Logbuch vom 05.03.2026

Die Thor Heyerdahl befindet sich heute, Donnerstag, den 5. März 2026, um 20:00 Uhr Bordzeit (Freitag, 06.03. 00:00 Uhr UTC) auf der Position 37°05’N und 052°42’W. Bei Wind WNW 3 laufen wir gegenwärtig unter Segel bei mitlaufender Hauptmaschine Kurs 085° über Grund und etwa 6 kn. Luft- und Wassertemperatur betragen 17 °C bzw. 18 °C und es ist bedeckt. Vor Aufgang des fast vollen Mondes ist es an Deck noch stockfinster und man sieht einen sehr klaren Sternenhimmel. An Bord sind inzwischen alle wohlauf und es herrscht, vielleicht aufgrund des heute freundlichen Wetters und der vergleichsweise geringen Schiffsbewegungen, eine leichte und heitere Stimmung.

Seit dem Auslaufen aus St. George’s auf Bermuda sind wir gut vorangekommen. Mehrere aufeinander folgende Hochdruckgebiete, die von Nordwesten heranzogen und heranziehen, bringen für uns immer wieder ungünstige nordöstliche bis östliche Winde. Da die Thor Heyerdahl kein guter Am-Wind-Segler ist, bedeutet das einen zeitlich ausgedehnten Maschineneinsatz, der aufgrund der gemäßigten Windstärken bis maximal ca. 5 Bft und der gleichzeitig stehenden Besegelung auf moderate Drehzahlen begrenzt werden konnte.

Die Navigation um die Hochdruckgebiete herum erfordert auch immer wieder scheinbare Umwege. So muss im Ostwind nach Norden gesegelt werden und erst nachdem der Wind auf Süd gedreht hat, können wir wieder auf unser Ziel Horta zu laufen. Es folgt typischerweise eine Phase, in der im Südwestwind raumschots gesegelt werden kann, bevor der Wind über NW und N erneut auf Nordost dreht. Da ein solcher Umlauf im Moment innerhalb von 2-3 Tagen stattfindet, bedeutet das für die Bordbesatzung viel Arbeit an den Segeln, die je nach Betriebssituation gesetzt oder geborgen werden müssen. Dazu ist das Segeln mit Welle von schräg-vorn oder der Seite mit teilweise heftigem Rollen und Stampfen des Schiffes verbunden, so dass nach ein paar Tagen in diesen Bedingungen die Nerven in der Regel bei allen etwas strapaziert sind. Umso willkommener ist dann der Tag – so wie heute – an dem der Wind von hinten kommt, auch wenn heute mangels Windstärke die Maschine zugeschaltet werden muss.
Die geschilderte Wettersituation bringt auch von den Temperaturen her einen steten und drastischen Wechsel: Als wir vorgestern gegen 5 Bft aus Nord anlaufen mussten und zu den 20 Knoten Wind noch die 5 Knoten Fahrtwind kamen, herrschten an Deck gefühlt arktische Bedingungen – die Wintersachen von langer Unterwäsche über Wollpullis bis hin zu Daunenwesten waren unter dem Ölzeug gerade dick genug, um eine Nachtwache ohne Frieren zu überstehen… Heute dagegen – im leichten Südwind – herrschte wieder T-Shirt-Wetter und es waren vereinzelt auch wieder kurze Hosen zu sehen! Die gemessenen Temperaturen können diese Kontraste gar nicht vollständig abbilden.
Im Laufe der Nacht erwarten wir nach einem Frontdurchgang erneut Wind von Nordost mit ca 5 Bft. Danach sieht es im Moment zum Anfang kommender Woche nach besserem Segelwetter aus.

Neben der Segelei ist der Schulunterricht in vollem Gange, und alle genießen, dass das Bordleben sich gut eingespielt hat. Gestern wurde von Lili Sol ein Referat zu Seeungeheuern gehalten, so dass wir nun für allfällige Zwischenfälle mit derartigen Kreaturen gewappnet sind. Heute hielt Simon einen Vortrag zu traditioneller Seefahrt.

Bis Horta sind es noch ca. 1200 sm.

Johannes Schiller, Kapitän und Jakob Frühmann, Projektleiter an Bord