35 Objekte: Der Navi-Kugelschreiber

Datum: 18.04.2019
Autorin: Emilia

Der Ursprung dieser speziellen Kugelschreiber-Spezies ist ein normaler Druckknopfkugelschreiber. Der Stift hat eine Länge von knappen 15 cm und einen Durchmesser von ungefähr 10 mm. Das Material ist Hartplastik, in einigen Fällen gibt es Einsätze von Gummi, um den Griff beim Schreiben zu verbessern. Der Kugelschreiber besteht besteht aus zwei Teilen: Ein meist durchsichtiges Plastikgehäuse und eine Mine, mit einer Kugel an der Spitze, welche einen Durchmesser zwischen 0,7-1,4 mm hat. Die Mine schreibt in den meisten Fällen schwarz oder blau. Die Funktionsweise ist ziemlich simpel: Die Kugel streicht beim Schreiben über das Papier und gibt dabei Tinte aus dem Vorratsbehälter ab; wenn der Prozess des Schreibens vollendet ist, kann die Mine mit Hilfe des Druckknopfes am Ende des Stiftes zurück in das Gehäuse bewegt werden.
Der Kugelschreiber ist ein Schreibgerät, zu dem die ersten Ideen und Skizzen im 15. Jahrhundert von Galileo Galilei gefertigt wurden. Die Version, die heute weltbekannt ist, wurde im Jahr 1938, nach 18 Jahren Entwicklung, von dem Ungarn Lazlo Josef Biro patentiert. Das Modell an Bord durchläuft, im Gegenteil zu einigen Verwandten in Großraumbüros, ein sehr vielfältiges Leben.

Die Geburt wird durch die Zulieferer beim Verproviantieren in Kiel bewerkstelligt, wie uns Proviantmeisterin Mirte schildert, denn sie spenden einen Großteil der an Bord vorhandenen Kugelschreiber als Werbegeschenke. Auf der Thor angekommen werden sie in einer Schublade im Büro achtern gelagert. Von dort aus gibt es zwei Karrieren, die eingeschlagen werden können: Bei der ersten der beiden findet der Stift seine Bestimmung in der Last, genauer gesagt vor der Tiefkühl- und Kühllast an den Temperaturlisten. Hier werden stündlich die Temperaturen mit Hilfe dieses Schreibgerätes dokumentiert.
Doch der Großteil der Kugelschreiber entscheidet sich für die beliebteste Karriere, in der Navi. Dort dient er als Schreibmittel für das Eintragen ins Brücken- und Logbuch. Im Gegensatz zum Logbuch darf ins Brückenbuch jeder eintragen. Die Schüler tragen während der Wache die absolvierten Sicherheits- und Maschinenronden, die GPS-Koordinaten der aktuellen Position und gefahrene Manöver ein, am Ende schreiben sie, mit Hilfe des Kugelschreibers, ihren Namen dahinter und garantieren damit für das, was sie getan haben.
Doch egal, welche Karriere eingeschlagen wird, die Stifte werden selten nicht alt in ihrem Job, beziehungsweise tintenleer, denn auf eine mysteriöse Art und Weise kann man während des Unterrichts Schüler dabei beobachten, wie sie ihre Notizen oder auch die Klausuren mit Navi-Kugelschreibern verfassen. Bei Befragungen der betroffenen Schüler wollte sich keiner so richtig darüber äußern, wie es zu statten kommen konnte, dass der Stift seinen Weg aus der Navi gefunden hat. Doch nicht nur bei Schülern, sondern auch beim Stamm ist dieses Verhalten zu beobachten, beispielsweise beim Dokumentieren der Stammversammlungen. Von da aus bleibt es kaum zu verhindern, dass sie ihren Weg in die Taschen und damit in die Kojen der Crewmitglieder finden. Dort werden sie für alles Mögliche verwendet, wie für das Schreiben von Tagebüchern und Briefen. So kommt es, dass vom ursprünglich offiziellen Verwenden in der Navi die Kugelschreiber ihren Weg auf das ganze Schiff finden, sodass es keinen Ort gibt, an dem kein Exemplar zu finden ist, egal ob in der letzten Bilge in der Trockenlast oder in der Schublade im Büro.
Genauso wie die Informationen aus der Navi, wandert der Navi-Kugelschreiber über das gesamte Schiff und allen ist klar, dass ohne beides an Bord nichts funktionieren würde.

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