35 Objekte: Der Achterdeckbildschirm – Kein Bildschirm, wie man ihn kennt

Datum: 18.04.2019
Autor: Simon

Rechteckig, flimmernd und verlockend: Der Bildschirm ist für einen Großteil der heutigen Jugend eine Sucht und Plage, welche sie nicht kontrollieren können. Sie werden in Spiele, Filme oder ins Internet hineingezogen, kommen aus diesem Teufelskreis nur schwer wieder heraus.

„Bilidi“, aus dem Altdeutschen stammend, bedeutet so viel wie Gestalt oder Abbild, und es sind genau die unrealistischen Gestalten, welche durch die Technik realistisch geworden sind, die auf den Bildschirmen die Aufmerksamkeit fordern. Hier an Bord haben wir auch einen Bildschirm, er fordert unsere Aufmerksamkeit in der Wache oft in regelmäßigen Abständen über eine Periode von bis zu sechs Stunden. Doch dieser Bildschirm schadet uns nicht.

Dieser Bildschrirm befindet sich auf dem Achterdeck; wir benutzen ihn häufig im Wachbetrieb, ohne ihn würde dieser eindeutig sehr erschwert. Der zugehörige Computer steht in der Navi; seine Anzeige wird auf den Bildschirm gespiegelt. Er benutzt das verlässliche Programm „TransasSailor“, welches viele Schiffe für ihre Navigation benutzen. Die größte Anzeigefläche wird von unserem Kurs und der Umgebung aufgebraucht; auf weißem Meer ist unsere Route in Rot gekennzeichnet, das Schiff selber ist bloß ein kleiner schwarzer Punkt. Oberhalb dieser Anzeige steht die Geschwindigkeit, rechts in einer grauen Spalte stehen unter anderem Daten wie die Bordzeit, die UTC oder die Ankunftszeit bei verschiedenen Geschwindigkeiten. Der Schiffsverkehr wird in Neongrün angezeigt. Die Bordcrew benutzt ihn als Anzeige, und wenn man ihn betätigen will, steigt sie hinab in die Navi, um den Computer dort zu benutzen. Der Bildschirm oben überträgt das genaue Bild vom Computer, ähnlich wie ein Beamer, nur dass die Bilder in diesem Fall durch ein durch das Deck verlegtes Kabel auf das Achterdeck gespiegelt werden. In dringenden Situationen kann man den Computer auch am Bildschirm oben mit einer drahtlosen Maus verbinden und benutzen. Nutzer sind alle Mitglieder der Wache, selbst der Kapitän verlässt sich bei Manövern auf dieses Gerät.

Der rechteckige Achterdeckbildschirm misst 45 cm in der Höhe, 35 cm in der Breite, und ist mit einer wasserdichten Glasschicht überzogen. Um die Wetterfestigkeit zu stärken, gehört auch noch ein sauber angefertigter Deckel aus dunklem Mahagoni-Holz dazu, welchen man hinunterklappen kann und welcher den Bildschirm vor allen erdenklichen Wetterlagen beschützt und auch verhindert, dass sein Licht in der Nachtwache die Orientierung stört.
Nach etwas Nachforschung ergab sich, dass dieses Objekt schon seit 2010 auf der Thor verbaut ist, doch dass die Situation davor viel Geduld erforderte, denn die Bordcrew war gezwungen, immer in die Navi zu gehen, um am Computer auch nur die kleinste Information abzulesen, sodass der Einbau des Bildschirms auf dem Achterdeck den Wachbetrieb erleichtert.

Viel Arbeit für alle Bordmitglieder wird durch diesen Gegenstand gespart. Viele verbinden verschiedene Sachen mit dem Achterdeck-Bildschirm; von der Benutzung während der Schiffsübergabe zu den Neonfarben, welche darauf in der Dunkelheit aufblitzen. Doch wie man vielleicht meinen mag, ist er nicht nur bei der Fahrwache, sondern auch beim Ankern von großer Bedeutung, denn man kann mit seiner Hilfe beobachten, ob die Anker slippen.
Außerdem könnte der Unterschied zwischen dem Bildschirm auf der Thor und den Bildschirmen in der Welt außerhalb nicht größer sein: Während man sonst immer mit Bildschirmen und Computern auf alles Mögliche, unabhängig von Ort und Zeit, zugreifen kann, ermöglicht der AIS-Bildschirm nur einen Blick auf den Mikrokosmos „Thor Heyerdahl“. In dieser Welt dreht es sich nicht um die neuesten Smartphones und „breaking news“, sondern um die 50 Menschen an Bord und darum, wohin ihre nächste Etappe und Reise geht. Mit einem Blick kann man deuten, was die Bordbesatzung vorhat, was zunächst passieren wird. Es ist nicht das Objekt einer einzelnen Person, es ist nicht möglich sich auf diesem Bildschirm in seinem Inhalt zu verlieren. Keine Spiele, kein Zugang zur Außenwelt. Er gehört der Mannschaft, er hilft der Mannschaft, er „ist“ die Mannschaft.
Zuhause, dort wird man ihn nicht haben. Die Schüler werden sich wieder an „normale“ Bildschirme gewöhnen, an den Fernseher oder das Handy. Und doch wird die Erinnerung bleiben, und sie werden wissen, dass der Achterdeck-Bildschirm etwas Besonderes ist. Ein Symbol ihrer Reise!

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