Canopus – ein Anlass zum Feiern

Datum: 16.12.2018
Mittagsposition: 12° 04,4`N ; 061° 54,9`W
Etmal: 11 sm
Wetter: Lufttemperatur: 28,5 °C; Wassertemperatur: 28 °C; Wind: NE 3
Autor: Renée

Es war einmal ein kleiner Stern. Sein Name war Canopus. Nachdem er aus einer kleinen Staubwolke als Stern des Achterschiffs geboren worden war, begann er schnell zu wachsen. Als er 18 Jahr alt wurde, bekam er eine Discokugel geschenkt. Seitdem trug er diese Kugel zu jeder Zeit mit sich herum, in der Hoffnung, damit neue Freunde zu finden.

Zeitgleich, an einem ganz anderem Ort, weit weit entfernt von Canopus und seiner Mutter, dem Achterschiff, tauchte ein großes Segelschiff inmitten der Ozeane der Erde auf. Man nannte es „Thor Heyerdahl“. Nicht viele Menschen kannten es, aber 34 Schüler und 16 Erwachsene lebten sogar auf ihm und machten es sich zur Aufgabe, den Atlantik zu überqueren.

Jeden Abend, wenn die Besatzung der Thor in die Sterne schaute, sahen sie den kleinen Canopus mit seiner rot-grünen Discokugel blinken und sie beschlossen, ihm zu Ehren eine Party zu feiern. Natürlich war die Party nicht nur dazu gedacht, den kleinen Canopus zu ehren, sondern auch, um ihr erfolgreich beendetes erstes Drittel der Reise und die Verabschiedung von einigen geliebten Menschen zu feiern. Außerdem stand die Abfahrt nach Panama am nächsten Tag und damit das Ende der Zeit am Riff und in der Karibik bevor.
Auch Canopus war von den Menschen auf der Thor angetan, denn sie waren, genau wie er auch, Teil eines Schiffes. Also beschloss er, auf eine bestimmte Weise bei der Party dabei zu sein.

Als dieser besondere Abend kam, putzten sich alle nochmals extra heraus. Es war ganz ungewohnt für die Crew, sich so festlich gekleidet zu sehen statt in normaler Arbeitskleidung.
Der kleine Canopus war ganz schön traurig, dass er nicht direkt bei seinen Menschenfreunden sein konnte, also schickte er ein paar seiner kleinen blinkenden Lichter und seine gute Laune an die Thor, um wenigstens in Gedanken bei ihnen zu sein. Die Menschen dort nahmen sie dankend an und verbrachten einen wundervollen Abend mit viel Gesang und Tanz.
Auch für ein abendliches Festmahl war gesorgt: ein Fruchtpunsch und eine Cola pro Person fungierten als vorzügliche Durstlöscher, während ein Geburtstagskuchen für Jens Ove – ein Schüler an Bord – und eine frische Suppe für einen gefüllten Magen sorgten.

Der Abend verging schnell, doch auch nach der offiziellen Beendigung der Feier wollte niemand zu Bett gehen. Der nächste Tag sollte zwar anstrengend werden, aber die Motivation, noch die letzten Gedanken in Form eines Briefes an Freunde und Verwandte Zuhause niederzuschreiben, war größer als die Vernunft.
Zum Glück war Canopus so ein treuer Freund der Menschen und gab deshalb ein Stück seines Lichtes und seiner Kraft an die tapferen Briefeschreiber, die teilweise noch bis spät in die Nacht arbeiteten. Er wich ihnen zu keiner Zeit des Abends von der Seite.

Die Nacht verging und gemeinsam mit dem Sonnenaufgang war auch Canopus wieder verschwunden. Die Menschen an Bord vermissten den kleinen Canopus, denn mit seinem Verschwinden tauchte auch die Müdigkeit auf, die am Vorabend durch die vom Stern geschenkte Kraft vertrieben worden war. Zusätzlich wurde den Menschen bewusst, dass es jetzt an der Zeit war, Abschied zu nehmen.
Fünf Menschen verließen die Crew, was durchaus niemandem gefiel. Aber der Versuch, den Abschied zu verzögern, scheiterte durch einen eng gesteckten Zeitplan. Flüchtig, um der Trauer zu entgehen, verabschiedeten sich alle und stachen dann in See.

Sie fühlten sich vom kleinen Canopus verlassen, da er ihnen keine Kraft mehr schenkte, doch abends, als sie wieder hoch in den Himmel starrten, fanden sie ihn. Er war nicht mehr so hell und leuchtend und erst verstanden sie nicht, warum. Doch nachdem sie ihn länger angeschaut hatten, fühlten sie Wärme und ein kleines Leuchten in sich und sie verstanden es: Der kleine Canopus hatte seine Energie an die Besatzung auf der Thor und an die ehemalige Besatzung an Land aufgeteilt, damit sie sich alle jede Nacht, wenn sie in den Himmel schauten, an die wunderbare Zeit zurückerinnern und realisieren konnten, dass sie noch immer zusammengehörten, obwohl sie an verschiedenen Orten der Welt unterwegs waren.

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