Begegnungen mit den Kunas

Datum: 26.12.2018
Mittagsposition: 09° 35,0‘ N, 078° 40,7‘ W
Wetter: Lufttemperatur: 30,5 °C, Wassertemperatur: 28,5 °C, Wind: NNE2
Autorin: Vivi

Ende Dezember, Weihnachten ist nun fast vorüber, Neujahr naht und man könnte meinen, man würde in seinem warmen Bett Zuhause ausgeschlafen mitten in den Weihnachtsferien aufwachen. Anstelle dessen bin ich heute in meiner Hängematte auf einer Insel in der Karibik, durch die Sonne, die in mein Gesicht scheint, und die Wellen, die in der Ferne an der Riffkante brechen, geweckt worden. Und das würde ich im Moment gegen nichts eintauschen wollen, denn der Gedanke, dass dies jeden Tag so abläuft ist einfach nur unglaublich. Wahrlich gibt es aber Leute, die dieses wundervolle Wecken täglich genießen können – die indigene Bevölkerungsgruppe der Kunas.

Die Kunas – wer oder was ist das aber eigentlich? Sie sind ein indigenes Volk in Mittelamerika, besser gesagt an der Atlantikküste in Zentralpanama, welches heute noch auf traditionelle und abgeschiedene Weise lebt. Tatsächlich sind die Kunas (oder auch „Gunas“) Selbstversorger, leben in vollem Einklang mit der Natur und glauben so auch an Naturgötter.
Die Geschichte dieses Volkes ist unglaublich spannend, da es um 1500 etwa 60 Stämme in Panama und Nordkolumbien gab, welche allerdings knapp ein Jahrhundert später durch die Invasion der Spanier und die damit verbundenen neuen europäischen Krankheiten auf die San-Blas-Inseln flüchten mussten. Die Panamaische Regierung hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts versucht, die für die Kuna traditionellen Zeremonien und das Tragen ihrer Tracht zu verbieten, doch bereits am 22. Februar 1925 gelang es ihnen, sich durch die „Dule Revolution“ zu befreien und seit 1983 steht Kuna Yala, also das Land der Kuna, unter Selbstverwaltung und hat Delegierte in der Panamaischen Regierung, welche die Interessen der Kuna vertreten.

Was uns KUSis allerdings am meisten beeindruckt hat, ist das heutige, für uns sichtbare, Leben der Kunas. Die gesamten San-Blas-Inseln gehören den Kunas und jede von ihnen wird von einer oder mehreren Familien verwaltet. Wie ich bereits in der Einleitung geschrieben habe, durften wir in der Nacht vom 25.12. auf den 26.12. auf der „gefegten Insel“ (gefegt, weil sie von den dort residierenden Kunas täglich von angespültem Müll befreit wird und heruntergefallene Kokosnüsse oder Palmblätter aus dem Weg geschafft werden) übernachten. Nach einem einmaligen und schönen Weihnachtsfest an Bord haben wir die beiden Weihnachtsfeiertage zum Entspannen auf den San-Blas-Inseln genutzt. So hatten wir die Gelegenheit, uns mit den Kunas zu unterhalten und mit ihren Kindern zu spielen. Tatsächlich war eine der ersten Fragen, die mir in den Sinn kam: „Was genau findet ihr an eurem Alltag eigentlich am Besten?“ Nach kurzem überlegen fing der Einheimische an zu lächeln und meinte, es sei das schönste für ihn, tun und lassen zu können, was er wolle, sich für alles Zeit lassen zu können, guten Gewissens nur so viel zu fischen, wie es für den Moment nötig ist und trotz des starken Einflusses der heutigen Welt immer noch ähnlich zur früheren Zeit leben zu können. Wie präsent die Eindrücke von außen aber tatsächlich auf das indigene Volk wirken, kann man vor allem dann erkennen, wenn man mit offenen Augen den Alltag der Kunas beobachtet. Die kleinen Kinder sieht man auf Nalunega, einer weiteren Insel der San-Blas-Inseln, oftmals mit Barbies oder Wasserpistolen spielen, die etwas älteren schauen sich Videos auf den Smartphones ihrer Eltern an und die Erwachsenen selber genießen ein durch den Inselgenerator gekühltes Bier.
Halt, Stopp! Eisgekühlt? Wenn das mal nicht verdächtig nach KUSis schreit… Bald also haben sich viele von uns eine Cola oder ein erfrischendes Wasser gekauft, sich gemeinsam ans Lagerfeuer gesetzt und das entspannte Leben auf der Insel genossen, denn für uns war es tatsächlich unheimlich ungewohnt, aber dennoch äußerst entspannend, mal wieder an Land übernachten zu können. Noch dazu kommt, dass wir am nächsten Morgen erholt und mehr oder weniger ausgeschlafen aufgewacht sind, da wir in dieser Nacht keine Nachtwachen halten mussten.

In Großem und Ganzen kann man meiner Meinung nach also wirklich sagen, dass die Kunas ein sehr naturverbundenes und ein, zumindest für unsere Verhältnisse, lockeres und entspanntes Leben führen, ohne groß über das Morgen nachzudenken und für den Moment zu leben.

P.S.: Mein allerliebster Papa, ich wünsche dir alles alles Gute zum Geburtstag und freue mich darauf, dich bald wiedersehen zu können. Ti voglio tanto bene!!!

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