35 Objekte: Der Leisebommel

Datum: 11.04.2019
Autor: Titus

Den einen Leisebommel gibt es nicht. Hier auf der Thor zählen wir drei an der Zahl. Man findet sie abends meistens ab neun Uhr oder etwas später und am nächsten Morgen sind sie spätestens um zehn Uhr wieder spurlos verschwunden. Als sie erstmals auftauchten, fragten sich viele, woher sie kommen und wozu sie da sind. Was ist denn auch ein „Leisebommel“?

Einer der Bommel ist circa 30 cm lang, die Farbe rot dominiert. Er besteht aus mehreren roten Schnüren, die mit verschiedenen Details verziert sind. Ein Ende bietet eine Schlaufe, die sich ideal dazu eignet, den Bommel aufzuhängen (hier an Bord vorzugsweise an Magneten). Dieser Teil endet mit einem schwarzen Stoffbund mit silbrigen Mustern und gelben Rändern. Es folgt ein Abschnitt mit dünnerer Schnur, in die ein Zierknoten gearbeitet wurde. Der Zierknoten ist flach, regenbogenfarbene Schlaufen an den Seiten verleihen ihm ein schmetterlings­ähnliches Aussehen. Darunter ist ein symmetrisches, birnenförmiges Gebilde aus Holz eingearbeitet, direkt über einer Holzperle. Der letzte herunterhängende Rest besteht aus vielen noch wesentlich dünneren Schnüren, die um ein, vollständig verstecktes, Röhrchen angeordnet und durch einen Takling befestigt sind. Der ganze Bommel wirkt auf den Betrachter sehr asiatisch. Einst wahrscheinlich ein traditioneller Kulturgegenstand, handelt es sich bei dieser Ausführung um ein maschinell hergestellten Deko-Artikel, ohne größere Verarbeitungsfehler, aber trotzdem eher minderer Qualität.

Wie anfangs schon erwähnt, gehört er nicht zum Bordbestand, sondern unserem Mathe-, Physik- und Spanischlehrer Paul. Hinter dem Aussehen verbirgt sich tatsächlich eine fernöstliche Herkunft: „Eine chinesische Arbeitskollegin hatte sie als Erinnerung an ihre Heimat im Büro aufgehängt. Als sie wieder nach China zurückkehrte, schenkte sie mir drei Bommel“, berichtet Paul.

Sein Einfall war es auch, den Bommeln hier an Bord eine Aufgabe zu geben:

Um alle daran zu erinnern, dass Personen schlafen möchten, begann Paul am Anfang der Atlantiküberquerung, wo auch alle begannen, ihre Kammertüren über Nacht offen zu lassen, seine Bommel aufzuhängen. So wurden sie, die Leisebommel, als Wächter des Schlafes ein Bestandteil unseres Alltags.

An Bord ist Nachtruhe ab 22 Uhr, doch durch all unsere verschiedenen Wachzeiten gibt es so gut wie immer jemanden, der schläft. Vor allem für die Nachtwachen empfiehlt es sich, vor zehn Uhr schlafen zu gehen. Da aber die Tagwachen erst abends wirklich Freizeit haben, ist es für sie die Zeit, um sich zu unterhalten oder Spiele zu spielen. Flüstern ist eigentlich die Lösung, um den einen ihren Schlaf zu gönnen, aber selbst noch etwas Konversation zu führen. Dies kommt vielen leider nicht in den Sinn. Paul leidet besonders unter unachtsamen Schülern, da er seit Anfang der Reise in der Kammer 9 wohnt, die direkt an der Messe angrenzt: „Eine weitere Lärmquelle ist der Messekühlschrank. Er kann zwar leise geöffnet werden, daran denken leider nur selten Mitglieder der Nachtwachen.“

Mit dem Schlaf verhält es sich hier an Bord ähnlich wie mit dem Essen. Bekommt man genug, ist man zufrieden. Laute Gespräche und undurchdachte Geräusche sorgen leider für Schlafunterbrechungen oder zumindest einen nicht so erholsamen Schlaf. Müde Menschen sind lustlos, schlecht gelaunt, unkonzentriert und unmotiviert. Außerdem verpasst man Zeit, die man mit seinen Freunden verbringen könnte, wenn man Schlaf während des Tages nachholen muss. Deshalb ist es äußerst wichtig, dass die Nachtruhe berücksichtigt wird. Doch man kennt es: Manchmal vergisst man die Zeit in lustiger Runde oder in Gesprächen vertieft, da erinnern unsere roten Leisebommel: eine Bereicherung, um allen ihren
wohlverdienten Schlaf zu gönnen.

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