Oh wie schön ist Panama

Datum: 15.01.2019
Ort: Bocas del Toro
Autoren: Anna K. und Renée

„Komm, Renée, nur noch die letzte Unterkoje ausräumen und dann sind wir fertig mit der Inventur.“
„Oh ja, und dann endlich duschen gehen!“ Renée klappte die Unterkoje auf und zwei blauen Augen schauten ihr entgegen. „Oh, wer bist du denn? Und was zur Hölle machst du hier bei den ganzen Nudeln?“ „Ich bin die Tigerente und ich will einfach nur nach Hause“, antwortete das kleine Tierchen. „Wo ist denn dein Zuhause?“, fragte Anna besorgt. „Bei Tiger und Bär in Panama.“
„Und wieso bist du dann noch hier?“, möchte Renée wissen. „Ich habe mit Tiger und Bär verstecken gespielt und mich dabei in so einer roten Kiste versteckt. Kurze Zeit später war ich dann plötzlich an Bord. Seit über einem Jahr sitze ich jetzt hier und warte darauf, dass ich heim komme. Könnt ihr mir helfen?“ Anna und Renée wollten der kleinen Tigerente unbedingt helfen und stellten sie und ihr Problem deshalb auf der nächsten Schülerversammlung vor. Die KUSis einigten sich einstimmig darauf, die Tigerente mit nach Panama zu nehmen und sie zu ihren Freunden zurückzubringen. So durfte sie eine Woche später bei Anna im Rucksack als „blinder Passagier“ mit an Land gehen.

Zuerst führte der Weg der KUSis zu Miguel in den Regenwald, wo sie für vier Tage in Hütten wohnten, die aussahen, wie die von Tiger und Bär. Allerdings konnten Anna und Renée die beiden in keiner dieser Hütten finden und auch nach mehreren Wanderungen durch das Dickicht des Urwaldes waren ihnen die gesuchten Tiere nicht begegnet. Selbst am großen Wasserfall, zu dem sich die Truppe am letzten Tag aufgemacht hatte, konnten sie keine Spur der beiden finden. Die Tigerente war schwer enttäuscht, aber als Renée und Anna ihr erzählten, dass ihre nächste Station die Hauptstadt Panama-City wäre, schöpfte die Tigerente neue Hoffnung, ihre Freunde zwischen den Hochhäusern wiederzufinden.
Einen ganzen Tag lang durchstreiften die KUSis mit der Ente die Atstadt von Panama City. Doch weder an der Promenade, an der die Händler ihren Schmuck verkauften, noch in der Fußgängerzone oder an der Metrostation hatte jemand die zwei gesuchten Tiere gesehen. Am nächsten Tag suchten sie am anderen Ende der Stadt. Jedoch sahen sie am Panama-Kanal nichts als Wasser und große Schiffe, weshalb sie noch zur Albrook-Mall, einem riesigen Einkaufszentrum in der Nähe des Busbahnhofes aufbrachen. Doch in der Mall drängten sich so viele Menschen, dass die Schüler ihre Suche schon sehr bald aufgeben mussten.
Früh am nächsten Morgen machte sich die Reisegruppe mit dem Bus auf den Weg, der sie weit in den Westen Panamas bringen sollte. Während der zehnstündigen Fahrt nach Boquete beobachteten die Schüler abwechselnd den Straßenrand, in der Hoffnung, dort die pelzigen Gefährten der Tigerente zu entdecken, doch nirgendwo sahen sie Tiger und Bär.
Als sie in Boquete ankamen, zerstreute sich die Suche der KUSis, denn jeder zog für eine Woche in eine panamesische Gastfamilie und lebte dort mit ihnen. Die Gruppe traf sich nur zum Spanischunterricht in der Sprachschule, wo sie unter anderem ihr weiteres Vorgehen besprachen. Während die Hälfte der Schüler zwischen den Kaffeepflanzen auf der Kaffeeplantage nachsahen, suchte die andere Hälfte den Ort Boquete genauestens ab und befragte verschiedene Einwohner, doch keiner hatte vorher von den Tieren gehört.
Am Ende der Woche beschlossen einige Freiwillige, den Baru, die höchste Erhebung Panamas, zu besteigen, um von dort die gute Aussicht über das ganze Land zu nutzen. Die anderen KUSis suchten in dieser Zeit bei einem Wasserfall in der Nähe des Dorfes, doch an beiden Orten fehlte weiterhin jede Spur von Tiger und Bär. Die Tigerente war tottraurig, doch die Schüler weigerten sich, aufzugeben und deswegen begaben sie sich auf eine weitere Busfahrt, deren Ziel ein Naso-Dorf im Norden des Landes war.
Die Nasos empfingen die Gruppe sehr herzlich und die Tigerente schöpfte auch schnell wieder neue Hoffnung, als sie hörte, dass am nächsten Tag ein Besuch im Dorf des sehr weisen Naso-Königs anstand. Leider war der König an diesem Tag nicht Zuhause, da er ein Problem in einer anderen Stadt lösen musste, und auch die anderen Dorfbewohner hatte die Tiere nicht gesehen.
Renée und Anna ließen sich nicht entmutigen und so zog die Gruppe am nächsten Tag nochmal zu einer letzten Suche im Regenwald auf. Doch weder das Faultier am Wegesrand, noch die herumtollenden Affen hatten Tiger und Bär gesehen.

Als sie auch auf ihrer letzten Busfahrt nach Bocas del Toro nicht fündig wurden, fragten Anna und Renée die Tigerente besorgt: „Wir haben deine Freunde leider nicht gefunden und wir müssen heute Abend leider wieder zurück an Bord. Was möchtest du jetzt machen? Willst du hier in Panama bleiben?“ Die Tigerente wusste erst nicht, was sie sagen sollte und antwortete dann nach einigem Zögern: „Nein, ich möchte hier bleiben. Ich durfte mit euch durch ganz Panama reisen, die Vielfalt der Natur entdecken, neue Menschen kennenlernen und viele neue Erfahrungen machen. Aber wisst ihr, was ich am meisten gelernt habe? Wie wichtig Freundschaft ist und wie viel Spaß es macht, mit Freunden zu reisen und gemeinsam neue Erfahrung machen. Und deswegen möchte ich bei euch, meinen Freunden, bleiben, mit euch weiterreisen und noch viele spannende Länder entdecken. Vielleicht finden wir ja Tiger und Bär dort!“
Und so zog die Tigerente nach 17 Tagen Reise durch Panama wieder mit auf die Thor, doch dieses Mal musste sie nicht in die Unterkoje, sondern bekam ein eigenes Fach in einem Hängeregal in Kammer 7.

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