Der natürliche Wasserkreislauf der Thor Heyerdahl

Datum: 24.11.2018
Mittagsposition: 17° 49,7‘ N; 041° 04,2‘ W
Etmal: 148 sm
Wetter: Lufttemperatur: 27,5 °C, Wassertemperatur: 26,5 °C, Wind: E5
Autor: Robin

Ich schwappe so im Atlantik herum. Ich bin etwas Wasser. Mit etwas Salz. Plötzlich werde ich von der Thor Heyerdahl angesaugt. Ich bin jetzt in einem Rohr. Um mich herum ist es dunkel. Jetzt bewege ich mich auch schon durch die Kerzenfilter der Osmose-Anlage. Da höre ich so ein komisches Surren. Das wird immer lauter.
Aah, hier gehts ja richtig ab! Das muss die Hochdruckpumpe in der Osmose sein. Jedenfalls bin ich gerade ganz schön schnell unterwegs und es wird mit den anderen Wassertropfen hier doch ganz schön eng. Jetzt gehts durch die 145 Filter im PT-Modul. Och nö, ich verliere hier ja mein Salzpeeling.
Das ist ganz schön kurvig hier. Von außen nach innen nach außen nach innen und immer weiter hoch.
Jetzt gehts in der Mitte wieder runter. Auf in die Vorpiek. Das ist der Frischwassertank im Bug der Thor. Ich fühle mich jetzt so ungewohnt gereinigt.
Aber was ist das? Irgendwie bin ich jetzt auch noch von Micropur umgeben. Immer diese überreinlichen Menschen. Jetzt gehts schon weiter nach oben ins Deckshaus. Hier werde ich zerrissen.
Durch den Wasserhahn in der Steuerborddusche geht ein Teil von mir in einen Putzeimer für Großreinschiff. Ich bin jetzt warm und vermischt mit Neutralreiniger. Ich werde ins Achterschiff getragen und mit mir werden die Oberflächen im Salon gewischt. Eine echte Ehre. Allerdings werde ich jetzt mit vielen glücklichen, noch salzigen Wassertropfen im Navi-Klo heruntergespült und lande im Abwassertank im Maschinenraum. Von dort werde ich mittags vom Maschinisten Willi und seinen Praktikanten dieser Woche – Titus, Ben und Robin – durch die dicke Rohrleitung, die an Deck auf Backbord verläuft, in den vorderen Abwassertank gepumpt.
Ein anderer Teil von mir läuft beim Abwasch nach dem Mittagessen in das Spülbecken in der Kombüse. Den Essensresten nach zu urteilen gab es heute Kartoffelbrei mit Blumenkohl und Kassler bzw. Tofuwurst für die vielen vegetarisch Essenden hier.
Der dritte Teil geht durch denselben Wasserhahn in den Kujambel, einen großen Wasserkanister, der immer verfügbar an Deck steht. Aber bevor ich dahin gestellt werde, quetschen sich noch ein paar Zitronensafttropfen zwischen mich und die anderen Wassertropfen. Jetzt stehe ich neben dem Besanmast und da kommt auch schon der erste durstige Kusi, füllt mich in seine Trinkflasche. Auf der Thor ist es anscheinend Mode, mit Trinkflasche herumzulaufen. Jedenfalls sehe ich durch die blau gefärbte Wand der Trinkflasche einen Kusi nach dem andern mit Trinkflasche an mir vorbeilaufen, entweder mit Wasser, Kaffee oder Tee gefüllt. Das ist dann auch schon das ganze Getränkeangebot hier. Bevor ich weitere Psychoanalysen machen kann, werde ich getrunken.

Gedächtnislücke.

Ich werde im Deckshaus im Klo heruntergespült und lande im vorderen Abwassertank.
Gerade jetzt wird das Abspülwasser rausgelassen und ich bin wieder mit mir vereint.
Da kommen auch schon Willi und Co. wieder und Robin stellt die Schlammpumpe an, mit der alles kleingehächselt wird. Wie gut, dass ich ein Wassertropfen bin.

Auf nach draußen zurück in den Atlantik! Während ich noch am Schiff vorbeitreibe, mischt sich etwas Apfelsaft zu mir. Die Menschen feiern anscheinend gerade „Besanschotan“ auf dem Achterdeck und das ist vermutlich der erste Schluck des Luxusgetränks, das für Neptun und Rasmus über Bord geht.

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