35 Objekte: Der Schleswig-Holstein-Stander

Datum: 18.04.2019
Autorin: Anna K.

Lässt man seinen Blick vom Achterdeck hinauf nach oben schweifen, sollte einem ziemlich weit oben der so genannte Schleswig-Holstein-Stander auffallen. Aber was ist das genau und weshalb haben wir besagtes „Instrument“ an Bord?

Das Wort „Stander“ stammt ab vom französischen Wort „estandart“, was soviel bedeutet wie Flagge, Fähnlein. Der Schleswig-Holstein-Stander ist eine spitz zulaufende, dreieckige, aus Kunststofffäden gewebte Fahne, die an der höchsten Stelle des Schiffs, der Spitze des Großmasts, an einem ca. 20 cm langen Metallstab, befestigt ist.

Die besagte Fahne ist geschätzt etwa zwischen 1 m und 1,50 m lang und in drei Farben gestaltetDie

Farben blau, weiß und rot beziehen sich in erster Linie auf die Farben des Bundeslandes Schleswig-Holstein, in dessen Hauptstadt Kiel sich der Heimathafen der Thor befindet. Doch sie beziehen sich auch noch auf etwas Anderes, nämlich den Himmel, die Segel und das Deck und daher sind die verschieden farbigen Streifen, die horizontal übereinander liegen, folgendermaßen angeordnet: Oben ist der Stander blau für die Farbe des Himmels, darunter ist er für die Farbe der Segel der Thor weiß und ganz unten, dort wo sich auch in der Realität das rote Deck und der rote Rumpf befinden, dort ist der Stander rot.

Sowohl der blaue Himmel, als auch die weißen, großen Segel der Thor sind auf allen Reisen, die unser Schiff auf den weiten Ozeanen des Globus zurücklegt, essentielle und wichtige Dinge, die die Törns zu etwas ganz Besonderem werden lassen.

Für ein einwandfreies Verständnis unabdingbar ist an dieser Stelle die Erwähnung, dass es nicht den „einen“ Schleswig-Holstein-Stander gibt, sondern es sich hierbei um ein recht einfach austauschbares Verschleißteil handelt, von dem wir laut der Schiffsleitung aktuell noch ein weiteres Exemplar auf Lager haben. Dementsprechend ist es nicht so leicht zu bestimmen, seit wann „der“ Schleswig-Holstein-Stander an Bord ist. Das Exemplar, das derzeit den Großmast ziert, wurde Anfang Oktober kurz vor dem

Auslaufen aus Kiel angebracht und wird vor dem Einlaufen noch durch ein neues Exemplar ersetzt
werden. Da der Schleswig-Holstein-Stander fest an Bord der Thor Heyerdahl befestigt ist, ist er Teil des
Bordbestandes und ist somit Eigentum der gGmbH Thor Heyerdahl.

Der Schleswig-Holstein-Stander ist nicht nur sehr dekorativ, sondern auch ein wichtiges Arbeitswerkzeug der Steuermänner, Wachführer und stündlich Wetter machenden Schüler in Bezug auf die Bestimmung der Windstärke- und Richtung.

Aufgrund seiner Höhe und Lage auf fast 30 m wird der Stander nicht durch Segel oder das Deckshaus beeinflusst und zeigt so sehr zuverlässig den Wind an. Um den Wind, der für unsere Wetteraufzeichnungen oder eventuelle Anpassungen der Segelstellung relevant ist, bedarf es allerdings ein wenig Übung. Dieser Wind ist der sogenannte „wahre Wind. Um diesen Wind zu ermitteln, muss man aus der Windrichtung, die sich aus der Beobachtung des Standers ergibt, den Fahrtwind noch „abziehen“, was sich durch logisches Denken leicht erklären lässt. Der wahre Wind ist der Wind, der wirklich weht und den wir an Bord nutzen können, um in die Karibik und zurück nach Europa zu segeln. Die Bestimmung der Windstärke ist mit Hilfe des Schleswig-Holstein Standers weitaus komplizierter, weshalb man sich hierbei eher am Wellenbild orientieren sollte. Etwas, was sich bezüglich der Bestimmung der Windstärke allerdings sehr zuverlässig sagen lässt ist, dass der Wind im Fall, dass der Stander nicht flattert, genau so schnell weht, wie die Thor fährt. Ein Problem, das der Schleswig- Holstein-Stander aufgrund seiner Länge von nahezu 1,5 m gelegentlich hat, ist dass er sich mit seinem

Ende in den Groß-Oberwanten verhängt, was eine Windanalyse, die für Kontrollen zu jeder Tages- und Nachtzeit verfügbar sein sollte, unmöglich macht. In diesem Fall muss eine Person in die Groß-Oberwanten klettern, um ihn zu lösen oder schlimmsten Falls abzuschneiden, weshalb der Stander stetig ein Stückchen kürzer wird. Die ist nur bei entsprechend ruhiger See möglich ist, da es dort oben um ein Vielfaches mehr schaukelt als an Deck.

Der Schleswig-Holstein-Stander ist somit nicht nur ein äußerst dekoratives Objekt an Bord der „Thor Heyerdahl“, sondern für die Arbeit in der Wache, beispielsweise für das „Großwetter“ essentiell. Beim „Großwetter“ schicken wir um 1200 und um 1800 UTC genaue Wetterdaten an den Deutschen Wetterdienst, die uns im Gegenzug mit Wetter- und Windkarten, sowie der Wettervorhersage versorgen.

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