Logbuch vom 22.11.2018

Es ist Donnerstag, der 22.11.2018, und um 17:00 Uhr UTC (= 16:00 Uhr Bordzeit) passieren wir die Position 19°23‘N und 036°50‘W. Der Wind hat nach einer schwächeren Phase heute vormittag erwartungsgemäß auf NE 5-6 aufgefrischt, und wir laufen mit 6,4 kn mit WSW-Kurs. Alle an Bord sind gesund; sehr vereinzelt fordert der mit dem Wind zunehmende Seegang etwas Tribut über das Schanzkleid.
Das Bordleben wird in dieser Zeit fast ausschließlich durch Praktika und Schulbetrieb geprägt. Seit dem Wochenende mussten die Wachen an der Segelstellung nichts ändern, bis wir heute vormittag dem auffrischenden Wind entsprechend Lee- und Skysegel geborgen haben. Auch die Maschinenronde entfällt. Die Maschinistenpraktikanten haben daher ausgiebig Zeit, sich unter Anleitung von Willi mit dem Generator, der Osmoseanlage, unseren Tanks und Pumpen und mit Wartungsarbeiten zu beschäftigen. Der sanftere Wind der vergangenen Tage erlaubte den Bootsmannspraktikanten mit Laurent viele Arbeiten an Deck, etwa den Deckel der Ruderanlage zu lackieren oder noch einige Wantenabschnitte zu teeren. Nur der Schwerpunkt im Proviantpraktikum bei Jule und Mirte ist natürlich weiterhin unter Deck.
Unsere zweite Unterrichtswoche verlief ebenso reibungslos wie die erste. Der Unterricht findet bei diesen Bedingungen fast ausschließlich an Deck statt: unser Sonnensegel sorgt für kühlere Köpfe und ein gelegentlicher Schwapp Salzwasser durch die Speigatts für kühlere Füße. Vorträge von Clara über Entdeckungsfahrten der Europäer und von Leo über industriellen Fischfang ergänzten diese Woche das Programm. Der letztgenannte Vortrag hat sich allerdings noch nicht auf die Erträge ausgewirkt, die unsere seit Tagen nachgeschleppten Angelhaken bringen. Der heutige Wahlpflichtkurs in Meeresbiologie griff daher zum Sezieren auf die vorsichtshalber aus Teneriffa vom Markt mitgebrachten (und für die Stunde aufgetauten) Fische zurück.

Wir erwarten für die nahe Zukunft einen Winddreher auf östlichere Richtung und werden ihm durch eine bereits vorbereitete Halse begegnen. Damit sollte es möglich sein, auch weiterhin mit gutem Segelwind voranzukommen und Palm Island gut in der Zeit zu erreichen. Bis dorthin sind es jetzt noch 1475 sm.

Johannes Schiller, Kapitän, und Dr. Martin Goerke, Projektleiter an Bord

Menu