Logbuch vom 20.12.2018

Am Donnerstag, den 20.12.2018, 18.00 Bordzeit (22.00 UTC) steht die Thor Heyerdahl auf Position 12° 51‘ N, 071° 56‘ W. Bei einem Ostwind von 5-6 Bft segeln wir Kurs 250° mit etwa 6 Kn. Alle an Bord sind wohlauf, gesund und freuen sich über die schnelle Fahrt unter Segeln bei mäßigen Schiffsbewegungen.

Nach der längeren Ferienzeit am Riff und in Grenada freut sich die Crew wieder über den geregelten Alltag an Bord und das Segeln auf See. Nach der schönen und erholsamen Pause läuft nun wieder das normale Unterrichtsprogramm an Bord. Bereits am Sonntag starteten wir nach dem Ablegen in St. George‘s mit den Workshops: Anderthalb Stunden lang wurde gesungen (Workshop Chor), getanzt (Workshop Lateinamerikanische Salsatänze), gesägt und geschreinert (Workshop Holzbau), fotografiert (Workshop Fotografie) und diskutiert (Workshop Rassismus). Während dann Montag die Unterrichtsgruppe A mit der Schule begann, fuhr Gruppe B das Schiff und übernahm die Backschaft sowie das Reinschiff. Dienstag wurden die Rollen getauscht.

Auch auf dieser Etappe gibt es wieder Wahlpflichtfächer. Je sechs Schülerinnen und Schüler aus beiden Gruppen A und B entschieden sich für den zweiten Kurs „Astronomische Navigation“. Aufbauend auf dem Anfängerkurs der letzten Etappe geht es nun darum, durch Beobachtung von Fixsternen die Schiffsposition zu bestimmen. Kurz nach dem Abendbrot, während der sogenannten nautischen Dämmerung, kann man nun jeden Abend eine Gruppe von Schülern, ausgerüstet mit Sextant, Schreibblock, Uhren und Taschenlampen, in höchster Konzentration erleben, und es schallen Wortfetzen wie „ACHERNAR – auf 16° 28‘ Höhe und bei Azimuth 166°! … Und… Null!“ über das Achterdeck. Später sitzen sie emsig mit nautischen Tabellen sowie Dreieck, Zirkel und Bleistift in der Messe und berechnen die Position.

In den zwei weiteren Wahlpflichtfächern bringt Laurent, unser Bootsmann und studierter Architekt, den Schülerinnen und Schülern in zwei kleinen Gruppen perspektivisches Zeichnen bei. Jule bietet einen Kurs zu Gebärdensprache an; die Mitglieder der beiden Kleingruppen können sich an Bord schon rudimentär miteinander unterhalten, ohne Schlafende zu stören.

Das bevorstehende Weihnachtsfest wirft nun endgültig auch an Bord seine Schatten voraus. Es hat sich ein Festkomitee aus Schülern und Mitgliedern der Stammcrew gebildet, das schon fleißig Rezeptbücher und Vorschläge für kulturelle Beiträge sichtet. In mehreren „Plätzchenbackschaften“ haben die Schüler begonnen, Weihnachtskekse zu backen.

Auch wenn die Küste noch nicht in Sicht ist, steht der erste lange Landaufenthalt in Panama vor der Tür. Die Schülerinnen und Schüler wurden schon über das Programm und die anstehende Referate und Vorträge informiert und müssen einige vorbereitende Aufgaben für den Landaufenthalt in der Schülerversammlung klären. Vor Weihnachten steht allerdings noch der Geographie-Test am Samstag ins Haus. Wenn alles nach Plan läuft, werden wir Weihnachten am Anker auf den San Blas Inseln feiern können. Bis dorthin sind es noch 450 sm.

Johannes Schiller, Kapitän, und Kai Regener, Projektleiter an Bord

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