24 Stunden allein mit den Gedanken
Datum: 12.04.2026
Mittagsposition: 50°46,1‘N; 001°26,2’E
Etmal: 172 sm
Wetter: Lufttemperatur: 10 °C, Wassertemperatur: 11 °C, Windrichtung und Stärke: SW 5
24 Stunden, 34 Schüler, zwei Packungen Kekse, eine Banane, ein Apfel und unendlich viele Gedanken – das 24 Stunden Solo.
Ich sitze auf einer Bank und starre vor mich hin. Ich sehe vor mir nur meine Iso-Matte, meinen Schlafsack und dichtes Gestrüpp. Neben mir liegen ein paar Blätter Papier und ein Stift, womit ich einen Brief an mich selbst schreiben soll, doch aktuell starre ich einfach nur vor mich hin. Um mich herum höre ich die dicken Hummeln summen und ein paar Vögel zwitschern. Langsam komme ich wieder zurück und fange an zu denken.
Wie viel Uhr ist es eigentlich und wie lange habe ich jetzt nur vor mich hingestarrt? Ich schätze anhand der Sonne, dass eine Stunde seit dem Anfang des Solos vergangen ist, aber genau weiß ich das auch nicht, denn ich habe keine Uhr bei mir. Meine Gedanken schweifen weiter und ich fange an, die Reise ein wenig zu reflektieren und Revue-passieren zu lassen. Ich denke an den Reiseanfang und das Gefühl der Seekrankheit in der Nordsee oder an das erste Mal Landgang in Brest. Meine Gedanken schweifen umher. Situation für Situation, Bild für Bild, wie bei einer Diashow, die die Reise einem Fremden erzählt. Ich kann mich noch genau an die erste Schiffsübergabe erinnern, als ich Kapitän war und an den ersten Sprung vom Klüverbaum oder auch an meine Grippeerkrankung auf Kuba. So kreisen meine Gedanken noch einige Zeit weiter. Plötzlich denke ich über eine Konversation beim letzten Essen nach, bei der es darum ging, was eigentlich KUS ist, und ich fange an, über diese Frage zu philosophieren.
Wenn man es genau nimmt, ist KUS ein Projekt namens „Klassenzimmer unter Segeln“, bei dem 34 Jugendliche begleitet von 16 Stammis um die halbe Welt segeln und dabei fremde Länder und Kulturen kennenlernen. Aber es ist doch nicht einfach ein Projekt – es ist viel mehr als das. Ich habe die letzte Stunde so viele verschiedene Situationen und Erfahrungen im Kopf gehabt – vielleicht ist KUS ja genau das, eine Sammlung aus Erfahrungen und Situationen.
Aber es muss doch wohl mehr sein als nur ein paar Situationen. Es könnte ja auch jeder einzelne KUSi sein, weil er aus diesen Erfahrungen und Situationen lernt und sich verändert und sozusagen diese Sammlung daraus in sich hat.
Gleichzeitig kann KUS ja auch nicht eine einzelne Person sein – KUS ist auch mehr als das.
Jetzt habe ich es! KUS ist für mich nicht ein Projekt, sondern KUS ist das, was aus den ganzen Situationen und Erfahrungen von den einzelnen KUSis und Stammis gemacht und geformt wird und somit auf der Thor ein halbes Jahr lang Tag für Tag gelebt wird.
Ja, genau – das ist KUS für mich. Jetzt muss ich das schnell aufschreiben, sonst vergesse ich das noch. Also drehe ich mich zu den Blättern Papier, nehme mit meiner rechten Hand den Stift und notiere das schnell.
Stimmt, eigentlich sollte ich ja meinen Brief an mich selbst schreiben. Jetzt muss ich mich wirklich darauf konzentrieren, damit das Solo nicht nur mit Langeweile und ein paar vergessenen Gedanken beendet wird. Und so beende ich mein inneres Kino und ich fange an, den Brief an mich selbst zu schreiben.
KUS-Ticker
Samstag, 11.04.2026
- 06:15 Uhr: Halse
- 13:15 Uhr: Projekte
- 16:00 Uhr: Schüler/-innenversammlung
- 17:40 Uhr: Schüler/-innenstammversammlung in Schiffsübergabe
Sonntag, 12.04.2026
- 13:00 Uhr: wissenschaftliche Fragebögen
- 15:00 Uhr: Schüler/-innenstammversammlung in Schiffsübergabe
- 15:30 Uhr: Stammversammlung
- ab 23:00 Uhr: Brotbackschaft
