35 Objekte: Das Tagebuch

Datum: 15.04.2019
Autorin: Melina

Das Tagebuch ist ein Gegenstand, den man vielleicht auch aus dem Leben an Land kennt. Dort ist es allerdings lange nicht so verbreitet wie an Bord der Thor Heyerdahl. Die Notizbüchlein gibt es in allen verschiedenen Ausführungen; Farbe, Format, Größe und Dicke variieren. Aber auch die Schriften unterscheiden sich deutlich.

Wenn man Tagebücher sucht, dann tut man das am besten in den Kammern. Meistens befinden sie sich in Hängeregalen, liegen unter dem Kopfkissen oder lehnen an der Wand eines Faches. Mein Tagebuch ist im A5-Format und hat einen schwarzen Einband, der schon einige Schrammen und Kratzer hat. Auf dem Buchrücken ist ein Etikett aufgeklebt, wo in krakeliger Schrift „KUS 2018/2019 Melina Tagebuch 2“ geschrieben steht. Vorne ist ein Sticker aufgeklebt, wo in neun verschiedenen Sprachen „Tiere sind keine Ware!“ zu lesen ist (ein Geschenk von Robin).

Außerdem kann man das Tagebuch mit einem schwarzen Gummi verschließen und es hat am Rand eine Schlaufe, in die man einen Stift hineinstecken kann. Im Inneren des Einbandes findet man 249 fein linierte Seiten, die bis zur 63. Seite mit ganz kleinen, schwarzen Buchstaben beschrieben sind. Meine Schrift ist immer kleiner geworden. Besonders in meinem ersten Tagebuch, das schon seit Auslaufen aus dem Hafen von Havanna, Kuba, voll ist, ist das gut zu beobachten.

Wenn man mein Tagebuch aufklappt, dann kann man an manchen Seiten sogar etwas ausklappen, das etwas mit dem Tag zu tun hat, über den ich geschrieben habe. Auf der Seite, wo es um die Besteigung des Picos ging, habe ich zum Beispiel die zwei Tickets für die Fähre eingeklebt, die uns von Faial zur Isla del Pico geschifft hat. Das Einkleben von Erinnerungsstücken, sei es ein Kassenzettel oder oder eben eine Eintrittskarte, ist ziemlich weit verbreitet.

Ein typischer Eintrag ist folgendermaßen aufgebaut: In der obersten Zeile steht der Wochentag, das Datum, der wievielte Tag der Reise es ist und manchmal auch eine kleine Überschrift, zum Beispiel „Montag, 25.03.19, Tag 163, Besteigung des Picos“. Dann kommt noch die Uhrzeit dazu, weil ich manchmal auch mehrmals täglich schreibe, und dann versuche ich einfach meine Gedanken in Worte zu fassen.

Wie die Einträge in anderen Tagebüchern aussehen, dazu kann ich leider nicht viel sagen, denn es ist ja bekanntlich eine Art Todsünde, in fremden Tagebüchern herumzuschnüffeln. Viele KUSis zählen jedoch die Tage, manche ergänzen sogar die Mittagsposition des Tages oder die Besegelung der Thor. Auch die Länge der Einträge variiert von Person zu Person. Für einige gibt es ein Limit, sie schreiben beispielsweise immer genau eine Seite pro Tag, während andere sich den Platz nehmen, den sie brauchen. Ein Fließtext ist es nicht zwingend, es gibt durchaus Tage, wo die Motivation nur für Stichpunkte oder einzelne Wörter reicht.

Eine seltene Meisterleistung hingegen ist es, täglich etwas zu schreiben. Meistens werden die versäumten Tage jedoch nachgeschrieben, wenn man mal wieder etwas mehr Zeit und Lust dazu hat.

Das Tagebuchschreiben ist an Bord der Thor Heyerdahl auf jeden Fall verbreiteter als man es von Zuhause kennt. Wenn man abends durch das Schiff läuft, sieht man an mehreren Orten Menschen, die mit einer Tasse Tee an ihrem Tagebuch sitzen und ins Schreiben vertieft sind. Die Messe und die Bibliothek sind hierbei besonders beliebt.

Doch warum schreiben hier so viele Menschen Tagebuch? Vielleicht, weil es ein Weg ist, diese einzigartige Zeit für immer festhalten zu können. Die Bedenken, dass einige Erinnerungen oder Gedanken mit der Zeit verblassen könnten, werden in dem Moment aus dem Weg geschafft, wo man sie mit Tinte in Form von Worten zwischen die vorher so leeren Seiten schreibt.

Deshalb sind Tagebücher so ungemein wichtig, es ist ein Mitschnitt dieser Zeit mit den einmaligen Momenten und Erinnerungen, von einfachen Schilderungen bis hin zu den persönlichsten Gedanken, in die man sich immer wieder zurückversetzen kann, wenn man im Tagebuch blättert.

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