35 Objekte: Die Rutschdecke

Datum: 18.04.2019
Autor: Lukas

Der folgende Gegenstand ist besonders auf See unentbehrlich, denn es ist eine Rutschdecke. Rutschdecken sehen wie folgt aus:

Es gibt sie in blau, aber meist ist sie schwarz. Besonders charakteristisch ist die Struktur. Es handelt sich dabei um eine Art Netz aus Schnüren, die mit Gummitropfen versehen sind, sodass sich eine haftende Oberfläche bildet. Sie ist ungefähr 50 cm breit bei einem Tisch von 60 cm Breite, was meist als Fläche reicht. Die Länge der Rutschdecke und die des Tisches ist übereinstimmend. Das aber wohl charakteristischste Merkmal unserer Rutschdecken ist der Geruch, denn sobald eine der Decken ausgebreitet wird, wird eine Note von leichtem Muff in der Messe verströmt. Dieser Geruch entsteht, wenn die Rutschdecken nach dem Reinigen nicht richtig trocknen können, was vor allem auf langen Seeetappen der Fall ist, sodass immer mal wieder einzelne Rutschdecken einen strengeren Geruch annehmen. Der Aufbewahrungsort der Decken ist in der Mittelinsel, einer Art Kommode in der Mitte der Raumes, wo auch das Besteck gelagert wird. Dort werden sie jeden morgen pünktlich zum Frühstück um zwanzig nach sieben ausgebreitet.

Warum sind Rutschdecken auf der „Thor Heyerdahl“ notwendig? In der Messe stehen sehr schöne Holztische, die lackiert sind. Leider rutscht sowohl das Porzellan der Teller als auch das Metall des Bestecks enorm darauf. Deswegen ist es auch so wichtig, die Rutschdecken zu benutzen, wenn wir auf See sind. Das wird besonders immer dann klar, wenn ein Messer außerhalb des Rutschdeckenbereichs gelangt, mit der nächsten Welle über den ganzen Tisch rutscht und dann immer mit einem lauten Klirren verbunden auf den Boden fliegt. Man kann sich dabei auch bestimmt vorstellen, dass immer mal wieder eine Tasse Kaffee oder ein paar Essensreste auf die Decke fallen, woher langfristig vielleicht der etwas interessante Geruch herkommen könnte. Um trotzdem die Hygienestandards der Thor aufrecht zu erhalten, werden unsere Decken regelmäßig gewaschen. Aufgrund der Tatsache, dass diese aber aus Kunststoff gefertigt sind, ist es nicht möglich, die Decken heiß zu waschen oder gar in den Trockner zu tun.

Sobald die Decken aufgetischt werden, sind die Reaktionen sehr positiv. Das bedeutet nämlich, dass es bald Essen gibt und egal, ob Frühstück, Mittagessen, Kaffee oder Abendessen, es freuen sich immer alle darauf. Nicht nur, weil das Essen immer lecker ist und den Hunger stillt, sondern auch, weil die regelmäßigen Treffen zur Mahlzeit auch immer eine gute Gelegenheit sind, um mit den Leuten zu reden und sich gemeinsam über den Tag, den anstehenden Tag oder doch ganz anderen Themen zu unterhalten. Man könnte also die Rutschdecken als Symbol für die Mahlzeiten auf See betrachten, denn ohne Rutschdecken gäbe es kein gemütliches Essen ohne ein Chaos aus kaputtem Besteck und klirrenden Gabeln. Deshalb sind sie für uns unentbehrlich. Besonders an den Tagen, wo die Wetterbedingungen Extremen erreichen und das Kochen zum Sport wird.

Das liegt zum einen daran, dass die Hauptaufgabe nicht mehr das Zubereiten des Essens ist, sondern die Sicherung von sämtlichen Töpfen, Schüsseln oder Geschirrkisten. Zum anderen hat der Seegang nicht nur Einfluss auf Objekte, sondern auch auf einen Großteil der Bordbesatzung, denn es ist überhaupt gar nicht einfach, sich auf das Karoffelschälen zu konzentrieren, wenn man einfach nur über dem Schanzkleid hängen will. Auch der sonst so hungrigen Crew vergeht manchmal der Appetit auf Seelachs bei fünf Meter Welle.

Doch egal bei welchem Seegang, der ständige Begleiter des Mahls ist die Rutschdecke.

Menu