Logbuch vom 05.12.2022

Heute, am 5. Dezember um 16 Uhr BZ befinden wir uns auf Position 12°23,3‘N und 042°51,9‘W und haben damit den Scheitelpunkt unserer Atlantiküberquerung bereits hinter uns gelassen. Der Nordostpassat schwächelt mittlerweile leider – Wind aus östlichen Richtungen der Stärke 3 wechselt sich mit Flauten ab. Die Lufttemperatur beträgt 29°C und die Wassertemperatur liegt bei 27,5°C.

Wir genießen weiterhin die Überquerung des Atlantiks und den damit einhergehenden regelmäßigen Rhythmus der Tage. Bis Samstag war uns dabei ein starker und stetiger Nordostpassat vergönnt. Dieser ist nun leider durch verschiedene Hoch- und Tiefdruckgebiete nahe der Karibik gestört, sodass wir seit Sonntag mit sehr schwachen Winden bis kompletter Flaute Vorlieb nehmen müssen und unsere Hauptmaschine erstmals auf dieser Etappe zum Einsatz kommt – nicht zuletzt um ein starkes Rollen des Schiffes in der übrig gebliebenen Dünung zu vermeiden. Abseits des Segelns waren die vergangenen Tage ereignisreich.

Am Freitag hielt Franziska nach dem Unterricht einen Vortrag über „Black Smokers“, unterseeische, heiße Quellen. Die anschließende Fragerunde wurde dann zur Überraschung aller gestört: Im Gang klimperte und polterte es, bis ein fremdes Wesen die Messe betrat. Der königliche Gesandte des großen Neptuns, Herrscher über die Ozeane, kam an Bord. Neptun sei zu Ohren gekommen, dass staubgeborene Luftatmer sein Reich bereisten und er kündigte in seiner Botschaft an, am nächsten Tage an Bord kommen, alle Crewmitglieder inspizieren und taufen zu wollen. Den restlichen Nachmittag herrschte also angeregte Spannung und Vorfreude auf den nächsten Tag.

Samstag war es also soweit – nachmittags fanden sich alle Nicht-Getauften in der Messe ein. Neptun kam mit seinem Gefolge an Bord, begutachtete und taufte jede Person einzeln. Jeder Neugetaufte erhielt einen passenden Taufnamen, wie z.B. Schmuckmuschel oder Hamlet-Barsch. Nun, mit vollständig getaufter Crew, dürfen wir unter Neptuns Duldung und Schutz seinen Ozean weiter bereisen. Diesen aufregenden Tag beendeten wir mit einem Großreinschiff und einem wohlverdienten Abendessen – so eine Taufe macht hungrig!

Der Sonntag stand, wie immer, im Zeichen der Freizeit und Erholung nachdem das restliche Wochenprogramm umfangreich gestaltet ist. Den Vormittag hatten alle für sich. Nach dem Mittagessen hielt Miri ihr Referat zur „Traditionellen Navigation“. Ab 15 Uhr fand auf dem Achterdeck ein nachgeholtes Besanschot-An statt, bei dem allen Täuflingen auch ihre Taufurkunde feierlich überreicht wurde. Das Besanschot-An war zudem der Start in eine nachmittägliche Poolparty. An Deck wurde ausgelassen in Badebekleidung, Hemd/Bluse, Sonnenbrille und Sonnenhut getanzt, auf dem Vordeck wurde im Pool gebadet und für Erfrischung sorgte eine von der Backschaft zubereitete Fruchtbowle.

Mit den vielen Eindrücken des Wochenendes startet heute wieder die normale Unterrichtswoche: an Deck lernt heute Unterrichtsgruppe A, während die anderen Schüler*innen ihren Aufgaben nachgehen. So wird in der Messe Brot gebacken, die Wache fährt das Schiff, die Schüler*innen des Wahlfaches „Astronomische Navigation“ schießen die Sonne und immer wieder werden Segel gesetzt, um zu testen ob der Hauch Wind vielleicht doch wieder zum Segeln reicht.

Bis Palm Island / St. Vincent & the Grenadines liegen noch 1100 Seemeilen vor uns.

Dr. Christian Haehl, Kapitän und Judith Erhardt, Projektleiterin