Home sweet home

Datum: 15.01.2019
Ort: Bocas del Toro
Wetter: Lufttemperatur: 27,5 °C, Wassertemperatur: 27 °C, Wind: SW 1
Autorin: Leonie

Kiel, Oktober 2018
Das erste Mal die „Thor Heyerdahl“ sehen – das Schiff, welches die nächsten sechs Monate unser zu Hause sein sollte. Mir ist es bei diesem ersten Mal komisch vorgekommen, auf diesen 50 mal 6 Metern zu leben. Ich konnte mir schwer vorstellen, mit drei bis fünf weiteren Kusis in einer so kleinen Kammer zusammenwohnen zu können. Doch der Einzug in die Kammern und die erste Nacht auf der Thor kamen schnell. Anfangs war es noch unvorstellbar, den Seesack, den Wanderrucksack und den Tagesrucksack mit all den Sachen darin zu verstauen, doch die Thor erwies sich als Platzwunder. Nach der Werftzeit kannte man dann auch die meisten Bilgen und Unterkojen und wusste, was gemeint war, wenn jemand mich in die Last oder die Navi schickte. Mit den ersten zwei Etappen lernten wir das Schiff noch besser kennen und lieben. Alle wissen mittlerweile, wo die besten Verstecke sind und haben ihre Lieblingsplätze auserkoren.

Bocas del Toro, Januar 2019
Mit dem Bus kommen wir nach drei aufregenden Wochen in Panama aus dem Naso-Dorf gefahren und steigen an der Bootsstation in Almirante um. Man sieht schon die ersten euphorischen Gesichter, denn alle wissen, dieses Boot bringt uns zurück zu dem Ort, der für uns in den letzten drei Monaten ein Zuhause geworden ist.
Kaum kann man in der Ferne die drei Masten der Thor erahnen, stimmt Vivi unser Lied über die Reise und das Schiff an. Man sieht die Vorfreude, wieder an Bord zu gehen; mit jedem Meter, den wir uns nähern, wird sie größer. Als wir dann endlich da sind, wird das Gepäck so schnell wie möglich auf der Ladeluke gestapelt und alle, die sich drei Wochen nicht gesehen haben, fallen sich in die Arme. Nach dem, von allen vermissten, guten Thor-Essen (Nudeln mit Pesto), dürfen wir stolz unser Schiff unseren Gästen vom Naso-Stamm zeigen.
Neben der Stammbesatzung müssen natürlich auch die wichtigsten Orte an Bord begrüßt werden, so umarmen einige den Großmast oder das Ruder. Der Tag geht mit einigem an Arbeit weiter. Um keine Tiere aus dem Regenwald mit an Bord zu nehmen, müssen wir alles an Gepäck auspacken und einzeln über der Reling ausschütteln. Ist das Gepäck von allem, was krabbelt, befreit, dürfen wir unsere Kammern beziehen. Parallel zum Einzug werden die Panama-Blogs fertiggestellt und die Fotos fürs Hochladen auf die Website vorbereitet. Nach dem Abendessen stellen die Schülerinnen und Schüler mit einigen Fotos ihren Landaufenthalt vor und erfahren im Gegenzug, was der Stamm in Panama erlebt hat.
Für die erste Nacht, die wir wieder auf unserem Zuhause verbringen, werden die altbekannten Hängemattenplätze auf dem Achterdeck, die Liegeplätze auf der Ladeluke und die gemütlichen Kojen hergerichtet.

Kiel, April 2019
Ein letztes Mal werden all unsere Sachen in Seesäcken und Rucksäcken verstaut, doch dieses Mal wird es nicht für den Kammerumzug oder einen Landaufenthalt sein, sondern zum Ausziehen und Verlassen der Thor. Den meisten wird man wohl die Freude ansehen, Familie und Freunde wiederzusehen, doch wissen auch alle, dass dieses Wiedersehen auch ein Abschied von der Thor und der KUS-Familie sein wird. Man wird noch einmal das Schlafen unterm Sternenhimmel an Deck und das letzte Mal Rudergehen genießen.
Vom Rigg aus, das für einige ein Lieblingsort geworden ist, werden wir Kiel und alle, die dort auf uns warten, begrüßen. Das Abschiednehmen von der Thor wird sicherlich allen schwerfallen und so werden bestimmt längere Abschiedsrunden über und unter Deck gedreht werden.
Es wird vielleicht ein bisschen wie ganz am Anfang sein, wenn wir dann wieder in der Kieler Förde liegen. Nur, dass jetzt dieses Schiff nichts Abstraktes mehr ist, von dem uns gesagt wird, dort werdet ihr leben. Ganz im Gegenteil: es wird ein Zuhause sein, welches dort liegt – ein Ort, an dem wir uns sechs Monate wohl gefühlt haben werden.

PS: Alles Gute zum Geburtstag an meine Mama und meinen Papa!

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