As Free as the Ocean

Datum: Donnerstag, der 29.03.18
Mittagsposition: 38°32,0‘N; 028°37,5‘W, Horta/Azoren
Etmal: 0 sm
Wetter: Lufttemperatur: 20ºC, Wassertemperatur: 17ºC
Autorin: Marlene

As Free as the Ocean

„As free as the ocean“ – So fühlen wir uns nicht ganz, aber schon sehr nah dran. Um so frei wie der Ozean zu sein, müsste man in ihm sein oder mit ihm sein. Aber das geht nicht, weil wir ja keine Kiemen besitzen. Trotzdem habe ich an manchen Tagen das Gefühl, auf der Thor dem Ozean ganz nah zu sein. Ich spüre die Wellen, die das Schiff zum Stöhnen bringen, habe nasse Füße und fühle den Wind einer nahenden Kaltfront um mich pfeifen.

Ich fühle mich frei, unbeschwert und glücklich mit dem ganzen Wasser rings um mich herum und denke nicht eine Sekunde lang daran, dass ich nicht annähernd so frei wie der Ozean sein kann.
Natürlich bin ich nicht ganz so frei wie ich manchmal denke zu sein. Klar meine Freiheit ist begrenzt auf 49,83 Meter Länge, sechs Meter Breite und 29 Meter Höhe und es gibt einige Regeln, die hoch und heilig sind, aber im Großen und Ganzen kann ich meinen Tag gestalten wie ich möchte.

Natürlich muss ich zur Wache aufstehen, Reinschiff machen oder in der Kombüse stehen und gerade das ist (besonders bei schlechtem Wetter mit viel Seegang) nicht immer ganz so einfach.
Manchmal hat man an einem Tag Wache, am nächsten Unterricht, dann Praktikum, wieder Unterricht und danach Backschaft hintereinander und kommt dabei an seine eigenen Grenzen.

An solchen Tagen hat man keine Freizeit (oder nur kaum) und dann denkt man sich das ein oder andere Mal wirklich: Was soll ich hier?! Aber meistens schläft man eine Nacht darüber und am nächsten Tag ist wieder alles in bester Ordnung.

Dann fühle ich mich wieder aufs neue frei und losgelöst. Wenn man später am Tag noch einen der wunderschönen Sonnenaufgänge auf See bewundern, fliegende Fische beobachten und vielleicht sogar noch, als Kirsche auf dem Sahnehäubchen, Delfine aus dem kobaltblauen Wasser springen sehen darf, ist meist das unendliche Gefühl der Freiheit präsenter denn je.

Es geht nicht nur mir so. Es geht vielen Menschen so. Vielleicht sind sie allesamt schlicht und einfach vom grenzenlos scheinenden Meer beeindruckt. Ich glaube, so könnte es zumindest bei einigen (wie auch mir) der Fall sein. Was genau die Menschen beeindruckt, weiß ich nicht, aber es gibt ja viele Gesichter der See.

Manche sind fasziniert von ihren Tiefen und ihren Höhen.
Von ihrer Kraft und ihrer Ruhe.
Von dem Leben, das sie in sich trägt, aber auch von den Leben, die sie genommen hat.
Von ihren Farben, welche sich beinahe täglich ändern.
Von den unterschiedlichsten Geräuschen, mit denen sie ruft.
Von ihrer Gestalt.
Von ihrer Vielseitigkeit.

Ja! So glaube ich ist es bei mir. Ich bin fasziniert von ihrer Vielseitigkeit. Jeden Tag sehe ich ein anderes Gesicht von ihr. Jeden Tag bin ich aufs neue fasziniert.

„As free as the ocean“ – So frei werde ich wohl nie sein können, aber einen Hauch davon konnte ich in den letzten Monaten erahnen.

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