Vom Ankommen, Umziehen und Beisammensein

Datum: 22.03.2025
Mittagsposition: 42°38,4´N; 026°31,6`W
Etmal: 148 sm
Lufttemperatur: 13,5 °C, Wassertemperatur: 14 °C, Windrichtung und Stärke: NNE5

Hallo. Ich bin eure Blogautorin von heute. Da mir leider kein besonders kreativer Einstieg eingefallen ist, der normalerweise die Grundlage für einen grandiosen Blog bilden soll, schreibe ich jetzt einfach blind auf, was mein müdes Gehirn ausspuckt. Viel Zeit werde ich mit Sicherheit auch dafür brauchen, da ich alle paar Sekunden von dem Trompetenspiel abgelenkt werde, welches Johannes auf dem Deckshaus veranstaltet. Dazu kommt, dass meine lieben Mitmenschen gerade angefangen haben, das Lied „Laurenzia“ laut zu singen, das sich in Dissonanz mit der Trompete vermischt.

Aber genug von diesem trockenen Einstieg, ich möchte euch von den zwei vergangenen Tagen berichten. Folgendes ist am Freitag und Samstag passiert:

Am Freitagmorgen erwachen die meisten – wie ich nur hoffen kann – bei frischer Luft, einer warmen Brise und trockenen Füßen in ihrem warmen Schlafsack, um ausgeschlafen aus ihren Zelten zu kriechen und in die klammkalten Wanderschuhe zu schlüpfen. Der letzte Vormittag der Kleingruppenexkursion steht an und somit auch die letzte Chance für den nächsten Monat, das Campen zu genießen. Es wird auf Gaskochern Porridge gekocht, das erst ewig braucht, um warm zu werden, nur um dann unerwartet schnell anzubrennen und all seine Flüssigkeit an die umliegende Luft abzugeben. Das letzte Brot wird ausgepackt und – zumindest in der Gruppe, die auf Faial unterwegs ist – voller Vorfreude mit dem Taschenmesser in kleinere Stückchen zerfetzt, um dann zärtlich mit Lotus-Bischoff-Creme (extra crunchy) bestrichen und genussvoll verzehrt zu werden.

Wohlgenährt folgt nun eine ausführliche Nachbesprechung der Expedition, bei der noch einmal alle die Möglichkeit haben, gemeinsam über die vergangenen Tage zu reflektieren: über ihre Gefühle zu berichten, Probleme anzusprechen, oder besonders positive Aspekte hervorzuheben. Diskussionen entstehen, Spannungen kommen zum Vorschein und lösen sich wieder. Nachdem sich alle ausgesprochen haben, geht es wieder zurück nach Hause – ob zu Fuß, mit der Fähre oder trampend, alle Wege führen zur Thor.

An der Pier herrscht ausgelassene Stimmung. Zum ersten Mal seit Tagen treffen die Kleingruppen wieder aufeinander, man sieht viele Umarmungen und stark gestikulierend wird von den wildesten Geschichten berichtet. Unterbrochen wird dies nur von den Arbeiten, die noch zu verrichten sind: Alle Zelte müssen geschrubbt, alle Kocher gespült und der übrig gebliebene Proviant verräumt werden. Außerdem bittet Corinna – unsere Projektleitung – uns zur Begrüßung, am Nachmittag Zeit einzuplanen, damit jeder gründlich duschen kann. Als dann schließlich alle Restarbeiten erledigt sind, taucht die untergehende Sonne den wolkenfreien Pico in goldenes Licht und orange-rote Wellen tanzen über die fast glatte Wasseroberfläche. Erschöpft fällt die Besatzung der Thor Heyerdahl ins Bett, denn der kommende Tag wird anstrengend sein.

Heute, am Samstag, ist der letzte volle Tag in Faial, denn morgen werden wir im Laufe des Tages auslaufen und die Azoren zurücklassen. Bevor das geschieht, schlagen wir aber noch Segel an, schreiben Blogs, sortieren Bilder und erledigen alle anfallenden Schiffsarbeiten. Nebenbei bekommen alle KUSis ein Zeitfenster von drei Stunden, um all ihre Sachen aus Unterkoje, Fächern und den Kojen in die neue Kammer zu schleppen und dort möglichst ordentlich wieder wegzustopfen, was überraschend anstrengend ist, aber man tröstet sich damit, dass es der letzte wirkliche Umzug auf der Thor sein wird. Durchbrochen wird dieses Wimmelbild nur von einer spontanen Proviant-Kette, die den frisch erworbenen Proviant von Hand zu Hand Richtung Trockenlast, Kühllast und Tiefkühllast wandern lässt. Nach viel Geschleppe, Geplauder und gelegentlichen „Vorsicht, schwer!“-Ausrufen wird eine letzte Information mündlich durch die Kette weitergegeben: „Kette Ende!“

 Die Beteiligten schwärmen aufgeregt aus, die meisten Richtung Kammer, um sich auf das letzte Event des Tages vorzubereiten. Schuhe, Jacken und vereinzelt auch Instrumente kommen zum Vorschein, bevor sich fast die gesamte Schiffsbesatzung gemeinsam auf den Weg zu einem nahen Café macht, denn wir haben ein kleines Konzert auf die Beine gestellt. Dort angekommen lassen sich die Zuschauer auf einer breiten Steinmauer nieder, die die lichtdurchflutete Gasse und die alte Walfang-Bucht voneinander trennt. Möwen segeln elegant durch die salzwasserreiche Luft, während Klaus, unser Bordarzt, den ersten Jazz-Song am Klavier anstimmt. Ein Geruch von Algen und Fisch steigt in unsere Nasen und satte Klänge ertönen aus Lukis Saxofon, werden von dem warmen Wind bis zu den grasbewachsenen Abhängen auf der anderen Seite der Bucht getragen. Als dann auch noch die warme, klare Stimme von Cosi erklingt und der kleine KUS-Chor mit einstimmt, fährt ein weißer Lastwagen vor und macht den Abend perfekt: Der Besitzer des Cafés hat extra für uns Pizza bestellt, und schon bald mampfen alle glücklich vor sich hin, während ein glamouröser Sonnenuntergang den Abend des Tages einläutet. Nachdem alle sicher und wohlgenährt zurück auf der Thor eingetroffen sind, verkriechen sich die ersten auch schon in ihre Koje und genießen die letzte Nacht ohne Seegang.

Freitag, 21.03.2025

  • 11:00 Uhr Ende der Expedition, Rückkehr zur Thor
  • 11:00-17:00 Uhr Restarbeiten Expedition

Samstag, 22.03.2025

  • 08:00-18:00 Uhr Schiffsarbeiten und Umzug
  • 18:00 Uhr Konzert im Café Porto Pim