Logbuch vom 28.02.2019

Es ist Donnerstag, der 28. Februar 2019, und wir liegen mit der Thor Heyerdahl seit Montag nachmittag fest an Penno’s Wharf in St. George’s, Bermuda. Allen an Bord geht es gut, und wir genießen ein paar Tage Landaufenthalt. Hier in Bermuda findet ein weiterer, lange geplanter Crewwechsel statt: Steuermann Matthias, der uns seit Grenada begleitet hat, fliegt nach Deutschland zurück und wird abgelöst von Marcel, der die Position bis zu den Azoren innehaben wird.

Die Etappe von Kuba bis Bermuda war von zwei sehr unterschiedlich geprägten Streckenabschnitten gekennzeichnet. Auf dem ersten Abschnitt konnten wir mit gut ausreichendem Wind schnell segeln, auch vorwärtsgetrieben durch bis zu dreieinhalb Knoten Strom in der Floridastraße. Auf dem relativ ruhig laufenden Schiff fanden Unterricht und Workshops statt, und an einem späten Nachmittag und bis in die folgende Nacht hinein konnten wir die Skyline von Miami an der Küste Floridas sehen.
Der zweite Abschnitt stellte die Schüler mit der Schiffsübergabe vor besondere Herausforderungen, da wir seit Tagen mit misstrauischem Blick ein starkes Sturmtief deutlich nördlich von Bermuda betrachteten. In der Tat schickte dieses Tief seine Auswirkungen in unsere Richtung: der Himmel war einen guten Tag lang komplett bedeckt (und die geforderte astronomische Positionsbestimmung leider unmöglich), und kurz vor Bermuda zog auch eine Kaltfront über uns hinweg. Trotz dieser Umstände gelang es den Schülern während der Schiffsübergabe, durch sorgfältige Koppelnavigation eine ausreichend genaue Positionsschätzung zu behalten. Das Einlaufen in Bermuda unmittelbar nach der Front fand allerdings wieder unter Nutzung aller elektronischen Hilfsmittel und unter Leitung der Stammcrew statt.

In St. George’s konnten wir zwei gute Gelegenheiten nutzen. Bermudas einziges Sailtraining-Schiff, die „Spirit of Bermuda“, lag in unmittelbarer Nähe, so dass ein gegenseitiger Besuch und wechselseitige Schiffsführungen nahelagen. Ebenso interessant war der Einblick in eine ganz andere Welt, zu dem uns die Crew des Forschungsschiffs „Endeavor“ der Universität von Rhode Island in den USA einlud. Auch hier wurden wir über das Schiff geführt und konnten ausgiebig Fragen stellen, wie ozeanographische Untersuchungen durchgeführt werden (gelegentlich erläutert von unserem Kapitän Johannes, der selbst einmal als Wissenschaftler auf einem deutschen Forschungsschiff unterwegs war).

Heute findet einer von zwei Unterrichtstagen während des Landaufenthalts statt. Die verbleibenden Tage werden wir mit Unterricht, Schiffsarbeiten und einem von Schülern organisierten Ausflug über die Insel verbringen, bevor wir voraussichtlich am Montag die Leinen lösen und uns auf den langen Schlag über den Atlantik in Richtung Azoren begeben.

Dr. Martin Goerke, Projektleiter an Bord, und Johannes Schiller, Kapitän

Menu