Logbuch vom 29.10.2018

Wir befinden uns heute am Montag, den 29.10.2018 um 18 Uhr UTC und Bordzeit 19 Uhr auf der Position 35°25,1`N und 014°43,5´W. Wir laufen bei Wind NW 3-4 unter Segeln Kurs 200° und 4,6 Knoten (kn). Luft- 18° und Wassertemperatur 19,5°, leicht bewölkt.
Seit Freitag liefen wir unter Segeln bei Windstärken zwischen 7 und 8 Bft deutlich mehr als 8 kn, in Spitze sogar 10 kn. Nach Passieren von Kap Finisterre betrug die Wellenhöhe bis zu 6 m. Damit waren starke Schiffsbewegungen verbunden und es wurden einige Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Schlagklappen an den Oberlichtern der Kammern wurden geschlossen, ebenso die meisten Bulleyes achtern und auch im Deckshaus. An Deck galt Gurtpflicht, d.h. an allen Orten des Schiffes musste und konnte man sich an den zusätzlich gespannten Strecktauen durch das Einklinken der Karabiner am Sicherheitsgurt sichern.
Der Bordbetrieb wurde durch den starken Seegang in einigen Bereichen eingeschränkt. Besonders in der Kombüse war das Arbeiten anstrengend, da Gegenstände auf den Arbeitsflächen und Töpfe auf dem Herd gegen das Wegrutschen gesichert werden mussten. Auch das Essen in der Messe wurde durch das Hin- und Herrutschen beim Sitzen auf den Bänken zur Herausforderung. Tassen und Teller mussten mit Bedacht befüllt werden, damit sie nicht überliefen. Dennoch schaffte es die Backschaft, gutes Essen zu kochen; vorgestern gab es mittags typische Seemannskost (Labskaus) und abends einen Gruß aus wärmeren, pazifischen Gefilden (Toast Hawaii). Tropisch muteten durch den Verschlusszustand bedingt auch die Klimabedingungen unter Deck an.
Die Stimmung an Bord ließ sich durch die rauen Bedingungen nicht einschüchtern. Zwar fiel vielen der Schlaf schwerer, aber die meisten Schüler (und auch die Erwachsenen) genossen die Seebedingungen und die Seewasserduschen auf dem Hauptdeck und zuweilen auch auf dem Achterdeck. Fast alle Bordmitglieder haben die Seekrankheit überwunden. Der erste Wal, vermutlich ein Finnwal, mit ca. 20 m Länge, begleitete uns trotz starker Schiffsbewegungen und Geschwindigkeiten um 8 kn mehr als eine Stunde und sorgte für begeistertes Whale Watching auf dem Achterdeck.
Heute Nachmittag haben wir unser erstes Besanschotan auf dem Achterdeck gefeiert. Da Dünung und Windsee abgeschwächt sind, konnten wir die Feier bei Sonne im Freien begehen und vom vergangenen Samstag nachholen. Besonderes Highlight war eine musikalische Rückreise in die „Biscaya“, intoniert von zwei Geigen und zwei Schifffahrtsklavieren. Zwei Wortbeiträge, Kuchen und Getränke rundeten diese Seglertradition ab.
Durch die hohen Geschwindigkeiten werden wir einen Zwischenstopp auf Porto Santo, einer Nachbarinsel von Madeira, einlegen. Danach nehmen wir Kurs auf Teneriffa.

Bis Porto Santo sind es noch 160 sm.

Kai Regener, Projektleiter an Bord, und Detlef Soitzek, Kapitän

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