Unterricht an Bord

Datum: 23.10.18
Mittagsposition: 48°54,7‘ N; 006°38,9‘ W
Etmal: 108 sm
Wetter: Lufttemperatur: 14 °C, Wassertemperatur: 15 °C Wind: NNE 2
AutorIn: Anna S.

Viele Leute denken, wenn man ihnen erzählt, man gehe auf eine Reise wie im „Klassenzimmer unter Segeln“, dass man dort nur segelt, keine Schule hat und auf Urlaubsreise geht. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Man hat Unterricht.
Allerdings findet der Unterricht nicht in einem Klassenzimmer statt, mit einem Lehrer, der vorne steht und seine Schüler etwas fragt. Bei KUS geht es eher darum, dass sich die Schüler Sachen selber beibringen und Inhalte, wie zum Beispiel die trigonometrischen Formeln in Mathematik, auch praktisch anwenden können. Beispielsweise haben wir in unserer ersten Mathestunde den Winkel der Wanten mit Hilfe der trigonometrischen Formeln zum Mast berechnet. Das hat geholfen, sich diese theoretischen Themen besser vorzustellen.
In der ersten Etappe von Kiel bis nach Teneriffa geht es darum, das Schiff besser kennenzulernen. Dazu trifft man sich in der eigenen Wache ca. ein bis zwei Stunden am Tag, um bestimmte nautische Themen zu lernen. Diese Themen benötigen wir vor allem während der Wachzeit, aber der Nautik-Unterricht soll uns auch auf die Schiffsübergabe, wenn die Schüler das Schiff übernehmen, vorbereiten. Aber was genau lernen wir?
Zu Beginn wurden wir in die verschiedenen Bereiche der Wache eingeführt. Das heißt, dass wir gelernt haben, wie man eine ordentliche Sicherheitsronde geht und die Wetterlage genau in ein Wetterbuch einträgt. 
Später haben wir dann auch gelernt, wie man die aktuelle Position in die Karten einträgt, oder welche Zeichen auf der Karte welche Bedeutungen haben. Das Berechnen von Kursen muss man auch können. Dafür muss man sich gut in Mathematik auskennen. Im Grundprinzip ist aber alles logisch und einfach zu verstehen.
Im Laufe der Zeit haben wir dann während der Nachtwache die Lichterführung verschiedener Schiffstypen gelernt. Dieses Wissen konnten wir direkt anwenden, als wir nachts im Ausguck standen, denn so wusste man, in welche Richtung das Schiff fährt und wie groß es ist.
Tagsüber lernen wir, wie die Thor Heyerdahl aufgebaut ist. Dazu gehören die Namen aller Segel und wie sie gesetzt werden. Die Leinen, in der Schiffssprache „Tampen“ genannt, die man zum Setzen und Bergen benötigt, müssen wir dabei auswendig lernen. Das mag sich jetzt langweilig und total nervig anhören, aber der Nautikunterricht macht wirklich Spaß!
Die Wachführer, die meistens den Unterricht halten, verschönern diesen. Das bedeutet, dass man nicht nur unten in der Messe sitzt und der Wachführer Begriffe abfragt. Stattdessen sitzen wir oft an Deck, zum Beispiel auf dem Deckshaus, um uns bestimmte Segel anschauen zu können. Zurzeit findet der Nautikunterricht auch oft auf einer der Rahen (das sind die quer zur Fahrtrichtung angebrachten Bäume am vordersten Mast) statt, um die Funktionsweise der Rahsegel zu lernen. Diesen Unterrichtsplatz nutzt man aber natürlich nur, wenn das Wetter so gut ist, wie es bei uns zurzeit ist.
Viele denken jetzt bestimmt, dass das alles kein richtiger Unterricht ist und man nichts lernt. Aber der Nautikunterricht hat es in sich und wenn man überlegt, dass wir ein bis zwei Stunden Nautikunterricht pro Tag haben, dann kommt viel Fachwissen zusammen.
Ich persönlich finde den Nautikunterricht immer schön, weil man Spaß und nicht dieses Gefühl von Lernzwang bzw. das Gefühl von Schulunterricht hat. Generell finde ich, dass man an Bord sein gelerntes Wissen viel schneller einprägt und somit besser und nachhaltiger lernt.
Zudem lernt man währenddessen durch Aufwärmspiele die anderen Mitglieder der Wache besser kennen.
Die nautische Freiarbeit geht jedoch nur bis Teneriffa. Dann beginnt der „normale“ Unterricht in den Schulfächern.
Abschließend ist zu sagen, dass der Unterricht an Bord bis jetzt sehr abwechslungsreich war und man in der kurzen Zeit viel gelernt hat.
 

P.S.: Zum Schluss möchte ich meiner Mutter und meiner besten Freundin Sarael alles alles Gute zum Geburtstag wünschen!

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