35 Objekte: Die Kombüsenglocke

Datum: 18.04.2019
Autor: Denis

Täglich wird im ganzen Schiff drei Mal geklingelt: morgens, mittags und abends. Immer, wenn dies der Fall ist, kommen alle Thorbewohner zusammen und versammeln sich, denn das Läuten signalisiert, dass das Essen fertig ist. Geklingelt wird stets mit einer Glocke, welche etwa 20 cm hoch und 10 cm breit ist. Die Glocke selber ist etwa 10 cm hoch und breit und sie und der Kloppel sind aus Messing. Oben geht die Glocke in eine etwas dünnere Messingstange über, um welche ein frei drehbarer ergonomisch geformter Griff aus Holz befestigt ist. Auf der Oberseite findet man ein Endstück aus Messing.

Glocken gibt es bereits seit dem 15. Jahrhundert v. Chr. Das Wort Glocke stammt von dem mittellateinischen „clocca“ beziehungsweise von dem altirischen „cloc“ ab. Die Glocke wurde in Europa von irischen Missionaren bekannt gemacht, welche mit Handglocken durch das Land zogen.

Unsere Kombüsenglocke, welche auch Klingel genannt wird, wird an Bord für die verschiedensten Dinge eingesetzt. Mit ihr wird sowohl zu den Mahlzeiten gerufen, als auch die Stille Minute eingeleitet und auch beendet, welche vor jeder Mahlzeit stattfindet. Häufig wird sie auch dazu verwendet, die Aufmerksamkeit zu erregen, wenn man zum Beispiel eine Ansage zu machen hat, denn sobald man einmal in der Messe oder auf dem Hauptdeck geläutet hat, kehrt Ruhe ein.

Das Leuten zu den Ansagen wird an Bord regelrecht zelebriert. Zuerst wird von der Backschaft eine Person abgestellt, welche mit der Glocke durchs gesamte Schiff läuft, und dabei jedem durch Klingeln signalisiert, dass das Essen fertig ist. Dabei ist zu beachten, dass man nicht zu laut klingelt. Dies geschieht recht schnell und ist einfach nur nervig.
Die Person, welche klingeln gegangen ist, macht auch meistens die Essensansage. Dabei wird zuerst durch Klingeln um Ruhe gebeten, dann wird die Mahlzeit beschrieben und anschließend die stille Minute durch ein Klingeln eingeleitet und beendet.

Das Alter unserer geliebten Klingel ist nur sehr schwer bestimmbar. Ich habe unseren Maschinisten Willi gefragt, seit wann unsere Klingel an Bord im Einsatz ist. Er meinte, dass, als er vor acht Jahren an Bord kam, die Glocke bereits im Einsatz gewesen sei.
Er hat auch vermutet, dass die Klingel aus Vo-KUS-Zeiten stammt und eventuell die Thor Heyerdahl sogar seit Anfang begleitet.

An Bord ist das tägliche Klingeln jedenfalls zur Tradition geworden. Ob diese einzigartig ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall meinte unser Steuermann Marcel, welcher bereits auf der „Gorch Fock“ gefahren ist, dass sie dort keine Essensklingel hatten. Sie haben zwar auch wie wir mit der Schiffsglocke geglast, was auf Traditionsseglern üblich ist, jedoch wurde nicht zu den Mahlzeiten geklingel. Auf der Thor ist das unvorstellbar.

Abschließend lässt sich sagen, dass unsere Kombüsenglocke im Bordleben eine entscheidende Rolle spielt, da sie ein wichtiges Werkzeug zum Versammeln der Thorbewohner ist. Denn das Klingeln signalisiert, dass es Essen gibt. Und jeder weiß sofort, wo er hin muss.

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