Logbuch vom 26.11.2018

Am heutigen Montag, den 26.11.2018, stehen wir um 16:30 UTC (=14:30 Bordzeit) auf der Position 15°12‘N und 045°44‘W. Der Wind kommt mit 4 Bft aus E, und wir segeln mit ca. 5 kn auf Südwestkurs. Alle an Bord sind wohlauf und genießen das ruhige Vorankommen, nachdem wir eine kurze Phase mit mehr Wind gut für unsere Strecke nutzen konnten.

In der Nacht auf letzten Freitag hatten sich ihre Majestäten König Neptun und Königin Thetis standesgemäß per Flaschenpost für einen Besuch auf der Thor Heyerdahl angekündigt. Natürlich hatten wir uns auf so hohen Besuch sorgfältig vorbereitet – sogar die Bordzeit wurde extra auf UTC-2 zurückgestellt, um die Hoheiten mit genügend Muße empfangen zu können. Im Verlauf der Audienz kam es dann auch zur Atlantiktaufe aller staubgeborenen Luftatmer, so dass nun allen Mitseglern die freie Passage des Atlantik durch Neptun persönlich gestattet ist. Darüber freuen wir uns natürlich sehr und hatten beim königlichen Besuch auch sehr viel Spaß! Die Freude wird auch dadurch nicht geschmälert, dass es allen Beteiligten untersagt ist, mehr über den Verlauf der Taufe preiszugeben. Die im Rahmen des nachfolgenden Besanschot-an-Rituals von Katharina (Kasia), Lukas, Jonas und Veronika servierte Luxus-Pfannkuchentorte hingegen darf und soll hier ausdrücklich erwähnt werden!

Am Sonntag passierten uns zwei Yachten auf dem Weg in die Karibik, darunter eine deutsche, die uns über UKW rief. Den Yachtseglern waren die beiden vorangegangenen Tage mit mehr Wind nach eigenem Bekunden fast schon zu sportlich vorgekommen, während wir nach einer Halse und dem Bergen der Sky- und des Leesegels immer noch zügig, aber gleichzeitig entspannt segeln konnten. Inzwischen sind die Skysegel wieder gesetzt, während das Leesegel noch auf die nächste Halse warten muss.

In diesem Moment werden wir von einer kleinen Schule Grindwale in wenigen Metern Entfernung überholt und unterbrechen für ein paar Minuten den Unterricht. Die Tiere wären bestimmt schneller in der Karibik als wir, müssen sich allerdings auch nicht auf die Physik- und Deutschklausuren Ende dieser Woche vorbereiten, mit denen wir dann auch die Unterrichtsphase dieser Etappe abschließen werden. Schulisch stehen heute und morgen Referate an, die sich beide mit unterschiedlichen Epochen menschlicher Atlantikpassagen befassen – transatlantische Migrationsbewegungen sowie die Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels.

Wir erwarten bei den vorhergesagten Bedingungen eine weiterhin ruhige und zügige Fahrt in Richtung Palm Island und freuen uns anschließend auf Ferien am Riff. Mit Blick darauf haben wir diese Woche bereits angefangen, durch eine zusätzliche Brotbackschaft unsere Vorratskammern so zu füllen, dass wir dort nicht backen müssen.
Bis Palm Island sind es noch 946 sm.

Johannes Schiller, Kapitän, und Dr. Martin Goerke, Projektleiter an Bord

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