

Außerdem sollte man sich bewusst machen, dass das von uns verursachte Problem auch uns betrifft, denn indem wir Fische essen, nehmen wir über sie ebenfalls Mikroplastik auf, der uns auf lange Sicht schädigen kann. Für uns KUSis waren diese hautnahen Erfahrungen bei den Müllsammelaktionen sehr lehrreich und wir werden sicher zu Hause auf einen bewussteren Konsum achten.

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