Leben bei den Nasos

Datum: 15.01.2019
Ort: Bonyiek
Autoren: Theresa und Jens Ove

Weit entfernt von unserer gewohnten Umgebung, dem Internet und verlässlicher Strom- und Wasserversorgung, dort, wo das Gebrüll der Affen allgegenwärtig ist und die Faultiere sich langsam von Ast zu Ast bewegen, findet man ein Dorf, welches aus einer Gruppe Lehmhäuser mit Wellblechdächern besteht. In diesem Dorf im Regenwald Panamas lebt die indigene Gruppe der Nasos.
Die Nasos gehören zu einer der wenigen indigenen Völkergruppen, deren Kultur in Panama noch erhalten ist. Während die Kunas in ihrem Gebiet „Kuna Yala“ in Panama aufzufinden sind, begegnet man den Nasos in dem panamaischen Bezirk „Bocas del Toro“. Da das Gebiet, das hauptsächlich von der Vegetation des Regenwaldes geprägt ist, sich über 4000 km² erstreckt, teilen sich die Nasos in mehrere Gemeinden und Dörfern auf. Das Dorf, das wir für drei Tage besuchen durften, liegt am Rio del Teribe und wird von ca. 300 Menschen bewohnt. Auf den sandigen Wegen trifft man auf Hühner, Hunde und auch die eine oder andere größere Spinne oder Kakerlake. Neben den einfachen Wohnhäusern verfügt der Ort über eine Kirche, in der sich regelmäßig zu Gottesdiensten getroffen wird. Außerdem gibt es eine freie Wiese, auf der sich zwei Tore befinden, sodass die Einheimischen auch gerne und viel Fußball spielen. Besonders die Jugendlichen kann man oft beim Fußballspielen antreffen. Gleich am Eingang zum Dorf steht das Gemeinschaftshaus, das zum Essen, aber auch zum Wohnen dient. Direkt gegenüber findet sich ein auf Bambusstelzen stehendes Haus, das die Gemeinschaftsküche des Dorfes ist. Jedoch verfügt jedes einzelne Haus auch über eine eigene Küche, die besonders zur Abendstunde stark frequentiert ist. Dies zeugt von der Wichtigkeit der Familie für die Nasos. Sie verbringen sehr viel Zeit gemeinsam und leben auf sehr engem Raum zusammen. Dennoch haben sie 33 interessierten KUSis und ihren 3 Lehrern ihre Betten zur Verfügung gestellt und waren sehr gastfreundlich und offen.

Um in ein benachbartes Dorf zu gelangen, ist das Hauptverkehrsmittel der Einbaum. Einbäume sind selbstgebaute, wie der Name schon sagt, aus einem Baum gefertigte, lange, schmale Boote, die früher mit Paddeln und heute mit kleinen Motoren angetrieben werden.
Ist man auf dem Fluss mit einem Einbaum unterwegs, trifft man am Flussufer auf weitere Naso-Familien, die ihre Kleidung und sich selbst im kühlen Flusswasser waschen. Fährt man flussaufwärts in Richtung des Dorfes, in dem der König der Nasos lebt, so gilt es, einige Stromschnellen zu überwinden und teilweise sogar aussteigen zu müssen, um den Einbaum mit eigener Kraft durch die Untiefe schieben zu können. Jedoch ist die Fahrt flussabwärts umso rasanter und einfacher. Das eben genannte Königsdorf ist die Heimat des Monarchen, den die KUSis leider nicht kennenlernen konnten, da er nur selten tagsüber in seinem Haus aufzufinden ist, weil er die verschiedenen Dörfer besucht, um vor Ort Probleme lösen zu können. Die Nasos sind das letzte indigene Volk, das noch einen König hat. Er trifft die wichtigen Entscheidung und hält den Überblick über die verschiedenen Naso-Gemeinden.
Das Essen der Nasos ist größtenteils aus eigenem Anbau, regional und ohne Chemie zubereitet worden. Gekocht wird über dem offenen Feuer in großen Töpfen. Serviert wird das Essen in Schalen aus Calabassen, die mit Bananenblättern ausgelegt werden. Getränke, wie der traditionelle Kakao oder der frische Zitronengrastee, werden aus selbstgemachten Bambus-Bechern getrunken.

Wir KUSis, die drei Tage mit und bei den Nasos leben durften, haben sehr viel aus dieser Zeit mitgenommen. Die fast zweistündige Einbaumfahrt war eine ganz besondere Erfahrung für uns, während es für die Nasos Alltag bedeutet. Täglich fahren sie längere Strecken auf dem Fluss und sind sehr routiniert darin, die Einbäume auch bei niedrigem Wasserstand des Flusses problemlos durch die Stromschnellen zu manövrieren.
Auch die Einblicke, die wir in der Dorfküche sammeln konnten, waren sehr lehrreich, und es war etwas ganz neues, das Rührei über offenem Feuer zuzubereiten.
Die Einheimischen waren sehr interessiert darin, uns ihre Kultur, ihr Leben und ihre Umwelt näher zu bringen und haben ein sehr schönes Programm für uns vorbereitet und standen stets für Fragen bereit. So konnten wir ihre Kultur hautnah kennenlernen, wofür wir sehr dankbar sind. Über ihr Angebot und ihre Bereitschaft, uns jederzeit wieder bei sich zu empfangen, haben wir uns sehr gefreut.
Darum haben wir einige Nasos bei unserer Abreise auf die Thor eingeladen, um ihnen auch einen kleinen Eindruck in unser Zuhause und Leben zu geben. Fast 20 von ihnen fuhren mit uns, als wir zurück zum Schiff kamen. Für uns war es außerdem sehr interessant zu sehen, wie eine indigene Gruppe ihre Kultur erhält und gleichzeitig den Anschluss an die Außenwelt nicht verlieren möchte und versucht, ihre Haupteinnahmequelle langsam auf den Tourismus zu lenken.

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