Geburtstag – ganz anders als gewohnt
Datum: 25.03.2025
Mittagsposition: 41°00,5‘N; 027°56,8‘W
Etmal: 105 sm
Lufttemperatur: 16 °C, Wassertemperatur: 16 °C, Windrichtung und Stärke: SSW 4
Als ich mich am Ende der letzten Etappe in die Blogliste eingetragen habe, dachte ich, dass es bestimmt ganz witzig ist, über den eigenen (15.) Geburtstag zu schreiben. Damals dachte ich auch, dass am 24.03. bis mittags das Solo und nachmittags die Vorbereitung der fünften Etappe stattfinden. Während der Expedition kam dann allerdings die Nachricht, dass das Programm geändert wurde und wir am 23.03. lossegeln. Erst war ich darüber etwas traurig, aber am Ende war der Geburtstag auf See eine einzigartige und sehr schöne Erfahrung.
Der Tag hat für mich um 01:38 Uhr begonnen, als ich von Justus zur Wache geweckt wurde. Die Wache war die erste dieser Etappe und insgesamt sehr entspannt. Trotz dessen, dass ich schon so lange auf diesem Schiff bin, lerne ich jeden Tag neue Dinge über die Thor. Während der Nachtwache habe ich zum Beispiel das ersten Mal das (neue) angeschaltete Radar gesehen. Zu sehen waren unsere Takelage, einige Inseln der Azoren sowie ein paar weitere Schiffe. Es sieht übrigens ganz anders als in Filmen aus – die Konturen sind viel ungenauer und knallgelb. Im Ausguck habe ich viel nachgedacht und mir vor allem die Frage gestellt, was mir am Geburtstag wichtig ist und wie mein Tag aussehen soll. Für mich persönlich ist es so, dass Weihnachten ein Fest mit der Familie und Silvester ein Fest mit Freund/-innen ist. Den Tag über habe ich mir oft die Frage gestellt, welche Art von Fest der Geburtstag für mich ist. Am Ende bin ich zu dem Schluss gekommen, dass der Geburtstag für mich einfach ein Tag ist, an dem ich Dinge machen möchte, zu denen ich Lust habe – mit Menschen, die ich mag. Da passt es sehr gut, dass ich mit 49 Menschen auf diesem Schiff bin, die ich alle sehr mag. Den Tag über gab es kaum Programm, weshalb wir sehr viel Zeit hatten. Irgendwie fühlt sich das immer sehr komisch an: Man hat zwei Stunden Zeit und kann einfach mal machen, was man will. Teils führt das auch zu Trends auf der Thor: Plötzlich war jede zweite Person am Häkeln oder Lesen. Zwischendurch haben wir am Montag noch KUS-Reflexionsheftchen bekommen. Erst dachten viele, dass es eines dieser Hefte ist, die gleich irgendwo verschwinden, aber mittlerweile gehört das Minuten-Tagebuch bei vielen abends dazu. Der Dienstag sah eigentlich genauso aus, nur gab es statt des Vortrages ein Projektetreffen.
Bei jedem Geburtstag auf der Thor gibt es Rituale, die bei Kaffee und Kuchen stattfinden.
Das erste ist, dass die Person, die Geburtstag hat, mindestens einmal am Tag den Frosch aufzieht. Der Frosch ist (Überraschung!) grün und wohnt auf der Glocke in der Messe. Beim Geburtstagkaffee ist dann der „Frosch“ Tradition und eigentlich alle haben ein Foto mit ihm. Für den Fall, dass zwei Leute an einem Tag Geburtstag haben, gibt es noch eine Krone (die wir allerdings vor dem nächsten Doppel-Geburtstag unbedingt wiederfinden müssen).
Das zweite Ritual ist das Geburtstagsgeschenk des Projekts: Die Jugendlichen bekommen ein Buch geschenkt, der Stamm ein Kleidungsstück.
Drittens bekommen alle eine Karte, die von den Projektleitungsassistent/-innen vorbereitet wird.
Viertens wird zu Kaffee und Kuchen auch immer ein Geburtstagslied gesungen – angeleitet von einer/einem Chorleiter/-in (statistisch gesehen meistens Pius). Das Geburtstagskind darf sich diese Person aussuchen, bei mir war es Leon. Das Lied ist oft sehr durcheinander, aber immer ist es sehr witzig. Ein Beispiel dafür ist „Happy Birthday“ vierstimmig im Kanon. Das hört sich dann ungefähr so an: „Happy – Happy – Happy – Happy“.
Fünftens gibt es vom Auftakel-Projekt ein Armband geschenkt, in ganz unterschiedlichen Farben.
Das letzte Ritual bei Kaffee und Kuchen ist der Kuchen (es gibt übrigens nur an Geburtstagen Kuchen zu Kaffee und Kuchen). Wir hatten schon alle erdenklichen Kuchen-Arten: Maulwurfskuchen, Rührkuchen, Schokokuchen, Zitronenkuchen …. Je nach Seegang sind die Kuchen dann unterschiedlich geformt. Den Kuchen darf man sich übrigens wünschen – ich habe mir die „Schokobrownies von Alex“ gewünscht. Diese habe ich bei meiner ersten Backschaft auf der Thor für Nora zum Geburtstag gebacken und Rosa verzierte sie damals.
Eine Sache finde ich persönlich noch besonders cool: Bei den meisten Geburtstagen auf See kommen irgendwann am Tag Tiere vorbei. Bei mir waren es kurz nach Kaffee und Kuchen Wale.
Am Ende war der Tag für mich sehr schön und ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung. Noch nie zuvor habe ich an meinem Geburtstag so viel über den Geburtstag an sich nachgedacht. Während der KUS-Reise wurde ich schon mehrmals gefragt, wie es ist, als jüngster an Bord mitzufahren (am 24. bin ich 15 Jahre alt geworden). Ich finde es sehr cool, dass es in dieser Gemeinschaft egal ist, wie alt man ist, weil ich persönlich finde, dass wir an Bord eigentlich alle gleich alt sind – denn es ist egal, wen wir gerade vor uns haben: Wir gehen mit allen gleich um.
PS: Vielen Dank an meine Familie für die schönen Geburtstagsbriefe, ich habe mich sehr gefreut!
KUS-Ticker
Montag, 24.03.2025
- 17:30 Uhr: Vortag Azorenhoch von Flora
Dienstag, 25.03.2025
- 15:15-16:45 Uhr: Projektetreffen