Der spontane Teil einer „normalen“ Wache

Datum: 20.02.2025
Mittagsposition: 31°15,1’N; 068°42,7‘W
Etmal: 120 sm
Lufttemperatur: 22 °C, Wassertemperatur: 20,5 °C, Windrichtung und Stärke: SW6

Ich träume und höre, wie irgendetwas nach mir ruft. Ich höre aus der Ferne einen immer lauter werdenden Ruf: „Pius… Pius!“. Ich wache auf und es stellt sich heraus, dass es der Weckmensch der Wache vor mir ist. Um sicher zu gehen, dass man wach ist, wird dir wie jeden Tag mit der hellsten Rotlichtlampe, die man auf dem gesamten Schiff finden konnte, wie mit einem Baustrahler kurz ins Gesicht geleuchtet. Nach dem ersten Schock rappele ich mich auf und gehe zum Frühstück. Es gibt wie jeden Tag Obstsalat. Das einzige, was sich seit ein paar Tagen geändert hat, ist, dass der Obstsalat jetzt aus neunzig Prozent gefrorener Papaya besteht. (Diese Frucht konnten wir schon zum Ende unseres Panama-Landaufenthaltes nicht mehr sehen.) Ich esse also die übliche Kombination an Müsli und Obstsalat und mache mich fertig für die Wache. Kaum auf dem Achterdeck, beginnt die Wachübergabe. Sobald die Wache übergeben wurde, stellt sich jemand ans Ruder und der Utkiek wird auch ausgelöst. Kaum denkst du, dass es eine nicht allzu spektakuläre Wache wird, kommt die Ansage, dass sich das Müllnetz vorne am Klüver gelöst hat und sich fast verabschiedet. Das muss so schnell es geht verhindert werden. Da wir auf dem Nordatlantik sind, ist starker Seegang und fast jede Welle geht übers Schanzkleid.

Luki und ich haben uns der Sache angenommen und bereitgemacht, in den Klüver zu klettern. Dies war aber alles andere als jeden Tag, denn anstatt, dass wir uns alles Wasserfeste angezogen haben, wussten wir, dass es aussichtslos sein würde, haben uns bis auf die Unterhose ausgezogen und dann den Klettergurt angelegt. Auf dem Weg zur Back haben wir noch kurz hart steuerbord gebrasst und hatten einen ersten Vorgeschmack der Temperatur des Nordatlantiks. Kaum angekommen, haben wir die Lage gesichtet und haben uns in die Schlacht „gestürzt“. Das Müllnetz hat es irgendwie geschafft, sich zur Hälfte durch das Klüvernetz zu quetschen. Beim Anheben bemerkten wir die nächsten Probleme: Es hat sich mit Wasser vollgesogen und war deshalb extrem schwer. Das zweite war, dass es mit provisorischen Zeisern festgemacht wurde, welche sich durch das zusätzliche Gewicht super festgezurrt haben. Kaum waren wir bei dieser Erkenntnis angelangt, fing die Thor an zu stampfen und wir wurden komplett untergetaucht. Nach dieser etwas anderen Art einer Dusche ist der Adrenalinpegel auf ein neues Maximum hochgeschossen, obwohl man sich an drei verschiedenen Stellen gesichert hatte.

Wir machen uns an die Arbeit und merken, wie die Thor wieder zu stampfen beginnt. Durch die regelmäßigen Duschen rutscht das Müllnetz immer wieder durch das Klüvernetz. Ich lehne mich mit meinem gesamten Körpergewicht dagegen und vergewissere mich noch einmal, dass ich gesichert bin. Dadurch, dass Luki mit Zeiserlösen beschäftigt war und ich mein Bestes gegeben habe, das Müllnetz zu halten, konnten wir nicht nach oben klettern, sobald das Wasser kam. Somit ist es immer aufs Neue eine Überwindung, zu sehen wie das Wasser näherkommt, ohne dass ich irgendetwas tun kann und schließlich alles weiß von der Gischt wird. Nach ein paar Minuten des Abenteuers höre ich Luki auf der anderen Seite des Klüverbaumes fluchen. Es hat sich eine Leine um das Wasserstag gewickelt, welche sich weit unter dem Klüvernetz befinden. Jegliches Zerren bringt nichts und schließlich entscheiden wir uns, die Leine zu kappen. Also organisieren wir uns ein Messer und Luki kappt sie. Nun können wir uns endlich wieder darauf konzentrieren, das Müllnetz aus den Maschen des Klüvernetzes zu pulen, während die Wellen über uns zusammenschlagen. Als das geschafft ist, zerren wir das Netz auf die Back und gehen uns abtrocknen und umziehen.

Und so wurde der Tag, der so schien, als wenn er so wie „immer“ wäre, zu einem neuen und super aufregenden Abenteuer auf dem großen Abenteuer unserer Reise.

KUS-Ticker

Mittwoch, 19.02.2025

  • 14.00 Uhr: Aufdecken der GPS-Position
  • 16.00 Uhr: Rückübergabe des Schiffes an die Stammbesatzung
  • 19.30 Uhr: Auswertung der Schiffsübergabe

Donnerstag, 20.02.2025

  • 12.30 – 13.00 Uhr: Halse auf Steuerbordbug
  • 16:00-18:30 Uhr: Halsentraining