Logbuch vom 04.04.2019

Es ist Donnerstag, der 4. März 2019. Heute um 20 Uhr Bordzeit (20 Uhr UTC) befinden wir uns auf der Position 44° 33′ N, 022° 25′ W und segeln mit 5 kn Fahrt und 085° über Grund in Richtung europäisches Festland. Der Wind kommt mit 8 Bft aus NNW, und bis auf vereinzelte Seekranke geht es allen an Bord gut.

Dass wir trotz des Windes nur relativ langsam vorankommen,liegt daran, dass wir die Besegelung der Thor Heyerdahl auf das Nötigste reduziert haben und nur noch mit dem Innenklüver, der Baumfock und dem doppelt gerefften Schonersegel fahren. Uns ist die langsame Fahrt gegenwärtig aber auch sehr recht, denn vor uns zieht ein Sturmfeld mit noch deutlich mehr Wind und dem damit verbundenen Seegang nach Südost. Dabei kreuzt es unseren Weg, und wir legen alles daran, nicht mit ihm zusammenzutreffen. Durch die langsamere Fahrt können wir erwarten, erst auf der Rückseite des Sturmfelds zu passieren, wo Wind und Wellenhöhe schon wieder im Abnehmen begriffen sind. Bereits im Moment bei ca. 6 m Seegang rollt das Schiff heftig, und wir bekommen viel Wasser über die Schanzkleider an Deck. Alle Wachmitglieder tragen Gurte und sind im Ausguck, am Ruder oder allgemein an Deck eingepickt.

Sieht man davon ab, dass wir Antirutschdecken nicht nur für das Geschirr auf den Tischen, sondern auch zum Sitzen auf den Bänken bräuchten, geht das Leben an Bord seinen gewohnten Gang. Zweimal täglich findet das selbstgesteuerte Additum statt, die Schüler bereiten sich gedanklich auf die für einen späteren Teil der Etappe geplante Schiffsübergabe vor, und die Backschaft schafft es trotz widrigster Bedingungen, pünktlich schmackhaftes Essen auf die Tische zu bringen.

Es steht allerdings zu erwarten, dass wir unser geplantes Programm ändern müssen. Bei den herrschenden Bedingungen scheint es heute fast ausgeschlossen, dass wir zu einem mehrtägigen Aufenthalt in Falmouth einlaufen können. Inwieweit das unsere Reisezeitplanung darüber hinaus beeinträchtigen wird, lässt sich gegenwärtig noch nicht absehen.

Bis Falmouth sind/wären es noch ca. 800 sm auf direktem Weg.

Johannes Schiller, Kapitän, und Dr. Martin Goerke, Projektleiter an Bord

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