Ein Tag voller Schiffsarbeiten

Datum: Freitag, der 30.03.18
Mittagsposition: 39°22,6’ N, 026°46,0’ W
Etmal: 107,2 sm
Wetter: Lufttemperatur: 17°C, Wassertemperatur: 16°C, Wind: SW 4
Autorin: Caroline

Der Schiffsarbeiten-Tag. Immer wenn dieser Tag kommt, so wie gestern, weiß man: Wir haben viel zu tun, wir ziehen um und eine neue Etappe beginnt.

Der Tag fing früh an und begann nach dem Frühstück mit einer Schiffsversammlung, in der alle Aufgaben vergeben wurden. Aufgaben, die immer anstehen, sind zum Beispiel Rostklopfen, besagte Stellen mit Primer abstreichen und anschließend neu streichen. Aber auch Pläne schreiben, Segel nähen, Arbeiten im Rigg und Proviant verstauen, gehören ebenso zu den üblichen Aufgaben an einem Schiffsarbeitentag.

Wenn man sich für die Malerarbeiten gemeldet hat, empfiehlt es sich sehr, einen Blaumann anzuziehen, da man sich, um auch die entlegensten Stellen voller Rost unseres Schiffes zu erreichen und diese von ebendiesem Rost zu befreien, oft in, fast schon grotesken Positionen auf das Deck legen, sich in einem Arbeitsgurt außenbords hängen, oder es sich neben der Kloschüssel gemütlich machen muss. Erst sobald man mit der anstrengenden Arbeit des Rostklopfens und dem Abschleifen der gleichen Stellen fertig ist, erwarten einen die eigentlichen Malerarbeiten, die tatsächlich sogar Spaß machen können. Hierbei legt man sich auch komplett verrenkt auf das Deck und versucht mit seinem Pinsel in die hintersten Ecken zu gelangen.

Dabei besteht die Kunst darin, die neue weiße Farbe nicht auf das rote Deck zu tropfen. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Fleckenrisiko auf der Thor vor allem an solchen Tagen erheblich erhöht ist und das gilt in diesem Fall nicht nur für das Deck. So ist es zum Beispiel nahezu unmöglich, ohne einen Fleck auf seine Kleidung zu bekommen, über ein frisch gestrichenes Deck zu laufen (und das sogar ohne Seegang). Das ist die etwas andere Art, um Andenken an die Thor zu sammeln.

Das Pläneschreiben erledigen immer die Projektleitungsassistenten (an Bord auch bekannt als die „As(s)is“). Auf der nächsten Etappe darf ich mit Bene diese Aufgabe übernehmen und kann sagen, dass es auf jeden Fall sehr spannend ist, einen Einblick zu bekommen in die ganzen Pläne, die Organisation und die Vorbereitungen der nächsten Wochen, was nicht heißt, dass es nicht auch anstrengend ist.

Für die Arbeiten im Rigg melden sich meist sehr viele, da diese Arbeit in der Höhe bei den Schüler/innen vor allem wegen des guten Ausblicks (meist über den Hafen) sehr beliebt ist. Da oben stehen dann Arbeiten an wie Lederfetten oder das Sortieren, Erneuern oder Austauschen von Tampen.
Jedes Mal, wenn durch das ganze Schiff „Proviantkette!“ geschrien wird, wissen alle: Der Proviant ist da. Alle unterbrechen ihre bisherigen Aufgaben und helfen mit, unseren Proviant für die nächste Etappe in die Last zu befördern, wo sich die Proviantmeisterinnen gleich daran machen, diesen zu verstauen. Bei solchen Ketten sieht man auch gleich, was es in den nächsten Wochen alles zu Essen geben wird und so ist der Anreiz hier mitzuhelfen gleich viel größer.

Neben den gerade beschriebenen Tätigkeiten, ziehen alle Schüler aber auch am Schiffsarbeitentag in neue Kammern um. Da, wegen des Platzmangels in den engen Kammern, nicht alle gleichzeitig umziehen können, gibt es einen Umzugskoordinator, der einteilt, wann wer umzieht. Und trotzdem ist so etwas immer stressig. Alle Sachen zusammen packen, in eine andere Kammer tragen und dort wieder einräumen. Das hört sich nicht so schwer an, aber das muss man man einfach erlebt haben, um zu wissen: das ist es auf jeden Fall! Auch wenn unser Gepäck auf der Thor begrenzt ist und wir alle eigentlich nicht so viele Besitztümer mit uns dabei haben, merkt man dann erst einmal, wie viel es dann doch ist.

Wenn sich dann endlich der Tag dem Ende zu neigt und alle ausgepowert sind, fallen wir alle in unsere neu bezogenen Kojen, bereit und voller Vorfreude auf die nächste Etappe und alles, was uns auf dem kommenden Landaufenthalt erwarten wird. Zufrieden können wir dann auf all das zurück blicken, was wir am Tag geschafft haben.

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