Was bleibt?

Datum: Donnerstag, der 05.04.2018
Mittagsposition: 44°25,7´N; 011°49,4´W
Etmal: 136 sm
Wetter: Lufttemperatur: 13,5°C, Wassertemperatur:12,5°C,Wind: SSW 7-8
Autor: Georg

„Die machen gerade das Geschäft ihres Lebens“, diesen Satz hört man öfter, wenn eine Gruppe aus fünf bis 33 kaufwütigen KuSis den Souvenirladen ihrer Wahl plündert, um schöne Mitbringsel beziehungsweise Erinnerungsstücke für sich oder Familie und Freunde in Deutschland zu kaufen. Doch können Souvenirs Erinnerungen überhaupt mit sich tragen?

Oder kaufen wir sie nur, weil wir nicht mit leeren Händen wieder auslaufen wollen, weil es uns so das Gefühl gibt, etwas Handfestes aus dem jeweiligen Land mitgenommen zu haben?

Sind es am Ende wirklich überteuerte Touristensouvenirs, die einen an die Reise erinnern, oder sind es doch eher die Teerflecken auf dem sonnengebleichten Ölzeug?

Wie könnte ein Gegenstand (und gar ein gekaufter!) all diese warmen, stürmischen, kalten, nebligen, lustigen usw. Tage, Wochen und Monate verkörpern?

Zweifellos ist es schön, einen Gegenstand aus einem bereisten Land zu Hause aufzubewahren, wenn man mit ihm Erinnerungen an eine so einmalige Erfahrung verbindet, aber ist es sinnvoll ihnen diese schönen Erinnerungen aufzuzwingen, indem man sich einredet, dass man sich durch sie an Panama, die Karibik oder die Azoren erinnert?

Denn wenn man ganz ehrlich ist, dann ist es nicht möglich diese wundervolle abenteuerreiche Reise in materiellen Souvenirs zu verewigen, denn die wirklich schönen Momente – von Gesang begleitete Spieleabende in der Messe, die Besteigungen des Teides und des Picos, oder all die neuen Freundschaften – können nicht durch Mitbringsel auf ein Regalbrett oder einen Schreibtisch gefesselt werden, sondern können vielleicht noch am ehesten auf blassen Abdrücken auf Fotos oder in Tagebuchseiten verweilen. Blasse Abdrücke zwar, die aber bei näherer Betrachtung lebhafte und schöne Erinnerungen hervorrufen, Erinnerungen wie sie wohl kein Mitbringsel, auch wenn es seine eigene Geschichte hat, je hervorrufen könnte. Auch wenn man einen Gegenstand immer vor Augen hätte, würde man wohl irgendwann bei dessen Anblick nur noch denken: „Ach ja, das ist aus Panama“.

Doch wenn plötzlich das eine Lied, welches man in einer dieser „Chaos-Backschaften“ hörte im Radio läuft, wird man zurückversetzt werden, man wird plötzlich wieder das Schwanken des Schiffes spüren und zwar so deutlich, wie es kein T-Shirt und keine Postkarte je könnten. Selbiges gilt vielleicht noch mehr für Mitbringsel an Freunde oder Familienmitglieder. Ich selber befinde mich natürlich nicht in der Situation, dass mir Leute etwas von dieser Reise mitbringen würden. Aber ich kann mir schwer vorstellen, welchen Reiz ein Objekt aus einem Land haben könnte, mit dem ich nichts verbinde und in dem ich noch nie war.

Obwohl es natürlich auf der anderen Seite schön ist, Geschenke aus fernen Teilen der Welt mitgebracht zu bekommen und sich vorzustellen, wie weit es gereist ist und was es alles erlebt hat. Doch am Ende wird uns allen wohl nichts anderes übrig bleiben als uns an die Reise bestmöglich zu erinnern. Denn schlussendlich sind Erinnerungen vergänglich und Souvenirs sind es auch, vielleicht sogar noch vergänglicher als die Erinnerungen, die wir so ganz nebenbei machen. Denn Erinnerungen können aufgefrischt und wiederbelebt werden, doch wenn das letzte Souvenir verlorengegangen oder kaputt ist, wird nichts Materielles übrig bleiben.

Natürlich muss ich mich zum Schluss noch ein wenig selbst relativieren, denn materielle Erinnerungsstücke haben natürlich auch ihren ganz eigenen Reiz und auch ich habe mehr als genug für mich und so manche Zuhausegebliebene im Gepäck dabei.

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