Srrrrr…

Nachdem die Häuser eingeteilt wurden, ging die Tür des Apartments, das ich mir mit ein paar Freunden und 4 weiteren KUSis teilte, auf und ich konnte das erste Mal einen Blick in die Unterkunft werfen.

Das Esszimmer und die Küche, die in einem Raum vereint waren, erschienen ganz gemütlich. Vor allen Dingen aber die beiden Schlafzimmer mit jeweils einem Doppelbett, was für uns Bewohner voll und ganz ausreichte, sahen vielversprechend aus. Wahrscheinlich würde ich hier die meiste Zeit verbringen, dachte ich mir und damit lag ich rückblickend auch gar nicht so falsch. Auf dem Gelände, das schon seit langem nicht mehr so belebt gewesen war, herrschte anfangs noch etwas Gewusel. Es gab eine ganze Wanderschaft von KUSis, die mit vollgepackten Wanderrucksäcken ihre Unterkunft suchten. Außerdem wurde auch noch ganz fleißig Proviant hin und her getragen.

Ich verzichtete, anders als viele KUSis, auf einen Ausflug an den Strand mit einem wie bestellten Sonnenuntergang. Stattdessen besuchte ich meine Freunde in den anderen Häusern, die sich auch schonmal einrichteten. Wir tauschten uns über unsere Mitbewohnerinnen und Mitbewohner aus und kamen zu dem Entschluss, dass das bestimmt eine tolle Woche werden würde. Vor allen Dingen würde sie lecker werden – deutsches Essen hatten wir schon lange nicht mehr gehabt. Währenddessen bereitete die Backschaft Spaghetti Bolognese vor. Viva Italia!

Spätestens zur Nachtruhe fanden sich alle in ihren Häuschen wieder. Die letzten Sachen wurden ausgepackt, bevor auch das letzte Licht erlosch.

Die nächsten Tage verbrachten die KUSis viel am Strand, vor allem mit „Spikeball“ – Spielen und Baden, wobei ich diese Wasseraffinität echt nicht verstehen kann und auch nicht nachvollziehen möchte. Öfters sah ich auch einige über das Gelände laufen und dachte schon, sie würden Selbstgespräche führen (eine lange Zeit auf See kann einen bestimmt auch ziemlich verrückt machen…). Doch dann ging mir auf, dass sie wohl gerade nach Hause telefonieren. Ein KUSi packte zwischenzeitlich seine Drohne aus – da habe ich vielleicht einen Schreck bekommen, als mir dieses Riesen-Viech entgegenflog!

Auch Brettspiele, wie zum Beispiel „Siedler von Catan“, wurden fleißig gespielt. Oft traf man aber die KUSis, inklusive Stamm und Lehrer, auf der Gemeinschaftsaufenthaltsterrasse (was für ein Wort!) an, Dort wurden die Speisen, wie zum Beispiel Kürbissuppe, Gnocchi mit Käse-Sahnesoße oder Milchreis, der allen KUSis mundete, vernichtet. Ich für meinen Teil konnte ehrlich gesagt nichts mit dem Essen anfangen – aber keine Angst: Hungrig schlafen gegangen bin ich nie.

Wenn dort gerade mal nicht gegessen wurde, sah man fleißige KUSis beim Pauken. Von Bio bei Andreas über Geo bei Veronika bis hin zu Mathematik bei Johannes, wo es hauptsächlich um Trigonometrie ging, war alles dabei. In Englisch und in Mathe wurde sogar ein Test geschrieben. Ich selbst habe noch nie etwas mit Winkeln und so einem Zeug anfangen können. Ich weiß nur, dass in manchen Winkeln fiese Spinnen in ihren Netzen sitzen, denen ich unbedingt aus dem Weg gehen möchte. Sinus, Cosinus und Tangens spielen dabei, soweit ich weiß, keine Rolle.

Manche sportlichen KUSis waren auch schon früh auf den Beinen – um 7 Uhr trafen sie sich freiwillig zum morgendlichen Joggen und anschließendem Schwimmengehen am Strand.  Mich hat man da nicht gesehen – als ob ich so verrückt wäre und meine kleinen, dünnen Beinchen trainiere!

Zudem pflegten die KUSis, morgens gemeinsam zu frühstücken. Dabei wurde sich manchmal auch über mich beschwert, manche hätten nicht schlafen können, weil ich und meine Freunde noch ein Weilchen länger wach geblieben waren! Ich bin jedes einzige Mal aufgewacht, wenn auch nur ein KUSi seinen Schweinehund überwinden konnte und sich zum Joggen aufraffte! Jedes einzelne Mal! Unter akutem Schlafmangel litt ich in dieser Zeit! Denn die Nächte waren lang. Durch die unbegründeten Beschwerden wurde ich immer wütender und so fiel es mir eines Nachts noch leichter als die einigen Male davor. Die KUSis legten sich schlafen, nachdem sie einige Male vergeblich versucht hatten, mich zu schlagen und außer Gefecht zu setzen. Ich schlich mich an, dann stach ich zu. Nach dem ersten Stich hatte ich Blut geleckt. Ich stach noch weiter zu. Einige Male. Ein riesiges Blutbad! Als ich meinen Bauch vollgeschlagen hatte, flog ich zurück in einen dunklen Winkel, um das frisch Gesaugte zu verdauen.

Srrrrrrr…

Aber was war denn das? Ich identifizierte erst, worauf ich da zuflog, als ich mich schon mittendrin befand und meine Flügel nicht mehr stoppen konnte. Ein großes Spinnennetz – ein Zurück oder Rauskommen war unmöglich. Bevor ich das Blut der KUSis überhaupt richtig verdaut hatte, schlich sich die Besitzerin des Netzes mit ihren acht langen Beinen elegant an und beäugte mich interessiert.

Oh nein! Jetzt war es für alles zu spät. Das wäre mir bestimmt nicht passiert, hätte ich doch mal in Johannes´ Matheunterricht aufgepasst! Vielleicht hätte ich ja mit dem Tangens ausrechnen können, dass sich in dieser Ecke diese Spinne befindet und mich verspeisen möchte.

Ich bin doch noch eine viel zu junge Mücke um zu sterben!

KUS-Ticker

Sonntag, 31.01.2021

Mittagsposition: Villa Maris, Maio, Kap Verde

  • 08:30-09:15: Mathe
  • 10:10-10:55 Uhr: Chemie & Physik
  • 11:00-11:45 Uhr: Geschichte
  • 13:00-18:00 Uhr: 5-stündiges Solo
  • 18:00 Uhr: gemeinsamer Abschluss des Solos mit kurzer Nachbesprechung
  • 21:00 Uhr: Lagerfeuer