Ein ganz normaler Samstag auf dem karibischen Atlantik

Datum: 22.12.18
Mittagsposition: 11° 29,7`N; 076° 19,0`W
Etmal: 166 sm
Wetter: Lufttemperatur: 28,5 °C, Wassertemperatur: 28 °C, Wind: SW5
Autor: Lukas

Man würde ja meinen, der Samstag ist ein eher entspannter Tag, an dem man ausschlafen kann und dann den Tag über wenig, bis gar kein Programm macht oder womöglich noch einen Mittagsschlaf machen kann. Auf der Thor sieht es aber ein bisschen anders aus.

An diesem Tag wachte ich von einer Tröte auf (sie kam aus dem genialen Adventskalender von Kai), die Jakob für ein außergewöhnliches Wecken benutzte. Äußerst nervig, aber lustig. Als ich zu den Toiletten ging, war wie immer um diese Uhrzeit Stau, weil es nur vier Toiletten für alle Schüler gibt. Nicht schlimm, nur eine Gelegenheit, sich das erste Mal am Tag mit seinen Kumpanen zu unterhalten. Meist gehen die Gespräche um diese Uhrzeit darum, wie müde man ist oder was in der letzten Nachtwache passiert ist. Heute war das Gesprächsthema Nummer eins aber ein anderes, denn für heute war der Geographietest vorgesehen, auf den wir schon seit einigen Tagen hingearbeitet hatten.
Doch erst noch ein schnelles Frühstück: Obstsalat mit Müsli, Cornflakes, Joghurt und Milch, ein paar Scheiben selbstgebackenes Brot mit Aufstrich und dazu noch ein Glas Orangensaft. Jetzt noch die Schulsachen holen und dann raus aufs Hauptdeck, denn vor unserem Test haben wir noch eine Doppelstunde Mathematik.
Als ich den Niedergang hochkam, war ich erst mal umgehauen vom Meer. In den letzten Tagen hatte der Wind zugenommen und deswegen gab es heute große Wellen, die über das Schanzkleid schlugen. Das Meer war dunkelgrün und überall brach das Wasser in weißen Schaumkronen.
Mit diesem Ausblick wurde uns dann der Einheitskreis beigebracht – von unserem Lehrer Paul.
Den folgenden Test mussten wir aber dann doch in der Messe schreiben, weil uns draußen der Test weggeflogen wäre. Thema war Passatwind.
Danach ging es weiter mit einer Stunde Chemie, wo wir unter anderem Phänomene des Wassers von Jojo erklärt bekomme haben, während uns das Wasser gleichzeitig um die Füße spülte. Sehr ironisch. Im Anschluss gab es sehr leckere Kürbislasagne zum Mittagessen und dann eine Pause. Genau die richtige Zeit, sich auf dem Ruderkasten Geschichten zu erzählen. Glücklicherweise endet der Unterricht samstags schon früher und deswegen hatten wir nur noch eine Stunde Englischunterricht, die, wie so häufig, in einem Stehkreis gehalten wurde. Wir haben zusammen ein Weihnachtslied gehört und uns anschließend Gedanken gemacht, wie unser Weihnachten wohl aussehen wird. Erst, als uns unsere Lehrerin Jule schöne Weihnachtsferien wünschte, hatte ich verstanden, dass wir nach nur drei Tagen Schule wieder für die nächsten Wochen schulfrei haben würden.
Nachdem die Schule beendet war, stand ein Programmpunkt an, der jeden Samstag ansteht und unter den Schülern eher weniger beliebt ist: Großreinschiff. Dabei gilt es, innerhalb von eineinhalb Stunden das gesamte Schiff zu putzen. Dabei wird das Schiff in Stationen eingeteilt, die dann von den einzelnen Wachen geputzt werden. Die Station meiner Wache war „Messe und Niedergänge“. Nach der gründlichen Abnahme des Schiffsrats, dessen Aufgabe es ist, die Gründlichkeit des Großreinschiffs zu überprüfen, gibt es gegebenenfalls weitere Putzanweisungen. Dann stand der nächste Samstagspogrammpunkt an, der wiederum bei der gesamten Bordbesatzung sehr beliebt ist, Besanschotan. Wie immer präsentierte der Chor sein neuestes Arrangement. Mein persönliches Highlight war jedoch die neue Ausgabe der Bordzeitung „Flaschenpost“, die wieder geniale Fakten und Witze bekannt gab. Wirklich eine sehr gelungen Veranstaltung. Hinterher wurde viel entspannt, letzte Wichtelgeschenke für Weihnachten angefertigt oder Tagebuch geschrieben. Jedoch war damit der Tag noch nicht beendet, denn samstags steht noch ein Programmpunkt an, der nicht unerwähnt bleiben darf, denn am gleichen Abend wurde der Beamer noch aufgebaut und Popcorn gemacht.
Kinoabend! Für heute war ein Dokumentarfilm über eine ehemalige Schulklasse vorgesehen, die mit zwei Segelschiffen den Atlantik überquerte. Den Film haben wir am Vortag per Abstimmung ausgesucht. Das war eine Abrundung eines Tages mit vielen Ereignissen. Die ersten pilgerten anschließend wieder in ihre Kojen. Manche redeten noch ein bisschen oder spielten Karten. Ich persönlich habe mich noch mit meinen Schlafsachen auf die Ladeluke gelegt und Sterne geschaut, wo ich mit dem Gedanken an einen so ereignisreichen Tag einschlief.

So sieht ein ganz normaler Samstag auf der Thor Heyerdahl aus. Vielleicht manchmal ein bisschen stressig, aber niemals langweilig.

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